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André Butzers Ausstellung in Hannover ist umstritten

Kestnergesellschaft André Butzers Ausstellung in Hannover ist umstritten

An André Butzers Kunst in der Kestnergesellschaft scheiden sich die Meinungen: Von Vergleichen mit Klee oder Mondrian bis hin zu Beleidigungen, der Künstler muss momentan viel aushalten. Jetzt äußert sich der Maler im HAZ-Interview.

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Asphaltgrau mit Spuren von Rot, Gelb und Blau: André Butzers Werke, zu sehen in der Kestnergesellschaft Hannover, sind Sammlern hohe fünfstellige Euro-Beträge wert.

Quelle: Martin Steiner

Hannover. Ihre aktuelle Ausstellung in der Kestnergesellschaft Hannover trägt den Titel „Der wahrscheinlich beste abstrakte Maler der Welt“. Wieso wahrscheinlich?

Das ist als Zugeständnis an die Betrachter gemeint. Es soll sich ja ein jeder selber sein Urteil machen und nicht blind einer Behauptung folgen – oder eben nicht folgen. Da ich und ein paar andere Leute an den Titel wirklich glauben, wollte ich die eigentliche Behauptung nur so weit abschwächen, dass sie diskutierbar und unterhaltsam wird.

Zu sehen sind farbenfroher Expressionismus neben großformatigen Monochromen. Auf akkurate Malweise scheinen Sie weniger Wert zu legen. Worauf kommt es Ihnen in Ihrer Malerei eigentlich an?

Es kommt mir ausschließlich auf Genauigkeit an, das heißt, ich folge einer sehr hohen künstlerischen Ordnung, deren Maß unberechenbar genau ist, also so genau, dass die weltliche Mathematik oder die Benutzer von Linealen und etablierten rechten Winkeln sie meistens heute noch nicht erkennen können. Diesem Maß in der Malerei zu folgen ist außerordentlich schwer und zeitaufwendig, weil man so von keiner bestehenden Ordnung ausgeht, noch nicht mal von einer Ordnung, welche bereits als „abstrakt“ aussehend von den Menschen anerkannt worden ist.

Manche Besucher sind irritiert, sie denken: „Das könnte ich auch.“ Zielen Sie vielleicht genau auf solche Reak­tionen ab?

Nein.

Versteht man Ihre Kunst hinreichend, wenn man sie als Ironisierung der Malereitradition betrachtet?

Nein, ich hoffe, man wird sehen, dass ich Tradition bewahre, beschütze, weitertrage und lebendig erhalte mit dem Ziel, die Geschichte der Kunst aus einer schon zukünftigen Perspektive heraus in Hochachtung vor ihren Errungenschaften mitzugestalten. Alles, was Kunst ist, ist ganz frei von Ironie.

Glauben Sie an die Möglichkeit, als gegenwärtiger Künstler über das bereits Bestehende – etwa die reiche Tradition abstrakter Malerei – hinausgelangen zu können?

Selbstverständlich. Grundlage hierfür wäre auf jeden Fall, sich nicht als gegenwärtig zu sehen, noch sich jemals als gegenwärtig zu bezeichnen, es gibt nur Vergangenes und Zukünftiges in der Kunst, so gibt es also auch nur vergangene oder zukünftige Künstler. Es gibt in der Geschichte der Kunst keine Malerei, die nicht abstrakt ist, es kommt eher darauf an, ob Malerei oder Kunst Abstraktion „macht“. In diesem Sinne gibt es für das Neue immer genug Gelegenheit, historisch zu erscheinen, als Folge seiner selbst und als Folge der Entwürfe und Visionen, die sich die Menschen von sich und ihrer Lebenswelt wohl noch auf unbestimmte Zeit machen werden.

Worin besteht die größte Schwierigkeit, wo liegen die Fallstricke für diejenigen, die sich heute als Künstler behaupten und bewähren wollen?

Ich denke, dass die Gegenwärtigkeit und Aktualität, in welche sich viele Künstler heute im Sinne einer Berufswahl hinein entscheiden, ein Problem in der Außenwahrnehmung von Kunst ist. Insgesamt ist das aber gar kein Problem an sich, es gibt derzeit halt leider mehr Künstler als gute Bäcker oder Metzger. Ich würde aber nie sagen, es gäbe zu viele Künstler, das wäre ungerecht.

Welchen Einfluss hatte eigentlich Ihr Lehrer Albert Oehlen auf Ihre künstlerische Haltung?

Ein Lehrer in meinem Beruf macht keinen Sinn, man kann hier nichts lernen. Personen, zu denen man hinaufschaut oder hinunter, sind aber wichtig, ob lebendig oder schon tot. Ich habe ein Höchstmaß an Achtung und Respekt gegenüber anderen Künstlern schon mitgebracht, aber eventuell hat die Begegnung mit einem so wichtigen Künstler wie Albert Oehlen dieses noch verstärkt.

Sie haben Ihren Stil einmal als „Science-Fiction-Expressionismus“ beschrieben. Was genau meinen Sie damit, und trifft diese Bezeichnung auch auf die Bilder in der Kestnergesellschaft zu?

Die Bezeichnung sollte eigentlich für möglichst alle Arten von Bildern verwendet werden, vor allem nicht nur für meine eigenen, die ja nur dann zu „eigenen“ werden, wenn man versteht, wie wenig es hier um die Leistung eines Individuums geht.

Sie nennen als eine Art schöpferische Quelle den fiktiven Ort „Nasa-Heim“, der auch schon als „Nasen-Heim“ missverstanden wurde. Wozu dieses Konstrukt?

Diese Konstruktion ist eine dienende Denkbewegung zugunsten des eingangs beschriebenen künstlerischen Maßes, also ein Unort vielmehr als ein bloßer Ort, dessen Koordinaten heilig und unendlich sind und nie das Ergebnis einer Kalkulation.

Sie haben ein großes Atelier auf dem Gelände einer ehemaligen Flugzeug­fabrik in der Nähe Berlins. Sie sind international an Ausstellungen beteiligt. Ihre Werke erzielen beachtliche Preise. Sind Sie zufrieden?

Die Flugzeugfabrik liegt in Brandenburg, nicht in Berlin, das ist mir wichtig, weil man sich entfernen, nicht annähern soll. Umso weiter ich wegkomme, von mir und von den anderen, umso zufriedener bin ich.

Die Ausstellung in der Kestnergesellschaft läuft noch bis 14. August.

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