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Andrew Manze verlängert bei der Radiophilharmonie

Chefdirigent Andrew Manze verlängert bei der Radiophilharmonie

Dirigent Andrew Manze hat seinen Vertrag als Chef der NDR-Radiophilharmonie in Hannover vorzeitig verlängert. Manze hat das Amt seit 2014 inne und hat nun vorzeitig bis 2021 verlängert. 

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Andrew Manze

Quelle: Handout

Hannover. Normal ist das nicht: Zum zweiten Mal in Folge hat die NDR Radiophilharmonie den Vertrag mit ihrem Chefdirigenten vorzeitig verlängert. Andrew Manze bleibt nun mindestens bis zum Sommer 2021 der musikalischer Hausherr im Funkhaus am Maschsee. NDR-Intendant Lutz Marmor lobte die Arbeit des Briten, die seit seinem Amtsantritt vor drei Jahren zu seiner „sehr, sehr guten Entwicklung“ im Orchester geführt habe.

Damit fasste der Intendant knapp zusammen, was man derzeit in fast jedem Konzert erleben kann: Unter Manzes Leitung hat die Radiophilharmonie eine herausragende Form erreicht. Dabei ist der 52-Jährige kein tyrannischer Orchestererzieher wie Erfolgsdirigenten früherer Generationen. Er setzt vielmehr auf ein partnerschaftliches Miteinander und hat damit für eine so gute Stimmung gesorgt, wie sie in kaum einem anderen Orchester des Landes herrschen dürfte. So ist sein längeres Bleiben ein Glücksfall für Musiker und Zuhörer gleichermaßen.

Manze selbst sagte im Gespräch mit dieser Zeitung, er sei geschmeichelt gewesen, dass er noch einmal nach einer Verlängerung gefragt wurde. Außerdem sei er glücklich, nun mehr Zeit zu haben, die Dinge zu entwickeln. Was genau das bedeutet, erläuterte er so:
„Perfektion interessiert mich nicht so sehr. Ich möchte lieber ausloten, wohin wir als Gruppe von Musikern und Menschen gehen können. Ich stelle mir vor, dass wir uns im Denken und im Handeln in eine Richtung bewegen können – genau wie ein Vogelschwarm“.

„Wir proben intensiv, um das technische Level so hoch wie irgend möglich zu halten. Gleichzeitig versuchen wir aber auch, unseren Geist zu öffnen für das, was möglicherweise in der Musik liegen könnte. Im Konzert lassen wir die Dinge dann einfach passieren.“
„Dirigenten reden immer zu viel in den Proben. Ich leider auch. Denn Proben sind für die Musiker da: Sie müssen die Musik genau kennen und wissen, wer wann was spielt. Das ist der gefährliche Weg. Der einfache Weg sind klare Ansagen: ,Takt 40 piano, dann ein crescendo.’ Für mich ist das der Tod der Musik.“

„Je weniger wir den Bleistift benutzen müssen, um irgendetwas in die Noten einzutragen, desto besser. Wir müssen dann nicht das alte Zeug lesen, was wir gestern geschrieben haben – wir können unserem Instinkt folgen.“
Als Orchesterleiter ist Andrew Manze Quereinsteiger – begonnen hat er seine Karriere als ein auf Alte Musik spezialisierter Geiger. Darum ist der 52-Jährige noch immer so etwas ein Neuling im Geschäft – und wegen seiner Erfolge weltweit immer stärker gefragt. Im November etwa dirigiert die New Yorker Philharmoniker. Die Vorfreude hält sich bei Manze aber in Grenzen – die Probenzeit dort ist ihm zu kurz.

„Ich liebe es, viel Zeit mit den Musikern und der Musik zu verbringen. Wir sind so gut dran, dass wir unsere Zeit in der Gesellschaft von Brahms und Beethoven verbringen dürfen. Darum kann ich gar nicht genug proben.“
„Wilhelm Furtwängler war nahezu unbekannt bis er 40 Jahre alt war – dabei hat er immer schon viel dirigiert. Es dauert eben eine ganze Zeit, bis man diese Dinge lernt. Ich lerne immer noch viel. Vor allem über Tempo – ich versuche, mein Tempo etwas zu drosseln.“

„Ich bin nicht so ehrgeizig im Sinne einer Karriere. Ich denke nicht, ich muss jetzt bald mal die Berliner Philharmoniker dirigieren. Aber ich bin sehr ehrgeizig, was die einzelnen Stücke betrifft.“
Mit der Radiophilharmonie hat Manze gerade eine Einspielung der Sinfonien von Felix Mendelssohn begonnen – eigentlich Standardrepertoire. Aber gerade dort sieht er einen gewissen Nachholbedarf bei dem hannoverschen Orchester. Das soll sich in den kommenden Jahren ändern – auch wenn der Dirigent dabei noch mit Schwierigkeiten rechnet.

„Die Sinfonien von Anton Bruckner sind Stücke, die ich aus ganzem Herzen liebe. Aber als Dirigent liegen sie mir nicht. Als Barockgeiger war ich sehr aktiv und experimentierlustig – Bruckners Musik verlangt aber eine gewisse Passivität. Man kann sie nicht machen, man muss sie geschehen lassen. Man muss Respekt vor dem Stück haben und sich von ihm führen lassen. Das ist eigentlich nicht meine Art. Aber ich liebe diese Musik. Also muss ich da besser werden.“

„Ich sage nicht: Hier ist es laut und da leise. Ich sage: Hier könnte es laut sein und da leise. Im Konzert können wir das dann modellieren. Mein Traum ist es, so etwas auch in großen sinfonischen Stücken von Brahms oder Bruckner zu erreichen.“

Ein Höhepunkt im Programm der Radiophilharmonie ist das Klassik-Open-Air vor dem Rathaus. Bislang ist Manze dabei nicht in Erscheinung getreten. Auch das könnte sich künftig ändern.
„Für einen Dirigent ist Oper das denkbar beste Training. Aber ich habe es bis jetzt noch nicht gemacht. Ich fürchte, bald wird es für mich zu spät, weil ich zu alt dafür werde. Meine Frau ist Konzertmeisterin an der Oper in Stockholm. Es ist eine andere Art zu arbeiten. Ich höre gern zu. Aber ich glaube, der Platz im Graben ist nicht meine natürliche Umgebung.“

„Das Klassik-Open Air funktioniert anders als eine Vorstellung im Opernhaus. Darum werde ich es im nächsten Jahr einmal probieren. Wahrscheinlich spielen wir etwas von Mozart. Wir denken gerade über einen ,Don Giovanni’ nach, aber ganz entschieden ist es noch nicht.“     

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