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Kultur Unter Andrew Manze wird die Johannes-Passion zum Ereignis
Nachrichten Kultur Unter Andrew Manze wird die Johannes-Passion zum Ereignis
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00:16 28.03.2018
Elizabeth Watts. Quelle: Borggreve
Hannover

 Es sind nur sechs Takte. Sechs Takte, in denen Bach mit Halbtonverschiebungen und Seufzermotiven die ganze Verzweiflung des Jüngers Petrus zum Ausdruck bringt. Der hatte soeben Jesus verleugnet „und weinete bitterlich“. Es sind der Evangelist und der Continuo-Cellist, die hier die Handlung der Johannes-Passion zum Stillstand bringen. Und das Publikum in Stille verharren lassen. Das war eine der Stellen, bei denen Nikolai Schneider (der Solocellist der NDR Radiophilharmonie) zum heimlichen Star dieser Johannes-Passion wurde: immer auf der Spur von Nuancen, rhythmisch federnd, in jedes gesungene Wort hineinhorchend. Eine Lehrstunde affektbeladenen Continuo-Spiels, wie man sie selten erlebt. 

Dazu muss allerdings das Umfeld stimmen, in dem diesmal alles passte. Vergeben und vergessen war damit die allein schon an der unglücklich zusammengestellten Solistenriege krankende Matthäus-Passion im Ring Barock vor zwei Jahren. 

Der NDR-Chor: Er tönte hoch motiviert, kernig bis samtig im Chortimbre, ausgefeilt artikulierend und perfekt beim Aussteuern der Stimmfächer. Schon oft hat man ihn in Hannover gehört, so präsent und geschliffen wie jetzt in der Johannes-Passion vielleicht noch nie.

Das Orchester: Spielen ohne Vibrato ist bei den Streichern längst etabliert. Und in Sachen Transparenz, technischer Makellosigkeit, dynamischem Zugriff und changierender Klangfarbennuancen wurde diese Johannes-Passion geradezu vorbildlich ausgefeilt.

Alles stimmte - auch bei den Vokalsolisten. Benjamin Bruns sang den Evangelisten mit Emotion und Kalkül, bisweilen tenoral strahlend, dann wiederum ganz in sich gekehrt. Der kurzfristig eingesprungene junge Tenor David Fischer nutzte seine Chance mit lyrisch anmutigem Timbre. Profund, präsent und teils balsamisch: Bariton Michael Nagy (Jesus) und Bassist Tobias Berndt mit raumgreifender Attitüde als Pilatus.

Marianne Beate Kiellands wunderbar ausgekostete Altarie „Es ist vollbracht“ schien die Zeit ananzuhalten und die von Elisabeth Watts gesungene Sopranarie „Zerfließe, mein Herz“ bestach mit einer selten zu hörenden Ausdrucksvielfalt.

Und Chefdirigent Andrew Manze? Ein Meister der Suggestion! Rasant, kontemplativ, strahlend, verhangen, drängend, dramatisch und farbig klang diese Johannes-Passion. Und die Choräle? Von denen bildete schließlich jeder eine ganz eigene, immer wieder faszinierend andere musikalische Welt.  Diese Johannes-Passion war ein Ereignis.

Von Günter Helms

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