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Ausverkauftes Haus für die Arschkrampen

Theater am Aegi Ausverkauftes Haus für die Arschkrampen

Sie zählen zu den Dinosauriern des Comedy-Betriebs: Im ausverkauften Theater am Aegi präsentierten Dietmar Wischmeyer und Oliver Kalkofe als „Die Arschkrampen“ jetzt ihr Programm „Das Leben ist eine Deponie“ – und ließen dabei keine billige Pointe liegen.

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"Sooo sieht das aus": Oliver Kalkofe und Dietmar Wischmeyer (v.l.) als Arschkrampen im Theater am Aegi.

Quelle: Behrens

Hannover. Sie haben ja das Alter erreicht, in dem man ruhig mal etwas nostalgisch werden darf. Also erzählen sie erst mal von früher. Es war einmal ein junger, frecher Privatsender namens ffn: "Alles, was sonst nicht unterkam auf dem  Arbeitsmarkt, kriegte dort 'ne Chance", sagen Oliver Kalkofe und Dietmar Wischmeyer. Und innerhalb dieses Biotops ffn habe es dann noch eine "Leprakolonie" gegeben: das Frühstyxradio.

Da geht ein Raunen durch das ausverkaufte Theater am Aegi. Kalkofe und Wischmeyer sind ja Dinosaurier des Comedy-Betriebs. Sie zählen zu den Urvätern, die vor vielen, vielen Monden eine neue Form von Satire in Deutschland implementierten: Frühstyxradio, Onkel Hotte, der Kleine Tierfreund, Günther, der Treckerfahrer: Man könnte meinen, Wischmeyer und Kalkofe hätten längst einen Ehrenplatz in der Ruhmeshalle deutscher Spaßkultur verdient, zwischen Loriot und Hape Kerkeling.

Haben sie aber nicht. Und an diesem Abend im Aegi zeigen sie, warum. Es geht ein bisschen um Politik ("Der Ivan, der ist nicht ohne!"). Es geht ein bisschen um Philosophie ("Sooo sieht das aus!"). Doch Leitmotiv des Abends ist der Suff. Mehr als zwei Stunden lang lehnen die Arschkrampen - also die Kunstfiguren Kurt und Gürgen - am Tresen, beschimpfen sich unflätig und entfalten ein Panoptikum des Alkoholismus. Sie erzählen von Typen, die Kacke aus Gummistiefeln fressen. Von dem Typen, der in Braunschweig ein Fischantiquaritat hat ("Pestet wie 'ne zugepisste Pottwal-Unterhose"). Und von Männern im sexuellen Herbst ihres Lebens, "wenn die Flöte nicht mehr die volle Oktave spielt". Wuhaha.

Wischmeyer schaufelt sich ein paar Löffel Zaziki ins Bierglas, bevor er trinkt. Aber was heißt schon Zaziki? Das ist "griechisches Elefantensperma!" Geschlechtskrankheiten sind für sie "Gurkenrost". Die Förderschule ist eine "Bretterpenne". Bier? "Ballerbrühe!" Frauen? "Rochen!" Die Arschkrampen sind so frauenfeindlich und homophob wie sonst nur ein bunter Abend im Trainingscamp der Taliban. Keine noch so billige Pointe lassen die beiden liegen, kein Wortwitz ist ihnen zu flach, kein Ekel kann sie schrecken. 

In ihrer Anfangsphase, sagt Wischmeyer, hätten sie kaum weibliche Hörer gehabt: "Wir hatten 104 Prozent Männeranteil." Frauen sind auch im Theater am Aegi in der Minderheit. In der Pause ist die weitaus längere Schlange vor der Herrentoilette.

Das muss nicht zwingend ein Ausweis von Hochkultur sein.

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