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Kultur Apokalypse und Befreiung
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11:46 23.11.2016
Giuseppe Verdi Quelle: iStockphoto.com/Grafissimo
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Hannover

Der Konzertspielplan in der ersten Saison eines neuen Chefdirigenten erzählt viel über dessen musikalische Wurzeln und Vorlieben. Nach dem umjubelten Einstand mit Berlioz’ „Symphonie fantastique“ im September dirigiert Ivan Repuši am 4. und 5. Dezember das Requiem von Giuseppe Verdi – dieses opulente Werk, das liturgisches Ritual mit opernhafter Dramatik verbindet. Mit exponierten Partien für die vier Gesangssolisten, großem Chor und Orchester ist es eine Herausforderung für alle musikalischen Akteure. Und zugleich stellt es „ganz existenzielle Fragen“, wie der italienische Dirigent Riccardo Muti beschreibt: „Was bedeutet der Tod? Wie können wir uns Erlösung vorstellen?“

Giuseppe Verdi verwendet in seiner „Messa da Requiem“ den liturgischen Text der katholischen Totenmesse und plante die Uraufführung auch in einer Kirche. Doch die strengen Vorschriften der katholischen Kirche 1874 führten dazu, dass das Werk dort nur mit einem parallel die Messe zelebrierenden Priester aufgeführt werden konnte. Außerdem bestanden erhebliche Vorbehalte gegen den Frauenchor – Frauen waren bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil 1963 ausdrücklich von der katholischen Kirchenmusik ausgeschlossen. So fanden die nächsten drei Aufführungen in der Mailänder Scala statt, von dort aus trat das Requiem seinen Siegeszug um die Welt an: Paris, London, Wien und Köln, Verdi verkaufte die Aufführungsrechte sogar nach New York. Unautorisiert war hingegen die Aufführung in der Arena von Ferrara, arrangiert für Militärkapelle. („Eine Ungeheuerlichkeit – eine Totenmesse – für Militärkapelle – in einer Arena!“, wetterte Verdi).

Wenn Verdi auch den Text der Totenmesse verwendet, gliedert und kürzt er ihn doch in seinem Sinne. So nimmt etwa die mittelalterliche Sequenz des „Dies irae“ (Tag des Zorns) als zweite von sieben Nummern mit 40 Minuten fast die Hälfte der gesamten Aufführungsdauer ein. Und das Dies-irae-Motiv – peitschende Orchesterakkorde mit donnernden Nachschlägen der Großen Trommel, gefolgt von blitzenden Bläserkaskaden und chromatischem Aufschreien des Chores – lässt das Jüngste Gericht hereinbrechen und wird durch drei eingeschobene Wiederholungen zu einem Leitmotiv des Werkes. Doch nicht nur apokalyptischen Schrecken hält das Werk für die Zuhörer bereit, sondern auch Trauer, Klage und Hoffnung. Mit der Bitte „Libera me, Domine, de morte aeterna“ (Befreie mich, Herr, vom ewigen Tod) wendet sich das Gebet für die Verstorbenen dem Betenden selbst zu. Und gerade für diese subjektiven Momente findet Verdi die persönlichsten, zartesten Farben.

Giuseppe Verdi war kein im engen Sinne religiöser Mensch. Seine Frau Giuseppina beschrieb ihn als „ein Muster an Aufrichtigkeit, (er) versteht und fühlt die aufrichtigsten und erhabensten Empfindungen; trotz alledem erlaubt sich dieser Räuber, ich will nicht gerade sagen Atheist, aber doch nur ein nicht sehr gläubiger Mensch zu sein“. Und doch stammt aus seiner Feder eine der berührendsten Vertonungen der katholischen Totenmesse.Swantje Köhnecke

4. Sinfoniekonzert

Sonntag, 4. Dezember, 17 Uhr

Montag, 5. Dezember, 19.30 Uhr

Giuseppe Verdi: Messa da Requiem

Solisten: Guanqun Yu (Sopran), Ronnita Miller (Mezzosopran), Yosep Kang (Tenor), Shavleg Armasi (Bass)

Chor und Extrachor der Staatsoper Hannover, Choreinstudierung: Dan Ratiu

Niedersächsisches Staatsorchester Hannover

Dirigent: Ivan Repušic

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