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Kultur "Das ist ein Geschenk"
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00:15 14.04.2017
Von Stefan Arndt
Andreas Felber  Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Natürlich war er pünktlich. Am Abend zuvor hatte er zwar noch ein Konzert in der Schweiz, aber an seinem ersten Arbeitstag war Andreas Felber morgens um Punkt 9 Uhr in der hannoverschen Musikhochschule. Unterrichtsbeginn war erst eine Stunde später, aber Felber stammt aus Luzern, da will man sich in Zeitfragen nichts nachsagen lassen.

In der Nacht hatte er es nach seinem Auftritt nur bis Kassel geschafft, bis ihn die Müdigkeit in ein Hotel an der Autobahn zwang. Aber von dort es ist ja nur ein Katzensprung, und für diese Sache kann man schon mal auf ein paar Stunden Schlaf verzichten: Schließlich hat Felber seit Anfang des Monats einen der prominentesten Lehrstühle in Hannover inne. Er ist jetzt zur Hälfte Professor für Chor- und Ensembleleitung an der Hochschule - und zur anderen Hälfte neuer Leiter des Mädchenchors Hannover.

Eine Stiftung von Schröder und Maschmeyer

Die langjährige Mädchenchorleiterin Gudrun Schröfel, die sich für eine Zeit des Übergangs diese Aufgabe noch mit Felber teilen wird, hatte lange um eine tragfähige Regelung für ihre Nachfolge gerungen. Schließlich konnte sie Gerhard Schröder und seine damalige Frau Doris Schröder-Köpf sowie Carsten Maschmeyer überzeugen, eine Stiftungsprofessur einzurichten, die eine Brücke zwischen der öffentlichen Musikhochschule und dem privaten Mädchenchor schlägt.

Die Bedingung der Stifter war, dass die Professur nach Ablauf der gespendeten Drittmittel - 250 000 trägt Maschmeyer bei, von den Schröders kommen 150 000 Euro - dauerhaft installiert wird. Felber, der sich in einem aufwendigen Bewerbungsverfahren gegen hochkarätige Bewerber auch aus Hannover durchgesetzt hatte, hat also eine lange Amtszeit vor sich: Der Musiker ist gerade einmal 33 Jahre alt.

Kein Wunder, dass er seine Entscheidung sorgfältig abgewogen hat. Hannover war für Felber längst nicht die einzige Option: Das Chorleiter hat durch seine breit gefächerte Arbeit sowohl mit Laien und Profis als auch mit Erwachsenen und Kinder und Jugendlichen vielerorts auf sich aufmerksam gemacht. Am Ende hat er sich doch für eine Stelle entschieden, die nach seinen Worten „viel Sicherheit, Renommee und Möglichkeiten“ bietet. Außerdem sei Hannover eine attraktive Chorstadt.

Im Gespräch spürt man allerdings, dass solche Jubelgründe für Felber nicht allzu schwer wiegen. „Ich habe in Luzern viel erreicht“, sagt er dann, und seine Stimme wird fester: „Jetzt will ich auch an einem anderen festen Ort etwas bewirken.“

Einen ersten Eindruck davon, was das sein könnte, kann man sich heute Abend um 19.30 Uhr in der Musikhochschule verschaffen: Beim Chor- und Orchesterkonzert mit Bachelor-Studierenden zeigen einige seine Schüler, was sie in den ersten Stunden bei dem Neuen gelernt haben. Ob Schröder oder Maschmeyer dabei sein werden, weiß Felber nicht - zu den Stiftern seiner Stelle hat er keinen direkten Kontakt.

Beim Mädchenchor werden die ersten Erkenntnisse etwas länger auf sich warten lassen. Zwar hat er bereits die ersten beiden Proben in der Christuskirche absolviert und sich dort einen positiven Eindruck verschafft („Ich habe selten mit einem so disziplinierten und motivierten Jugendchor gearbeitet: Ein solches Ensemble ist ein Geschenk.“). Aber es wird wohl noch etwas dauern, bis er erkennbar aus dem Schatten von Gudrun Schröfel heraustritt.

Keine Furcht vor der Doppelspitze

Die im Vertrag festgeschriebene Zusammenarbeit mit seiner potenziellen Vorgängerin empfindet Felber aber nicht als Belastung. „Wir verstehen uns gut und können gemeinsam arbeiten“, sagt er. „Wir sprechen eine ähnliche Sprache - auch wenn jeder seine eigenen Vorstellungen hat.“ Der Schweizer ist überzeugt, dass es auf diese Weise einen „runden Übergang“ geben werde, bei dem alle sehen könnten, dass es gut weitergehe.

Im Herbst will er dann das möblierte Zimmer aufgeben, in dem er derzeit wohnt, wenn er in der Stadt ist, und mit seiner Freundin zusammen in eine größere Wohnung ziehen. Konzerte in der Schweiz wird er zwar auch danach noch geben. Aber mit den Nachtfahrten bis Kassel ist es dann wohl vorbei.

Was ab Dienstag im Medienhaus Hannover über die Leinwände flimmert, ist nichts für den zart besaiteten Kinobesucher. Beim „Obscura“-Filmfest werden heute und morgen von 18 bis 24 Uhr Streifen gezeigt, die es „in Deutschland aufgrund ihrer besonderen Art schwer haben“, sagt Veranstalter David Gahne.

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