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Anna Loos und Silly spielen im Capitol

"Wutfänger" Anna Loos und Silly spielen im Capitol

Die Berliner Rockband Silly um Frontfrau Anna Loos hat am Dienstagabend im Capitol ihr neues Album "Wutfänger" vorgestellt. Die neue CD hatten sie bereits im Frühjahr veröffentlicht, jetzt gehen die Musiker damit auf Deutschlandtour. Mit im Programm der Band sind aber auch ältere Stücke aus der gut 40-jährigen Bandgeschichte.

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Quelle: Villegas

Hannover. Jemand hat Luftballons mitgebracht, rote, gelbe und herzförmige. Gleich beim ersten Lied, „Kampflos“ stupsen die Menschen im gut gefüllten Capitol sie über ihren Köpfen entlang. Die Ballons tauchen erst am Ende wieder auf, beim letzten Lied vor der Zugabe, „Alles Rot“, manche schaffen es auf die Bühne, und Sängerin Anna Loos kickt sie enthusiastisch wieder zurück zu den verschwitzten Menschen, während sie „rot“ auf „Tod“ reimt und die LED-Bahnen in den hinten an der Bühne angebrachten wabenförmigen Licht-und Projektionsflächen aus Plexiglas rotieren.

Die Berliner Rockband Silly um Sängerin Anna Loos präsentiert im Capitol ihr neues Album "Wutfänger".

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Dazwischen spielt die Band Lieder aus gut 40 Jahren Bandgeschichte. Zwar ist keines der Gründungsmitglieder der 1978 in Ost-Berlin gegründeten Band mehr auf der Bühne. Aber das hindert sie nicht daran, tief in die, wie Anna Loos es ausdrückt, „Schatzkiste“ zu greifen und zwischen aktuellen Songs auch Lieder aus den frühen DDR-Zeiten der Band herauszuholen.
Sängerin Loos ist auf der Bühne die aktivste der Truppe, sie läuft von einem Ende der Bühne zum anderen, jauchzt fröhlich ins Publikum und schäkert mit dem Bassisten Jäcki Reznicek und dem Gitarristen Uwe Hassbecker. Loos ist auch Schauspielerin, sie sprang 2006, nach 10-jähriger Pause der Band, für die 1996 an Brustkrebs verstorbene Tamara Danz ein. Mitten im Konzert gibt es auch einen kleinen Akustikteil. Das sei gut zum Zusammenrücken, sagt Loos. Die Zeiten seien aus den Fugen geraten. „Lasst uns alle dichter zusammenrücken“, sagt sie und erntet Jubel. Dichter zusammen rückt allerdings niemand.

Trotzdem ist Silly eine eigenartig politische Band. Immer wieder ploppen zwischen Er-liebt-mich-er-liebt-mich-nicht-Kitsch Überraschungen auf. Der Song „Verlorene Kinder“ von 1989 beispielsweise, in dem es eigentlich um die Enge des Lebens in den Wohnblöcken damaligen DDR geht, in dem es aber genauso um die aktuelle Flüchtlingsproblematik gehen könnte. Insgesamt jedoch zeigt Silly sich auch nach 40 Jahren noch erstaunlich frisch. „Hier steckten viele Gedanken drin. Nehmt euch einen davon mit“, gibt Loos gibt nach zwei Zugaben dem Publikum noch mit auf den Weg, und die Luftballons liegen traurig am Boden, sie haben ihre Schuldigkeit getan.

Von Jan Fischer

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