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Kultur André Rieu geigt dem Publikum den Walzer
Nachrichten Kultur André Rieu geigt dem Publikum den Walzer
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00:16 14.01.2018
Hat die Stradivari fest im Griff: Stargeiger André Rieu. Quelle: Michael Wallmueller
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Hannover

 Die kostbare Geige führt André Rieu an diesem Abend nur selten an sein Kinn. Violine und Bogen hält er in der linken Hand, während der 68-jährige Niederländer die rund 60 Musiker seines Johann-Strauss-Orchesters dirigiert. Bestimmt gibt er den Musikern den Takt vor und blickt die geladenen Gastsänger eindringlich an, während sie Georg Friedrich Händels „Hallelujah“ vortragen. Die fast 300 Jahre alte Stradivari bleibt stumm.

Seit genau drei Jahrzehnten entlockt der niederländische Dirigent mit der Geige seinem Johann-Strauss-Orchester populäre Melodien, so auch bei dem Konzert am Donnerstagabend in der Tui-Arena. Seitdem verzückt Rieu, wie schon der Namensgeber seines Ensembles, sein Publikum mit einem Potpourri klassischer Musikstücke. 

In Frack und Kleid

Hannover ist der zweite Stopp auf der diesjähriger Welttournee des bekannten Violinisten. Die Musiker seines Orchesters sitzen in feiner Abendgarderobe aufgereiht vor einem großformatigen LED-Bildschirm, die Damen in bunten Kleidern, die Herren im Frack. Vor ihnen kunstvoll geschwungene, goldene Notenständer, die Bühne umrandet von künstlicher Blumendekoration.

Konzert von André Rieu in Hannover: Bilder aus der Tui-Arena.

Für sein Konzert begrüßt Rieu einige Solisten als Gäste, etwa die drei Platin Tenors. „In jedem Land, in dem wir spielen, bekommen diese Herren nach dem folgenden Lied Standing Ovations“, kündigt der charmante Geiger mit den ergrauten Locken an. Das amüsiert die Zuschauer, immerhin ist jetzt klar, was Rieu im Anschluss an das nächste Stück erwartet. Und so kommt es dann auch. Nachdem der letzte Ton der kraftvollen Arie Nessum Dorma abgeklungen ist, erheben sich die Zuhörer bereitwillig von den Stühlen. Der sanfte Entertainer Rieu weiß, wie er sein Publikum unterhält.

Nicht ohne Walzer

Der klassische Walzer darf an diesem Abend natürlich nicht fehlen – immerhin hat sich Rieu wie schon sein Vorbild Strauss auf diese Weise um den Titel des „Walzerkönigs“ verdient gemacht. Geschunkelt wird mit „An der schönen blauen Donau“ nicht nur zu einem der Kernstücke aus dem Repertoire des Orchesters, sondern auch zu dem „Schlittschuhläufer Walzer“ von Émile Waldteufel. Ein paar Gäste summen dabei mit.

Rieus Erfolg fußt auf der Darbietung großen Melodien, für die er von seinen Fans verehrt wird. Kritiker werfen ihm währenddessen mangelnden Sinn für die Feinheiten der musikalischen Interpretation vor. In diesem Sinne ist Rieu vielleicht kein Meister, große Werke originell zu arrangieren. Beachtlich ist jedoch sein Talent dafür, beliebte Momente der Musikgeschichte zu beschwören. Hauptsache, es gefällt. Und die Zuschauer sind da seiner Meinung. 

Beständiges Repertoire

„Ich wette, Sie sprechen alle fließend Spanisch“, eröffnet Rieu seinem Publikum. Dann wendet er sich seinem Orchester zu. Die ersten Töne von „Granada“ erklingen, dem Stück des mexikanischen Komponisten Augustín Lara. Dann dreht sich der Stargeiger ruckartig um. „Olé“, hallt es ihm aus der Halle entgegen. Das Publikum kennt das Spielchen bereits, das muss auch Rieu anerkennen. Sein Programm funktioniert auch ohne Grunderneuerung immer wieder. Trotzdem: „Das klang noch ein bisschen nach Hannover-Spanisch“, sagt er.

In der Tui-Arena gastiert zunächst am Sonnabend, 13. Januar, die Motocross-Show Night of Freestyle, bevor am Sonnabend und Sonntag, 20. und 21. Januar, die Pferde von Apassionata ihre Kunststücke aufführen. Musikalisch geht es am Freitag, 26. Januar, mit einem Konzert der Band A-ha weiter. Der Auftritt des Comedian Luke Mockridge am Sonnabend, 27. Januar, ist bereits ausverkauft.

Von Nils Oehlschläger

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