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Kultur Ariel Schlesinger ist VHV-Künstler des Jahres 2012
Nachrichten Kultur Ariel Schlesinger ist VHV-Künstler des Jahres 2012
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07:43 14.12.2012
„Ich bin eben romantisch“: Ariel Schlesinger vor dem „Car Full of Gas“. Quelle: Dimi Anastassakis
Hannover

Auf den ersten Blick ist es nur ein Mini Cooper. Doch dann erfasst das Auge des Betrachters die zwei Gasflaschen auf Fahrer- und Beifahrersitz, das Glimmen des Flämmchens an der Seitenscheibe - und jäh ahnt man die Gefahr: ein Innenraum voller Gas, die Flamme schon entzündet, ein altes Auto als neue Bombe?

Die explosive Botschaft hat bei der VHV-Versicherung voll eingeschlagen. Die Installation „A Car Full of Gas“ bekam beim Votum der Versicherungsmitarbeiter die meisten Stimmen. Sein Schöpfer, der Israeli Ariel Schlesinger, ist damit VHV-Künstler des Jahres 2012. „Dass die Mitarbeiter entscheiden dürfen, ist deutschlandweit, ja, vielleicht sogar in ganz Europa einmalig“, sagte Veit Görner, der Chef der Kestnergesellschaft, bei der Vergabe dieses mit 25.000 Euro dotierten Preises im Foyer des hannoverschen VHV-Neubaus.

Görner steht an der Spitze jener vierköpfigen Jury von Museumsdirektoren, die eine Vorauswahl von drei Künstlern getroffen hat, aus der dann die VHV-Belegschaft den Preisträger bestimmte. Einzige Vorgabe laut Görner: Das Werk der Künstler soll sich thematisch auf die Aufgaben des Unternehmens beziehen, das unter anderem Autos und Häuser versichert. Von der 40-jährigen Leipziger Dokumentarfotografin Ricarda Roggan ist im VHV-Foyer denn auch eine Serie großformatiger Fotografien von Unfallautos zu sehen.

Der gleichfalls in Leipzig lebende 38-jährige Benjamin Baddock ist mit knallbunten Holzschnittdrucken von Plattenbauten angetreten, die jeweils individuell gefärbt sind - im Kontrast zur seriellen Gleichförmigkeit überkommener DDR-Plattenbauten. Und bei Ariel Schlesingers Spiel mit der drohenden Explosion liegt nicht nur die Nähe zum Versicherungsfall auf der Hand. Dem gebürtigen Jerusalemer ist auch das jähe Umkippen eines unspektakulären Alltags in eine spektakuläre Gefahrenlage aus seiner Kindheit in Jerusalem vertraut. „Mich interessiert eigentlich die Katastrophe“, sagt er, „aber nicht als unausweichlicher Endpunkt einer Entwicklung, sondern als Chance für einen Neustart - ich bin eben ein bisschen romantisch.“

Der 32-Jährige genießt längst international Renommee. Er lebt in Berlin, war Stipendiat in New York und hat Preise in den USA, Italien, Frankreich und Japan eingesammelt. Mit seiner Kür zum Preisträger zeigen die VHV-Mitarbeiter also intuitives Gespür für Größe.

Und wie kommt es dazu, dass eine Versicherung einen Nachwuchsförderpreis vergibt? „Wir wollten unser neues Foyer ausstatten“, sagte der VHV-Vorstandsvorsitzende Uwe Reuter bei der Preisvergabe - und erläuterte unumwunden auch gleich den Kostenvorteil: „Statt fünf Millionen für etablierte Kunst auszugeben, fördern wir lieber jährlich junge Künstler auf internationalem Niveau.“

Daniel A. Schacht

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