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Hannovers Orgeln gibt es jetzt auf CD

Aufnahme von Furtwängler-Orgeln Hannovers Orgeln gibt es jetzt auf CD

So klingt die Region: Die hannoverschen Furtwängler-Orgeln sind nun auf einer neuen Doppel-CD zu hören, die einen klingenden Überblick über die Orgeln der Region Hannover präsentiert.

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Haben alle Register gezogen: Kirchenmusikdirektor Lothar Mohn, Tonmeister Andrew Wedman, Sandra van de Loo und Uwe Kalwar von der Region Hannover und Christoph Schönbeck vom Verein Nomine in der Neustädter Hof- und Stadtkirche.

Quelle: Villegas

Hannover. Es war der Ritterschlag für Phillip Furtwängler. 1878 erhielt er den Auftrag, eine Orgel für die Weltausstellung in Paris zu bauen. Eine Ehre, derer er sich mit ganz besonderem Aufwand als würdig erweisen wollte. Darum hat seinem Ausstellungsstück nicht nur ein höchst gediegenes neogotisches Gehäuse verpasst, sondern auch modernste technische Raffinessen wie pneumatische Registrierbetätigungen und mechanische Kegelladen - damals der letzte Schrei in der jahrhundertealten Kunst des Orgelbaus. Furtwänglers Firma, die im Jahr des Pariser Triumphes auch die Orgel für den neuen hannoverschen Kuppelsaal fertigstellte, prosperierte nach diesem internationalen Auftritt. Das Instrument, das das Publikum in der französischen Metropole beeindruckt hatte, verschwand aber bald aus dem Rampenlicht. Es fand schließlich einen Platz in der St.-Osdag-Kirche in Mandelsloh.

Nun bringt sich die Orgel eindrucksvoll wieder in Erinnerung: Mit einem spektakulären Stück des 1950 geborenen Komponisten Denis Bedard, das wie gemacht scheint für Fülle und Vielfalt dieses besonderen Orgelklangs, ist die Furtwängler-Orgel auf einer neuen Doppel-CD zu hören, die einen klingenden Überblick über die Orgeln der Region Hannover präsentiert.

Die Produktion entstand auf Anregung und mit finanzieller Unterstützung der Region Hannover, ist aber zugleich auch Teil der renommierten Reihe „Orgellandschaften“, mit der der Verein Nomine seit 2004 den außergewöhnlichen Reichtum an bedeutenden Orgeln in Norddeutschland wieder ins allgemeine Bewusstsein bringen will. Anders als im Norden des Landes, der vor allem von den Barockinstrumenten des großen Orgelbauers Arp Schnitger geprägt ist, finden sich in Hannover und Umgebung bemerkenswerte Instrumente aus fast vier Jahrhunderten.

Die älteste auf den Aufnahmen vertretene Orgel steht heute in der Martinskirche in Engelbostel. Das Instrument wurde noch während der letzten Kämpfe des Dreißigjährigen Krieges gebaut und ist mehr als 200 Jahre in der hannoverschen Aegidienkirche erklungen, bevor es 1880 an seinen heutigen Standort umzog. Die jüngste Orgel aus der Arche, dem Kirchengebäude der Laatzener Thomasgemeinde, wurde dagegen erst in diesem Jahr eingeweiht.

Es gibt Instrumente von alten Meistern wie dem Schnitger-Schüler Christian Vater, der königlich-hannoverscher Hoforgelbaumeister und Organist an der Neustädter Hof- und Stadtkirche war und das Instrument für die Barockkirche Ilten geschaffen hat, und von zeitgenössischen Meistern aus dem In- und Ausland. Der Belgier Patrick Collon etwa hat um die Wende zum 21. Jahrhundert nicht nur die spanische Orgel in der Neustädter Kirche, sondern auch die große Orgel von St. Petri in Großburgwedel gebaut. Die neue Orgel in der Marktkirche kommt aus Luzern von Orgelbau Goll, und ein Instrument der Bonner Firma Klais, die gerade ein spektakuläres Instrument in den Großen Saal der Hamburger Elbphilharmonie gebaut hat, tut schon seit 1973 ihren Dienst in der hannoverschen Basilika St. Clemens.

Prägend für die hannoversche Orgellandschaft sind aber vor allem die Orgeln von Herstellern aus der Region - allen voran die von Phillip Furtwängler (ein Großonkel des Dirigenten Wilhelm Furtwängler) und seinen Nachfolgern: Heute führt die Firma Emil Hammer Orgelbau in Hemmingen diese große Tradition fort. Gleich vier Orgeln aus den Furtwängler-Werkstätten sind auf der CD vertreten, darunter auch die in der Kapelle des Schlosses Marienburg, die mit wunderbaren Choralvorspielen von Johannes Brahms erstmals auf einer Aufnahme zu hören ist.

Welche Instrumente den Weg auf die CD geschafft haben, lag zunächst in der Hand der Kirchengemeinden, die sich dafür bewerben konnten. Eine Jury um den hannoverschen Kirchenmusikdirektor Lothar Mohn hat aus den rund 50 Orgeln 20 ausgewählt. Der Neustädter Tonmeister (und studierte Organist) Andrew Wedman hat den Klang der Instrumente und das Spiel der 20 Kirchenmusiker auf ideale Weise eingefangen. Zusammen mit dem informativen Booklet ergibt sich so tatsächlich, was sich Initiator Uwe Kalwar, zuständig für Kultur bei der Region Hannover, von dem Projekt versprochen hat: ein guter Überblick über die verschiedenen Orgelkulturen, die die Region in den vergangenen Jahrhunderten geprägt haben.

Die Doppel-CD „Orgellandschaften - eine musikalische Reise zu 20 Orgeln der Region Hannover“ kostet 9,80 Euro und ist unter anderem bei Hannover Tourismus, der Buchhandlung an der Marktkirche und den HAZ-Shops erhältlich.

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