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Kultur Auf der Landstraße des Lebens mit U2
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15:35 10.07.2017
Roadtrip: U2 spielen „Where the Streets Have No Name“. Quelle: AP
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Berlin

Müngersdorfer Stadion, 17. Juni 1987. Wer dabei war, schwärmt bis heute vom U2-Konzert in Köln. Die Band spielte „40“ als letztes Lied, wie häufig in den Achtzigerjahren. Es war ein geradezu religiöses Ritual. „How long … to sing this song?“ Als U2 die Bühne verließen, sangen viele Fans die Textzeile weiter, immer und immer wieder, trugen den Song, der Psalm 40 zitiert und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft transportiert, wie eine Wunderkerze aus der Arena bis zum Parkplatz, vollkommen ergriffen. Man konnte meinen, bei etwas wirklich Bedeutsamen dabei gewesen zu sein.

Die Band hatte etwas Aufrüttelndes, ja, Rebellisches. U2 machten sich für Menschenrechte stark und für Afrika. Die Iren waren Band-Aid-Aktivisten und hatten „Sunday Bloody Sunday“, ihren Schrei nach Frieden im Nordirlandkonflikt, beim Live-Aid-Konzert in London gespielt. Mit „Pride (In the Name of Love)“, ihrer Martin-Luther-King-Hommage, protestierten sie gegen Hass und Rassismus. In ihren Shows zitierten sie immer wieder den aufmüpfigen John Lennon.

U2 starteten ihre „The Joshua Tree Tour 2017“ in den USA. Jetzt sind sie in Europa unterwegs.

Auf ihrem damals neuen, fünften Album „The Joshua Tree“ beschrieben sie die Kluft zwischen dem amerikanischen Traum und der amerikanischen Realität. Das harsche „Bullet the Blue Sky“ rechnete mit der aggressiven Zentralamerikapolitik des damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan ab. Das Leitmotiv mehrerer Songs war die Wüste, in der Joshua Trees wie Bäume des Widerstandes wachsen. Die karge Landschaft stand sowohl für einsame Leere und Unbarmherzigkeit, als auch für Weite, Offenheit und Freiheit. Die Band war gleichermaßen fasziniert von den USA und besorgt.

U2 feiern 30 Jahre „The Joshua Tree“, indem sie das Album, mit dem sie zu globalen Superstars wurden, in verschiedenen Formaten wiederveröffentlichen und auf einer Welttournee komplett von Anfang bis Ende spielen, am Mittwoch, 12. Juli, auch in Berlin.

Die Freiheitsstatue – nur noch eine Sehenswürdigkeit?

Die Band blickt auf eine Zeit zurück, bevor sie Trabis zur Beleuchtung unters Bühnendach schraubte, manche solcher Effekte die Inhalte kaum noch erkennen ließen, und bevor ihre Konzerte zu Mega-Events wurden und die Gigantomanie begann, das Rennen mit den Rolling Stones um die erfolgreichste Tournee aller Zeiten.

Doch die „The Joshua Tree Tour 2017“ ist mehr als ein Retrotrip, wie man unlängst bei einem der ersten Auftritte in Santa Clara bei San Francisco erleben konnte. Im Trump-Land klingen die alten Statements erschreckend aktuell. Sie können als Aufruf zum Widerstand gegen die demokratiefeindlichen Tendenzen in der westlichen Welt verstanden werden. Der Song „In God’s Country“, in dem die Freiheitsstatue nur noch als Sehenswürdigkeit fungiert, hält den heute tief gespaltenen USA und ihrem Ego-Präsidenten den Spiegel vor. U2 fragen: Was ist aus den amerikanischen Idealen geworden?

Die vier Iren wollten von Anfang an eine politisch engagierte und innovative Band sein, gewissermaßen The Clash, Joy Division und Kraftwerk in einem. Ihre Musik baute zunächst auf keinerlei Tradition auf. The Edge war aufgrund seines minimalistischen, unkonventionellen Spiels ein neuartiger Gitarristen-Typ. Als Learning-by-doing-Musiker wurden U2 dem sogenannten Post Punk zugeordnet, der zweiten Welle nach den Sex Pistols und Ramones. „Da, wo ich herkomme, war der Blues nichts als zwölf Takte Faulheit, und wenn ihn jemand spielte, bedeutete das, dass ihm die eigenen Ideen ausgegangen waren“, schrieb Bono im Buch „U2 by U2“.

Mit „The Joshua Tree“ änderte sich ihre Haltung. Inspiriert von Gesprächen mit Keith Richards, Bob Dylan und Van Morrison öffneten sie sich für den einst verabscheuten Blues, für Gospel und Soul, Country und Folk, für die Wurzeln von Rock und Pop. Ein Teil dieses Lernprozesses ist dokumentiert: Der Film „Rattle and Hum“ zeigt die Band beim Geschichtsunterricht an Originalschauplätzen in den Südstaaten der USA. Man sieht die Musiker die Soul- und Elvis-Stadt Memphis erkunden und am Mississippi-Ufer sitzen wie Grundschüler.

Ein Ort der Utopie – ohne Straßennamen, Vorurteile, Grenzen

2017, Levis Stadium, Santa Clara: Bei „Where the Streets Have No Name“, dem ersten Song von „The Joshua Tree“, nimmt die Band ihr Publikum mit auf eine Autofahrt durch die Wüste. Die Leinwand ist – wie immer bei U2 – gigantisch, stadionbreit. Das Lied beschreibt eine Utopie, einen Ort der Phantasie, ohne Straßennamen, Vorurteile, Grenzen. Man muss unweigerlich an „Imagine“ denken.

Links und rechts der Landstraße tauchen Tramper auf. Es sollen wohl Leute wie wir sein, die da im Staub unterwegs sind, auf der Suche nach Liebe und Sinn. Wie schwierig es ist, Leichtigkeit in komplizierten Zeiten zu finden und Zweifel zu besiegen, davon singt Bono gleich danach in „I still haven’t found what I’m looking for” und „With or without you“. Kurios, dass sich die Band ausgerechnet beim Welthit verspielt und von vorn anfängt. Ein schönes Symbol an dieser Stelle. Dafür, dass das Leben nicht perfekt ist. Wunderkerzen entzündet heute niemand mehr. Das Licht kommt von Tausenden von Smartphones.

U2-Setlist: Santa Clara bei San Francisco, 17. Mai 2017

Sunday Bloody Sunday

New Year’s Day

A Sort Of Homecoming

Bad

Pride (In The Name Of Love)

Where The Streets Have No Name

I Still Haven’t Found What I’m Looking For

With Or Without You

Bullet The Blue Sky

Running To Stand Still

Red Hill Mining Town

In God’s Country

Trip Through Your Wires

One Tree Hill

Exit

Mothers Of The Disappeared

Beautiful Day

Elevation

Ultra Violet (Light My Way)

One

Miss Sarajevo

The Little Things That Give You Away

Beim Auftakt ihrer Europatournee in London spielten U2 zusammen mit Noel Gallagher den Oasis-Hit „Don’t Look Back in Anger“ für die Opfer des Terroranschlags in Manchester. Mit seiner Band High Flying Birds begleitet Gallagher die Iren als Vorgruppe.

Von RND/Mathias Begalke

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