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Es ist doch nur Musik

Anke Engelke und Roger Willemsen Es ist doch nur Musik

Anke Engelke und Roger Willemsen bieten denn auch ein Schaulaufen zweier Wortvirtuosen auf allerhöchster Ebene - mehr elaborierte Abendunterhaltung geht nicht!

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Unterhaltsames Duo: Roger Willemsen und Anke Engelke.

Quelle: Philipp von Ditfurth

Hannover. Menschen, die sich Musik vorspielen und darüber reden - weltweit passiert das permanent. Wenn es aber im NDR-Sendesaal geschieht, vor einem Publikum, das dafür Geld bezahlt, dann ist es wohl schon was Besonderes.

Anke Engelke und Roger Willemsen bieten denn auch ein Schaulaufen zweier Wortvirtuosen auf allerhöchster Ebene - mehr elaborierte Abendunterhaltung geht nicht!

Eigentlich hätten nur zwei Stühle und eine Abspielanlage (die ein externer DJ vom NDR bedient) auf der Bühne des NDR-Sendesaals gereicht. Die beiden Medienstars sind schließlich Show genug. Doch eine stimmige Deko gehört einfach dazu. Für den Musikvorspielabend hat man es an nichts fehlen lassen. Jede Menge Möbel im heute so genannten Vintage-Look der siebziger Jahre, Vintage-Musikinstrumente, Vintage-Vinyl, dazu noch Designerbilder und eine Wurlitzer-Musikbox. Nur das CD-Abspielen scheint da ein Stilbruch.

Anke Engelke und Roger Willemsen reden im Großen Sendesall des NDR in Hannover ihre Lieblingsplatten auf und reden über Musik.

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Willemsen eröffnet den Abend mit ausgefallener äthiopischer Musik aus den siebziger Jahren, die Engelke „Schlangenmusik“ nennt und denen sie einen Sprung in die Neuzeit entgegensetzt: den funkigen Beats von „Gust of Wind“ von Daft Punk mit Pharrell Williams. Schwupps, geht es mit Willemsen wieder 250 Jahre zurück in die Barockzeit. Anhand von Jean-Philippe Rameaus „Platée“ erklärt er, warum die strenge Tonkunst der Epoche mit ihren improvisatorischen Freiräumen eine Art Blaupause für den Jazz war. Später landet Jazzfan Willemsen bei Miles Davis, Arturo Sandoval und Nat King Cole.

Engelke wirft auch Jazziges von Nils Landgren und Matthew Herbert (offensichtlich der einzige Titel, der auch Willemsen zuspricht) ein, aber ebenfalls „Bück dich hoch“ von Deichkind. Hip-Hop, Electro, Jazz und Barock: Alles ist drin bei „Engelke & Willemsen legen auf“, auch Seitenhiebe auf Ursula von der Leyen, Gerhard Schröder und Helene Fischer.

Wenn uns aber Anke Engelke in der heimlichen Jazzhauptstadt Hannover erzählt, dass Köln ja Berlin als Jazzstadt gerade den Rang abläuft und den schwurbeligen Fusion-Jazz des Kölner Hanno Busch Trios vorspielt, dürfen wir uns um ihre Geschmackssicherheit und ihren Kenntnisstand in Sachen Jazz durchaus Gedanken machen. Gleichviel: Sie könnte über die ästhetischen Reize von Mülltonnen referieren, und es wäre ein Spaß, ihr zuzuhören. So auch bei Willemsen, diesem Grandseigneur der Moderationskunst, der uns die hohe Kunst des Jazz mit dem Flair eines Tagesschausprechers nahebringt. Man muss nicht alles mögen, was Willemsen vorstellt. Aber wie er erklärt, warum erst die kleinen Unsauberkeiten Kenny Dorhams Soli zu Kunstwerken machen, und damit die Essenz des Jazz herausarbeitet, ist ein Höhepunkt dieses Abends. Nach drei Stunden stimmt Engelke mit „Way Back Home“ von Prince auf den Heimweg ein. Ein Abend, der sich zu Hause im Selbstversuch weiterführen lässt - denn über was lässt sich besser diskutieren als über Musik?

NDR Kultur sendet am Freitag, 3. Oktober, um 20 Uhr die Aufzeichnung von „Engeleke & Willemsen legen auf“.

Von Bernd Schwope

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