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00:15 13.09.2017
Von Stefan Arndt
Am Schluss geht es erst richtig los: Andrew Manze dirigiert das Publikum im Kuppelsaal bei "Land of Hope and Glory". Quelle: Katrin Kutter
Hannover

Ist ja schön, wenn man mal ins Fernsehen kommt. Aber noch schöner ist es, wenn das Fernsehen dann wieder weg ist: „Das eben war die Probe“, sagt Andrew Manze bei den „Hannover Proms“ im Kuppelsaal über den Mitsingbeitrag des Publikums bei „Land of Hope and Glory“, mit dem die Liveübertragung des Konzertes gerade zu Ende gegangen ist. Jetzt rollen die Kameraleute schon die ersten Kabel ein – und der Chefdirigent der NDR Radiophilharmonie verlangt von den ausdauernd applaudierenden Zuhörern im ausverkauften Saal noch einmal die heimliche englische Hymne: „Nun aber laut.“ So geht es zum Schluss noch einmal richtig los.

Die NDR Radiophilharmonie ist fulminant in die neue Saison gestartet: Mit dem "Hannover-Proms"-Konzert im ausverkauften Kuppelsaal. Im Stadtpark wurde das Konzert Open-Air übertragen.

Zuvor hatte Manze schon einmal bewiesen, dass er nicht nur Orchester, Solisten und gleich vier Chöre bestens im Griff hatte, sondern auch das ganze Publikum: Beim Trinklied aus Verdis Oper „La Traviata“, das als erste Zugabe zu hören war, animierte der Dirigent die Zuhörer bei den aufpeitschenden Anfangstakten zum Mitklatschen – und schaffte es tatsächlich, den Saal vor der tückischen Generalpause, die dem Einsatz des Tenors vorangeht, ohne die hier sonst üblichen Ausnahmen wieder zum Schweigen zu bringen.

Im Hauptprogramm hatte Manze bei der italienischen Oper noch ein klein wenig geschwächelt. Man konnte zumindest im Schlussduett des ersten Aktes aus „La Bohème“ am eher schüchternen Zusammenspiel mit Tenor Joshua Guerrero und Sopranistin Joyce El-Khoury erkennen, dass Puccinis rustikale Emotionen Manzes Sache wohl nicht recht sind. Aber bei Verdi können sich die noblen Stimmen der beiden Solisten nun bestens entfalten: Drei Minuten pures Opernglück.

Kein Wunder, dass selbst im benachbarten Stadtpark, wo nach Schätzung des NDR immerhin rund 1000 Zuschauer trotz teilweise heftiger Schauer beim Public-Viewing ausharren, die Stimmung am Ende des Konzertabends bestens ist. Schließlich war an schönen Momenten auch zuvor kein Mangel: Im Programm eines Proms-Konzertes kann ja kein Hit groß genug sein. Moderatorin Susanne Stichler fand zudem immer einen Weg, die Stücke charmant zu verbinden. Und so war Aram Chatschaturjans „Säbeltanz“ neben der „Schönen, blauen Donau“ von Johann Strauß zu hören und Alexander Borodins „Polowetzer Tänze“ neben „Casta Diva“ - der Bellini-Arie, die einst so etwas wie die Erkennungsmelodie der großen Maria Callas war.

Ungewöhnlich war dagegen, dass die Radiophilharmonie die bekannten Orchesterhits oft in eher abgelegenen Versionen spielte, bei denen auch Sänger beteiligt waren. Für den Mädchenchor Hannover, die Herren des Knabenchores, den Johannes-Brahms-Chor und die Sänger von Camerata Vocale war es etwa eine dankbare Aufgabe, einmal daran zu erinnern, dass Strauß seinen berühmtesten Walzer ursprünglich dem Wiener Männer-Gesangverein zugedacht hat. Und Peter Tschaikowskys Ouvertüre „1812“, die nicht nur mit Pauken und Trompeten, sondern gleich mit Kirchenglocken und Kanonen den Sieg der Russen über Napoleon nachzeichnet, tönt um gefühlt 1000 Kehlen erweitert noch einmal erheblich beeindruckender.

Ein so großes und bestens vorbereitetes Sängerensemble klingt ohnehin immer sehr beeindruckend im Kuppelsaal. Für Stücke wie Tschaikowskys musikalisches Schlachtengemälde scheint dieser Raum gemacht. Und so passt auch Edward Elgars unverwüstlicher Marsch aus „Pomp and Circumstances“ mit seinem hymnischen Mittelteil bestens hierher: Was im Rund des hannoverschen Kuppelsaals ertönt, braucht den Vergleich mit der ebenfalls kreisförmigen Arena der Royal Albert Hall in London, wo am selben Abend die Proms-Reihe mit der berühmten „Last Night“ zu Ende ging, kaum länger zu scheuen. Nur gerecht, dass der NDR an diesem Abend beide Konzerte im Fernsehen übertragen hat.

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