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Anna Netrebko verzaubert Hannover

Konzert im Kuppelsaal Anna Netrebko verzaubert Hannover

Sie kann wieder tanzen! Im Januar musste Anna Netrebko ihren Auftritt in Hannover noch wegen einer Fußoperation absagen. Jetzt wirbelt sie durch den hannoverschen Kuppelsaal als sei nichts gewesen. Mit dabei: Partner Erwin Schrott.

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Der Superstar der Oper in Hannover: Anna Netrebko sang am Montagabend im Kuppelsaal.

Quelle: Steiner

Hannover. Sie kann wieder tanzen! Im Januar musste Anna Netrebko ihren Auftritt in Hannover noch wegen einer Fußoperation absagen. Jetzt wirbelt sie durch den hannoverschen Kuppelsaal als sei nichts gewesen. Schon zu Beginn nutzt sie die ganze Breite der Bühne, wenn sie im bunt getupften cremefarbenen Kleid und mit Glitzergürtel ihr Paradestück „Il Bacio“ singt. Durch ihre behänden Drehungen und Wendungen bleibt kein Winkel im Kuppelsaal unerfüllt von ihrer im ersten Moment umwerfend warmen und vollen Sopranstimme: Dieser (von Luigi Arditi komponierte) Kuss dem ganzen Saal! Später wiegt sich Netrebko gemeinsam mit ihrem Partner, dem uruguayischen Bassbariton Erwin Schrott, im Walzertakt zu Franz Lehárs berühmtem „Lippen schweigen“.

Bei so leidenschaftlich vorgetragener leichter Muse könnte man fast vergessen, wer Netrebko eigentlich ist: der größte Opernstar der Gegenwart. Sie in Hannover zu hören, muss sich das Publikum einiges kosten lassen. Die besten Karten kosten 395 Euro – mehr musste man hier für ein Konzert noch nie bezahlen. Vielleicht hat der beachtliche Eintrittspreis aber auch manchen Netrebko-Fan abgeschreckt. 1700 Zuhörer waren gekommen, der Kuppelsaal hätte für einige Hundert mehr Platz geboten.

Der bunte Abend bot dafür auch große Oper: In sehr unterhaltsam ausgespielten Szenen aus Donizettis „Liebestrank“, bei denen sich Schrott die Kreditkarte eines Zuhörers erhandelte und Netrebko den ersten Kuss ihres (Bühnen)Partners. Rusalkas „Lied an den Mond“ klingt bei der Sängerin auch ohne den szenischen Zusammenhang herzzerreißend traurig. Da muss es jedem Bühnenpartner schwerfallen, selbst zu glänzen – doch Erwin Schrott, immerhin selbst regelmäßig Gast auf allen großen Opernbühnen der Welt, behauptet sich glänzend. Er ist ein elegant finsterer Mephisto in Charles Gounods „Faust“-Oper – und als Diener Leporello, der das ellenlange Register mit den weiblichen Eroberungen seines Herrn Don Giovanni führt, beweist er mit weitgespannten Phrasen sogar einen längeren Atem als die Sopranistin: Das Ende ihrer „Juwelenarie“ klingt doch ein wenig abgekürzt.

Sie kann wieder tanzen! Anna Netrebko und Erwin Schrott haben am Montagabend im hannoverschen Kuppelsaal gesungen.

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So war es vielleicht kein Wunder, dass Netrebko sich zu (nicht immer ganz textverständlichen) Lehár-Klängen und „Bess, You Is My Woman Now“ aus George Gershwins einziger Oper auch stimmlich gerne an Schrott schmiegte. Dass die beiden das Traumpaar der Opernwelt sind, ist zwar nicht durch einen Trauschein belegt – musikalisch kann es aber spätestens nach diesen Stücken als bewiesen gelten.

Zeuge war dafür an diesem Abend auch der Norddeutsche Figuralchor. Das hannoversche Ensemble ist bereits zum zweiten Mal mit den Opernstars unterwegs, und mit der Chorszene aus dem ersten Akt des Donizetti-Stücks hat es sogar einen prominenten Auftritt. Besonders engen Kontakt zu dem Sängerpaar konnte der Chor aber nicht aufnehmen. „Hinter der Bühne wirft man sich nach dem Konzert schnell einen Glückwunsch zu - das war es“, sagt Keno Weber, der Jörg Straube bei diesem Projekt als Chorleiter vertritt. Noch am Nachmittag hatte der Chor mit Netrebko und Schrott geprobt, die bereits seit Sonntag in der Stadt waren. Im Luisenhof hat Hoteldirektor Michael Rupp das Paar als „unkomplizierte Gäste ohne besondere Ansprüche“ erlebt.

Im Kuppelsaal aber lassen die Sänger nur das Beste gelten. Das gilt auch für Werke abseits des üblichen Repertoires. Die Stücke von Pablo Sorozabal und Geronimo Gimenz sind nicht nur mitreißende Reminiszenz an Schrotts südamerikanische Heimat, sondern raffiniert gearbeitete Kompositionen, die auch die Prager Philharmonie, den Dirigenten Claudio Vandelli und eine kleine Tangokapelle vor dankbare Aufgaben stellten. Großer Jubel für alle Beteiligten – auch schon vor dem zugegebenen Piazzolla-Tango, der mitreißenden Arie aus der Emmerich-Kálmán-Operette „Die Csárdás-Fürstin“ und einer extra für das Duo komponierten Ballade des schwedischen Komponisten und Abba-Fans Fredrik Kempe.

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