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Nachrichten Kultur Andrew Manze wird neuer Chefdirigent der NDR Radiophilharmonie
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00:15 28.03.2013
Von Stefan Arndt
In der Alten Musik zu Hause – doch mit großen Plänen für neuere Musik: Andrew Manze, der künftige Dirigent der NDR Radiophilharmonie. Quelle: dpa
Hannover

Der Vertrag mit dem derzeitigen Leiter Eivind Gullberg Jensen wird nicht über fünf Jahre hinaus verlängert. „Man soll sich trennen, wenn es am Schönsten ist“, begründet Matthias Ilkenhans, Abteilungsleiter für die Radiophilharmonie beim NDR, den Schritt. Die Karrieren von Dirigent und Orchester entwickelten sich derzeit hervorragend, sagt Ilkenhans: „Wir hatten eine gute Zeit, aber nun brauchen wir uns gegenseitig nicht mehr.“ Der Norweger soll der Radiophilharmonie auch über die kommende Saison hinaus als Gast erhalten bleiben. Den Titel eines Ehrendirigenten, wie ihn sein Vorgänger Eiji Oue trägt, wird Gullberg Jensen aber nicht bekommen.

Die Entscheidung für den 48-jährigen Manze kommt für viele Musikfreunde überraschend. Schließlich hat sich der Brite vor allem als Geiger und Spezialist für Alte Musik einen Namen gemacht. Folgt die Radiophilharmonie also dem Beispiel des NDR Sinfonieorchesters in Hamburg, wo Thomas Hengelbrock, ebenfalls ein ehemaliger Barockgeiger, den Taktstock schwingt? Nach den Worten von Ilkenhans ist der Alte-Musik-Hintergrund der beiden NDR-Dirigenten reiner Zufall. Und Manze hat nach eigenen Angaben die Geige ohnehin „seit fünf Jahren nicht mehr angefasst“ und längst eine zweite Karriere als Dirigent begonnen. Seit 2006 ist er Chefdirigent des Sinfonieorchesters im schwedischen Helsingborg.

Begeisterung beim Orchester war groß

Bei der Radiophilharmonie war Manze bislang sechsmal zu Gast – zunächst „in der Barockecke“, wie Ilkenhans sagt, zuletzt aber vor gut einem Jahr mit Werken der Romanik und Moderne. Danach war die Begeisterung beim Orchester groß. „Viele Musiker sind zu mir gekommen und haben sich eine weitere Zusammenarbeit mit Manze gewünscht“, sagt Ilkenhans. Auch der Dirigent war mit der Zusammenarbeit zufrieden. „Das Orchester war phantastisch“, sagt Manze. Die Musiker seien mit großer Expressivität an die Stücke gegangen, sie seien sehr ernst und zugleich sehr flexibel. „Natürlich spielen sie wunderbar das große Repertoire“, sagt der Dirigent – aber sie könnten eben auch anderes: Die Radiophilharmonie ist für Manze zugleich das „beste geheime Barockorchester der Welt“. Als nun die Anfrage aus Hannover kam, habe sich Manze zwar „gewundert und sehr geehrt“ gefühlt – vollständig überrascht war er aber nicht. „Ich hatte schon das Gefühl, dass wir gut zusammenpassen.“

Einen Programmschwerpunkt möchte der Dirigent auf die neuere Musik legen, die er im bisherigen Programm des Orchester etwas zu schwach vertreten findet. So schätzt er zeitgenössische Komponisten wie Detlev Glanert, weil sie fest in der deutschen Musiktradition verwurzelt seien. Und die, sagt der Brite, sei nun mal das Herz der klassischen Musik. Anders als es die vielen Konzertprogramme mit vor dem 20. Jahrhundert entstandener Musik vermuten ließen, sei diese große Tradition aber längst nicht abgeschlossen: „Ich finde es spannend zu fragen, wer der neue Brahms sein könnte.“

„Ich bin hungrig nach Musik“

Die Begeisterung für den deutschen Kulturraum wird allerdings nicht so schnell dazu führen, dass Andrew Manze auch seinen Wohnsitz nach Hannover verlegen wird. Derzeit wohnt er in Stockholm, wo seine Frau beim Königlichen Philharmonischen Orchester Konzertmeisterin ist. Und zu seiner „kleinen Familie“, die bei der Wahl des Wohnortes mitredet, gehören auch noch zwei Kinder.

Mit Manze wird die Radiophilharmonie natürlich weiter das klassisch-romantische Repertoire pflegen, und auch die Barockreihe soll fortgesetzt werden – allerdings zunächst ohne den neuen Chef, der seinen Ruf als Spezialist gegen den eines Universalisten eintauschen will. „Ich mag alle Stile“, beteuert er. „Ich bin hungrig nach Musik.“

Manze soll Glanz nach Hannover bringen

Gelegenheit diesen Hunger zu stillen, bekommt Manze inzwischen nicht nur im kleinen Helsingborg, sondern auch bei den großen Orchestern Europas. Er dirigiert in London und Berlin, in München und Leipzig. Und was Abteilungsleiter Ilkenhans besonders freut: Der Dirigent wird von den Orchestern, die er geleitet hat, immer wieder eingeladen. „Man kann sich umhören, wo man will: Es herrscht eine allgemeine Begeisterung, wenn er da war“, sagt Matthias Ilkenhans.

Dass Manze seit einigen Jahren ein Orchester als Chef leitet und ein große Repertoire aufgebaut hat, ist für den Abteilungsleiter ein zusätzlicher Vorteil: „Wir kaufen nicht die Katze im Sack.“ Und trotz seiner Erfahrung hat Manze für Ilkenhans noch immer das Zeug zum aufstrebenden Star. Als Dirigent sei er „ein kommender Name“, so Ilkenhans: „Ich bin überzeugt, dass Manze Glanz nach Hannover bringen wird.“

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