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Kultur May leitet die Leibniz-Bibliothek
Nachrichten Kultur May leitet die Leibniz-Bibliothek
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10:16 05.01.2016
Von Simon Benne
Die Bibliotheksdirektorin und ihr Vorgänger: Anne May neben einer Leibniz-Büste. Quelle: Michael Thomas
Hannover

Im Katalogsaal stapelt sich Baumaterial; die Handwerker vor ihrer Bürotür haben noch gut zu tun. Anne May, die am Montag offiziell ihren neuen Posten angetreten hat, übernimmt als Amtsnachfolgerin von Leibniz zunächst einmal eine Baustelle. Seit fast drei Jahren ist die Leibniz-Bibliothek wegen einer Großsanierung geschlossen, erst im Laufe dieses Jahres soll sie wieder ihre Pforten öffnen: „Wir wollen dieses Haus dann so schnell wie möglich wieder mit Leben füllen“, sagt May.

Die altehrwürdige Bibliothek, deren Direktorin sie jetzt wird, kennt sie seit 1992. „Das war ein Kulturschock damals“, sagt die 54-Jährige und lacht. Als Referendarin war sie von der Oldenburger Uni-Bibliothek nach Hannover gekommen: „In Oldenburg gab es damals schon ein modernes Medienzentrum auf einem rummeligen Campus“, sagt sie. „Verglichen damit herrschte in dieser Bibliothek vor allem Stille.“

May wuchs mit sechs Geschwistern im ländlichen Damme bei Vechta auf: „In unserer Familie wurde viel Platt gesprochen“, sagt sie. Bis heute mag sie das Leben auf dem Land; die verheiratete Mutter einer erwachsenen Tochter lebt in einem Dorf bei Seelze: „Ich genieße es, viel Platz und viel Grün um mich zu haben - und trotzdem mit der S-Bahn schnell in der City zu sein“, sagt sie. May studierte in Osnabrück Literatur- und Erziehungswissenschaften, dann arbeitete sie ein Jahr in einer kleinen Buchhandlung in Damme: „Ich habe lange gebraucht, bis ich wusste, was ich wollte“, sagt sie im Rückblick. Schließlich wurde sie Bibliothekarin, unter anderem an der Uni-Bibliothek Paderborn: „Dort haben wir einen ersten Internetauftritt und einen Onlinekatalog aufgebaut - für jüngere Kollegen ist kaum vorstellbar, das es so etwas einmal nicht gab.“

Die Digitalisierung der historischen Bestände wird sie auch an ihrer neuen Wirkungsstätte begleiten: „Eine Bibliothek existiert ja real und virtuell“, sagt sie. „Wir müssen unsere Schätze systematisch digitalisieren, damit sie für Forscher international sichtbar werden.“ Vor allem sei die Bibliothek ein Ort, der Teilhabe ermögliche: „Die zentrale Frage ist, wie wir unseren Bestand so leicht wie möglich zugänglich machen können.“ So sei es wichtig, Forscher, Studierende und auch Schulklassen in die Bibliothek zu holen.

Angenehm unaufgeregt, leise und mit norddeutscher Bodenständigkeit spricht Anne May über ihre Pläne. Dass sie in große Fußstapfen tritt - ihr umtriebiger Amtsvorgänger Georg Ruppelt hatte die Bibliothek zu einem Kulturort ganz eigener Art ausgebaut - sieht sie gelassen: „Er hat Beeindruckendes geleistet, doch wir sind ganz verschiedene Menschen, und jeder setzt eigene Akzente“, sagt sie ruhig und souverän. Auf Kulturveranstaltungen will die neue Direktorin, die selbst gerne Gedichte von Mascha Kaleko liest, auch künftig in der Bibliothek nicht ganz verzichten, doch müsse man sich auf das Wesentliche konzentrieren: So sind für dieses Jahr eine Vortragsreihe zum 350. Bibliotheksjubiläum und die Ausstellung „Leibniz’ letztes Lebensjahr“ geplant, die am 21. Juni beginnt.

Nach einem kurzen Intermezzo im Wissenschaftsministerium arbeitete May lange als stellvertretende Direktorin an der Technischen Informationsbibliothek und Universitätsbibliothek in Hannover. Diese ist klar auf den modernen Wissenschaftsbetrieb ausgerichtet; gekauft werden jene Bücher, welche die Hochschule braucht. Das ist an der Leibniz-Bibliothek mit ihren 90 Mitarbeitern und rund zwei Millionen Medien anders: Deren Bedeutung liegt nicht zuletzt in ihrer 350-jährigen Historie. Nach dem Umbau werden Memorabilia des großen Gelehrten Leibniz - ebenso wie der berühmte „Goldene Brief“ - in gewaltigen Glaskuben in der Bibliothek zu sehen sein.

„Viele Schätze dieses Hauses werde auch ich neu entdecken“, sagt Anne May. Sich selbst sieht sie dabei eher als Teamspielerin: „Eine Bibliothek ist wie ein Organismus mit ihren vielen Mitarbeitern und Experten.“ Gleichwohl kann sie schon ins Schwärmen geraten, wenn sie von ihrem neuen Haus spricht. „Diese Bibliothek“, sagt sie, „hat ein ungeheures Potenzial.“

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