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Anna Bauer zeigt Fotokunst zum Ukraine-Konflikt

Scope-Galerie Anna Bauer zeigt Fotokunst zum Ukraine-Konflikt

Die Fotos und Interviews, Portraits und Essays der Künstlerin Anna Bauer zeigen in ihrer Vielfältigkeit die Folgen, die der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine für die Menschen auf beiden Seiten mit sich bringt. Ihr Buch "Welcome to UkrEuRu" hat die Scope-Galerie jetzt in eine Ausstellung umgewandelt. Mit Erfolg.

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Impressionen der Militarisierung: Tanzgruppe in Donezk.

Quelle: Anna Bauer

Hannover. Anna Bauer: „Welcome to UkrEuRu“ . Bis 3. Juni 2017 in der Scope-Galerie, Calenbergerstraße 12. Eröffnung am Freitag, 24. März, um 19.30 Uhr im Beisein der Künstlerin.

In der ostukrainischen Metropole Donezk hat der armenische Künstler Melik Aghabekyan eine neue Heimat gefunden, er lebt jetzt allerdings recht beengt in seinem Atelier - denn sein Haus wurde im Krieg zerstört.

In Donezk geboren ist Enrique Menendez, dessen Name davon zeugt, dass seine Vorfahren einst aus Spanien eingewandert sind und der jetzt Lebensmittel an Rentner verteilt - denn die warten wegen des Krieges um die Ostukraine, wo 2014 die prorussische „Volksrepublik Donezk“ ausgerufen wurde, oft monatelang auf ihre Rente.

Nach Donezk zurückgekehrt ist Alexej Avanesyan, der zum Kampf gegen die „Volksrepublik“ in die ukrainische Armee eingezogen wurde und dem eine russische Bombe einen Unterschenkel weggesprengt hat. „Ich bin genau der Gleiche geblieben“, sagt er, „nur ein wenig ,angebissener‘.“

Intelligente Reflexion der Krise

Angefressen fühlen muss sich jeder, der noch die friedliche Ostukraine kennt und sie jetzt als Bürgerkriegsregion erleben muss. So ist es Anna Bauer ergangen, die diese und viele andere Zeitzeugen zu Wort kommen lässt: 2013, nach dem Bachelor in der Ukraine, wechselte sie zum Studium an die Hochschule für Künste in Bremen, seit 2014 wird jeder Heimaturlaub für sie zum Fronteinsatz.

Scope zeigt Fotokunst zum Ukraine-Konflikt - Sie haben keine Berechtigung dieses Objekt zu betrachten.

Die Fotos und Interviews, Porträts und Essays, die seither als Tagebuchnotizen und Fotoserien entstanden sind, hat sie in einem Buch zusammengeführt, dessen Titel so fragmentiert klingt, wie die Ukraine im Konflikt zwischen hegemonialen Ansprüchen aus Moskau und EU-Integrationsofferten aus Brüssel zu werden droht: „Wel come to UkrEuRu“. So heißt auch die Ausstellung in der Galerie von Ricus Aschemann, der in Anna Bauers intelligentem Buch zur „(De-)Konstruktion der Krise“ - wie der Untertitel lautet - gleich das Potenzial zur Ausstellung erkannt hat. „Ich fand es spannend, das Buch in den Galerieraum zu übersetzen“, sagt der Galerist. „Denn dies ist die perfekte Arbeit für eine Galerie für Fotografie und Medienkunst.“

Tatsächlich beeindruckt dieses Publikationsprojekt durch seine Vielfalt an Textsorten und fotografischen Genres, die vom Personenporträt bis zur Landschaftsfotografie, vom fotojournalistischen Dokumentarismus bis zu essayistischen Collagen reichen. Da wird das alte Pathos von Weltkriegsgedenkstätten mit jüngst zerstörten Fassaden konfrontiert, da prangen Wegweiser zu Luftschutzbunkern neben leeren Werbeflächen, die den Wohlstand der Region nur noch ahnen lassen, da posiert eine Tanzgruppe in surreal uniformartigen Kostümen - Dokumente aus einer militarisierten und kriegsversehrten Welt.

Jenseits der großen Phrasen

Vor Augen führt die Ausstellung, teils mit großen Fotoabzügen und Textauszügen, teils auf wandhoch hängenden Druckfahnen, die Feindbilder des neuen Nationalismus, in dem die Russen die Ukrainer als „Faschisten“ und diese prorussische Separatisten als „Terroristen“ denunzieren. Vor Augen gerät dabei aber auch, dass die großen ideologischen Geschütze eher im medialen Schlagabtausch als im alltäglichen Überlebenskampf eine Rolle spielen. „Ich wollte zeigen“, sagt Anna Bauer, „was der Konflikt für die einzelnen Menschen auf beiden Seiten bedeutet.“ Das bringt diese Ausstellung ihren Besuchern berührend nahe.

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