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Kultur Apokalyptischer Blick auf die Feuerwehr Hannover
Nachrichten Kultur Apokalyptischer Blick auf die Feuerwehr Hannover
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12:47 16.08.2011
Im Einsatz: Ulrich Reineckes Blick auf die hannoversche Feuerwehr. Quelle: Ulrich Reinecke
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Hannover

Der Mensch ist nur ein Schattenriss vor den schwelenden Rauchschwaden. Die Konturen seines Helms und des Atemschutzgeräts zeichnen sich pechschwarz ab. Glassplitter, spitz wie Raubtierzähne, ragen hinter ihm bizarr aus einem geborstenen Fensterkreuz. Apokalyptisch mutet die Szene an, die der Fotograf Ulrich Reinecke festgehalten hat, und doch ist sie ganz alltäglich. Ein Jahr lang hat Rei­necke die hannoversche Berufsfeuerwehr bei ihren Einsätzen begleitet und ist dabei hinter die Rauchgrenze vorgedrungen in jenen hermetischen Bereich, der sonst hinter Flammen und Qualm verborgen bleibt. Jetzt ist ein Teil seiner Fotoreportage in der hannoverschen VGH Galerie am Schiffgraben zu erleben.

Die Ausstellung vollzieht einen typischen Einsatz der Feuerwehr chronologisch nach: vom Eintreffen des Notrufs 112 im Lage- und Führungszentrum über das Ausrücken der Löschzüge bis hin zum Einsatz vor Ort. Dabei kommt Reinecke den Feuerwehrleuten ganz nah und kann kurze Brennweiten nutzen. Nur einmal setzt er ein Zoomobjektiv ein. Der Weichzeichnereffekt verwandelt den Qualm in einen flirrenden Dunst, Helme und Schutzkleidung der Männer scheinen sich in weichen Wellen langsam aufzulösen. Sengende Hitze liegt über dem Bild.

Einsatz in klaustrophobisch engen Räumen

Am eindringlichsten aber sind jene Arbeiten, die den Einsatzkräften in klaustrophobisch enge Räume folgen. Da sieht man zwei Kollegen dicht beieinander in einen verkohlten Winkel gedrückt, der weiße Strahl ihres Löschwassers schneidet wie ein Schwert durch die Dunkelheit. Auf einem anderen Foto ist nur eine Ecke durch einen Lichtschimmer erhellt; das Schwarz der Umgebung schließt zwei Gestalten wie in einer Höhle ein. Und manchmal konturiert ein rötlicher Schimmer die menschlichen Silhouetten. Es ist ein schwacher Abglanz des Feuers, das der Betrachter erahnen kann.

Reinecke markiert das Ende der Schau mit wohltuend schlichten Schwarz-Weiß-Porträts von sechs Feuerwehrleuten, fünf Männern und einer Frau. Sie schauen konzentriert in die Kamera. Nur einer kann den Anflug eines Lächelns nicht unterdrücken. Verschämt, als sei es unangenehm, ohne Schutzmaske im Fokus zu stehen.

„Rauchgrenzen“ bis 8. September in der VGH Galerie, Schiffgraben 4. Geöffnet montags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr.

Kristina Tieke

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