Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Annie Heger bringt Plattdeutsch ins Theater am Küchengarten
Nachrichten Kultur Annie Heger bringt Plattdeutsch ins Theater am Küchengarten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:09 01.03.2017
Von Ronald Meyer-Arlt
Annie Heger schnackt in ihrem Programm auf Platt. Quelle: Marx
Hannover

Moin. Wo geit di dat?
Mi geit dat good. Un bi di? Allns up Stee?

Jo. Jo. Watt mutt, dat ähem ...
... und schon biste raus.

Naja, hören klappt besser als sprechen.
So geht das ja den meisten. Die passiven Plattschnacker sind definitiv in der Überzahl. Aber es freut mich immer, auf Menschen zu treffen, die mit Plattdeutsch so viel zu tun haben, dass sie es verstehen können.

Platt sprechen ist aber auch kompliziert. Zum Beispiel das Wort wieder. Das heißt auf Platt mal weer, mal woller, mal weller.
Und wedder gibt’s auch noch. Und alles ist richtig. Denn wie es im Hochdeutschen das Bayerische, das Schwäbische und das Hessische gibt, so gibt es auch im Plattdeutschen jede Menge Dialekte.

Ein Skandal ist das ja nicht - um jetzt mal eine Überleitung zu Ihrem Programm zu konstruieren, mit dem Sie in Hannover gastieren werden. Um welchen Skandal geht’s denn da?
Es geht um den Skandal, dass ich vor knapp 34 Jahren schwarzhaarig in Ostfriesland zur Welt gekommen bin. Meine komplette Familie ist hellblond - also war das damals ein echter Skandal.

Das lässt auf ein eher persönlich gefärbtes Programm schließen.
Das ist es auch. Es ist sehr autobiografisch, denn nur so bekommt es diesen liebevollen Blick auf das ländliche Leben in Ostfriesland, den ich so schätze.

In Hannover ist das nicht ganz einfach mit einem durchgehend plattdeutschen Programm. Hier haben Sie es mit Hochdeutsch sprechenden Zuschauern zu tun. Und wie!
Ich gestalte den Abend sprachlich sehr inklusiv, sodass alle etwas davon haben. Wer will, bekommt die volle Breitseite Plattdeutsch, aber es gibt auch hochdeutsche Passagen. Die Lieder aber übersetze ich nicht, die bleiben plattdeutsch.

Auf Platt kann man sicher komisch sein. Aber kann man auf Platt auch kritisch sein? Hat Plattdeutsch nicht die Eigenschaft, alles ein bisschen gemütlicher zu machen?
Nicht nur gemütlicher: auch direkter. Aber man kann besser verzeihen, wenn etwas auf platt gesagt wurde. Ich habe mal nach einem Auftritt erzählt, dass mir nach einer Radtour der Hintern wehtun würde. Da sagte ein älterer Mann zu mir: „Ji hebbt jo gar keen Mors.“ Auf Hochdeutsch wäre das eine Beleidigung gewesen. Auf Platt war das betrachtend und liebevoll.

Ist so auch Ihr Kabarettprogramm? Eher betrachtend und liebevoll als scharfzüngig und kritisch?
Scharfzüngig bin ich durchaus. Aber dabei auch liebevoll. Auch mit Leuten, die ich nicht recht verstehe, weil sie im Moment etwa besonders besorgt sind. Das Plattdeutsche ist die Sprache meiner Eltern, meiner Heimat, es ist meine Sprache, und ich weiß genau: Die Liebe geht da nicht raus. Das funktioniert nicht. Aber die Kritik wird dadurch nicht weichgespült.

Jetzt haben Sie es mit geballter Portion Platt zu tun: Vom 10. bis 19. März leiten Sie das Plattart-Festival“ in Oldenburg, auf dem plattdeutsche Künstler auftreten. Gibt es ausreichend Künstler, die der plattdeutschen Sprache mächtig sind?
Aber ja. Das Plattdeutsche boomt gerade. Beim Plattart-Festival arbeiten wir mit neuen Kulturformen wie dem Science Slam oder Rudelsingen.
Science-Slam auf Platt.

Wird da erklärt, wie man einen Torfkahn repariert?
Nein, es werden durchaus Forschungsergebnisse präsentiert.

Gibt es eigentlich viele junge Frauen, die Platt sprechen? Oder haben die Angst, dass Platt hässlich macht?
Es gibt tatsächlich mehr Männer, die in der plattdeutschen Kultur- und Kunstszene unterwegs sind. Aber wir haben auch viele Frauen auf der Bühne. Ina Müller hat hier die Wege geebnet. Dafür bin ich ihr sehr dankbar.

Ist Ina Müller ein Vorbild für Sie?
Natürlich. Wir sind auf der Bühne vielleicht ähnlich laut und haben eine ähnliche Kodderschnauze, aber dennoch machen wir ganz unterschiedliche Dinge. Im Übrigen gilt: Jede Frau, die in der plattdeutschen Szene auf der Bühne steht und sagt, Ina Müller sei nicht ihr Vorbild, lügt.

Zur Person

Annie Heger, 33 Jahre alt, ist Sängerin, Moderatorin, Autorin , Schauspielerin. Sie wird gelegentlich als „Liza Minelli aus Spetzerfehn“ genannt, weil es ihr gelingt, so Disparates wie Ostfriesland und Glamour zueinanderzubringen.
Nach Regieassistenzen am Oldenburgischen Staatstheater, einer abgebrochenen Ausbildung an einer Musicalschule und einer erfolgreich bestandenen Heilpraktiker-Prüfung, wirkte sie in verschiedenen Band-Projekten mit. Am Staatstheater Oldenburg stand sie als Mephisto in Goethes „Faust“ auf der Bühne. Sie wurde Dramaturgin und später künstlerische Leiterin des „Plattart-Festivals“ in Oldenburg und entwickelte ein Solomusikkabarettprogramm auf platt. Regelmäßig ist sie im Hörfunk in der plattdeutschen Traditionssendung „Hör mal ’n beten to!“ auf NDR 1 zu hören.
Am Sonntag, 26. März, tritt Annie Heger um 18.30 Uhr mit ihrem Soloprogramm „Watt’n Skandal“ im Theater am Küchengarten auf.

Interview: Ronald Meyer-Arlt

Kultur Aschermittwoch der Künste im Sprengel-Museum - Der Blues der Mona Lisa

Wortlose Kunst und Worte über die Kunst: Die Evangelische Landeskirche lässt ihren Aschermittwoch der Künste erstmals im Calder-Saal des Sprengel-Museums stattfinden. Dort gibt es Musik und Pantomime - und gleich mehrere Redner probieren Brückenschläge zwischen künstlerischer und religiöser Sinnstiftung.

04.03.2017

Musiker, Schauspieler, Aktivist: Harry Belafonte war schon immer überall vertreten. Jetzt wird er 90 Jahre alt – und gibt sich fröhlich und kämpferisch wie eh und je.

01.03.2017

Vor gut einer Woche sagte Headlinerin Beyoncé ihre Teilnahme beim Musikfestival Coachella ab. Jetzt gibt es gute Neuigkeiten. Die Veranstalter haben Ersatz für die mit Zwillingen schwangere Sängerin gefunden: Lady Gaga übernimmt.

01.03.2017