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Von der eigenen, fremden Welt

Arme hoch gegen Vorurteile Von der eigenen, fremden Welt

Mo Asumang hat den NPD-Mann Jürgen Rieger und den US-Rassisten Tom Metzger getroffen, sich bei „Rock für Deutschland“ und bei Burschenschaftlern umgetan. Sie hat darüber Filme und Bücher publiziert und davon jetzt auch im Literarischen Salon erzählt.

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Arme hoch gegen Vorurteile: Mo Asumang und Cara Salto im Literarischen Salon.

Quelle: dpa

Hannover. Und weil sie Afrodeutsche ist, weiß sie überdies sehr persönlich von den Folgen von Rassismus und Rechtsextremismus für Menschen zu berichten, die nicht dem Klischeedeutschen entsprechen, die einen Migrationshintergrund haben.
Doch was heißt schon Migrationshintergrund? Mo Asumang wurde in Kassel geboren, da aber ihr Vater aus Ghana stammt, sie nicht blond und blauäugig ist, gehört sie als Kind nicht einfach dazu. „Damals habe ich mich nur als Opfer gefühlt“, sagt die 53-Jährige rückblickend, als Jugendliche habe sie ihre Haare zu glätten versucht und sich in zu enge Jeans gezwängt. „Ich wollte bloß keinem irgendwie afrikanischen Klischee entsprechen.“ Später erst hat sie erfahren, dass ihre Großmutter in Erwartung eines nichtweißen Enkelkindes „Ich bring‘ mich um, ich werf‘ mich vor die Straßenbahn!“ gesagt haben soll.

So fremd kann auch das ganz Eigene sein. Das an diesem Abend vorwiegend jugendliche Publikum im dicht besetzten Literarischen Salon hängt ebenso an Mo Asumangs Lippen wie die Moderatorin Cara Salto, die nach den Folgen von Stereotypen fragt. Tja, Stereotypen seien eben schlecht, sagt Asumang, übrigens nicht nur, wenn es um Menschen mit anderer Hautfarbe oder nichtdeutscher Herkunft gehe, sondern auch mit Blick auf die rechte Szene. „Was heißt schon ‚die Nazis‘, es gibt ganz unterschiedliche – man muss ganz einfach genau hingucken.“

Genau das tut Mo Asumang bei ihrer publizistischen Arbeit, in Filmen wie „Roots Germania“ oder „The Aryans“ und Büchern wie „Mo und die Arier“ (Fischer, 272 Seiten, 14,99 Euro). Sie unternimmt dabei bisweilen Selbstversuche bis hin zum Flirt mit einem Skinhead. Wie es im Internetportal „Odin Kontaktanzeigen“ zugeht, dass Männer sich da als „hart wie Kruppstahl“ anpreisen, „weiblich, weiß und national denkend“ suchen, „Heil Dir“ grüßen und „Dich in meine Wolfsschanze“ einladen, wenn sie nicht gerade „im Gau Pommern unterwegs“ sind – derlei ideologische Wiedergängerei ist von trauriger Komik.

Bei ihren Begegnungen mit dieser Szene hat Mo Asumang erfahren, dass die meisten darin von Angst gesteuert seien. „Und die AfD-Politikerin Frauke Petry sagt ja auch ganz offen: Wir brauchen die Ängstlichen.“ Asumang setzt gegen rassistische Zerrbilder von Überfremdung und drohendem Verlust vermeintlicher Privilegien vor allem die Konfrontation mit der eigenen Harmlosigkeit und Offenheit.

Das ist lieb und nett. Solange allerdings die tatsächlichen Ursachen solcher Ängste fortbestehen – vor allem die Desintegration eines weißen Bildungsprekariats – werden rassistische Ideologen sie auch weiter zu instrumentalisieren versuchen.

Am Montag, dem 6. Juni, ist um 20 Uhr der Regisseur und Drehbuchautor Lars Becker zu Gast im Literarischen Salon im Conti-Hochhaus, Königsworther Platz 1.

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