Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 12 ° wolkig

Navigation:
Am 8. Juni beginnen die "Theaterformen"

Theaterformen Am 8. Juni beginnen die "Theaterformen"

Zuschauer sollen sich blind durch die Stadt führen lassen, Worte fremder Menschen sprechen und über das reden, was sie besitzen - das Festival Theaterformen, das vom 8. bis zum 18. Juni in Hannover zu sehen ist, bietet viel Theater zum Mitspielen an.

Voriger Artikel
Viele kleine Pannen: Judith Holofernes im Pavillon
Nächster Artikel
Neues Großprojekt für Kunstfestspiele

 Die Tanzperformance "Sylphidarium" von Francesca Pennini.

Quelle: Viola Berlanda/Theaterformen/dpa

Hannover. Vertrauen ist wichtig. Besonders bei dieser Theaterform. Die französische Künstlerin Myriam Lefkowitz gastiert mit einer ganz neuen, Nähe und Sensibilität erfordernden Kunstform beim Festival Theaterformen, das vom 8. bis zum 16. Juni in Hannover stattfindet. In „Walk, Hands, Eyes (Hannover)“ sollen sich die Zuschauer mit geschlossenen Augen durch die Stadt führen lassen. Auf jeden Zuschauer kommt einer, der ihn an die Hand nimmt oder gegebenenfalls auch an die Schultern fasst. Einige der Führer gehören zum Ensemble von Myriam Lefkowitz, andere wurden eigens für die Aufführungen in Hannover engagiert. Es handelt sich um Geflüchtete – und das Stück verspricht eine schöne Umkehrung der Verhältnisse: Flüchtlinge erklären den Zuschauern die Stadt.

Mitmachtheater wie „Walk, Hands, Eyes (Hannover)“ gibt es reichlich bei der neuen Ausgabe des Festivals. In „Oratorium“ etwa arbeitet die Theatergruppe She She Pop mit einem Chor von Zuschauern aus Hannover. Die Laiendarsteller werden über das sprechen, worüber man sonst nicht so gern spricht: den eigenen Besitz.

Fremde Worte werden auch die Zuschauer von „Dein Wort in meinem Mund“ aussprechen. Die italienisch-belgische Künstlerin Anna Rispoli hat zusammen mit dem hannoverschen Künstlerduo Lotte Lindner und Till Steinbrenner mit verschiedenen Menschen über Liebe gesprochen. Die Teilnehmer der Performance werden die fremden Worte lesen. Und zwar mit jedem Räuspern und jedem „Äh“, das die Künstler mit aufgezeichnet haben. So soll eine besondere Art von Intimität entstehen. Und eine besondere Unsicherheit wird wohl auch zu spüren sein. Denn für diese Performance sind unterschiedliche Spielorte vorgesehen, und alle sind nicht für jedermann frei zugänglich. Bei einem dieser Spielorte dürfte es sich die Rede um eine Sauna handeln. Die Künstler verraten nichts, aber in der Ankündigung ist von „Sauna Dresscode“ die Rede. Das dürfte eine Herausforderung sein – auch für die Theaterkritik.

Die Bandbreite der Theaterformen ist bei diesem Festival naturgemäß groß: Neben partizipativem Theater gibt es Tanztheater (Francesca Pennini erzählt in „Sylphidarium“ die Geschichte des Balletts „La Sylphide“), Videoperformances (etwa „Love and Revenge“ von der libanesisch-griechischen Künstlerin Randa Mirza und dem libanesisch-französischen Musiker Rayess Bek), theatrale Ortserkundungen (wie Marusa Kinks Inszenierung von Tschechows „Drei Schwestern“ in einer alten Industriehalle) oder Performances (wie „Oblivion“ von Sarah Vanhee, die ihren eigenen Müll ausstellt, den sie im Verlauf eines Jahres gesammelt hat).

15 Theaterproduktionen werden vom 8. bis 18. Juni bei den Theaterformen zu sehen sein, dazu gibt es viele Konzerte im Festivalzentrum im Innenhof des Schauspiel- und Künstlerhauses – wie immer bei freiem Eintritt. Den Anfang des Konzerte macht die kanadische Gruppe „The Hidden Cameras“ am Donnerstag, 8. Juni um 21.30 Uhr.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur
Briefe der Geschichte mit Anke Engelke und Devid Striesow

Anke Engelke und Devid Striesow lesen im Theater am Aegi historisch bedeutende Briefe vor.