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Aufsatzband über Auschwitz von hannoverschen Wissenschaftlern

Die Folgen des Zivilisationsbruchs: Ein Aufsatzband untersucht „Auschwitz in der deutschen Geschichte“. Auch hannoversche Wissenschaftler haben Beiträge für die Essay-Sammlung verfasst.

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Das Tor zum Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau.

Das Tor zum Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau.

© afp (Archiv)

Es war, als wollte man das Geschehene ungeschehen machen. Als wollte man Spuren verwischen oder der Erinnerung die physischen Ankerpunkte nehmen. Bereits im Winter 1945/46 wurden Baracken, Zäune und Wachtürme des KZ Bergen-Belsen abgerissen, der Verkauf von Stacheldraht und Baumaterial an Bauern aus der Umgebung brachte insgesamt 18.000 Reichsmark ein. Die Gedenkstätte, die dort nun entstand, konzipierte der Landschaftsarchitekt Wilhelm Hübotter, der bereits die SS-Kultstätte Sachsenhain gestaltet hatte. So wurde der KZ-Gedenkort ästhetisch eine Kopie einer NS-Stätte, sagt Wilfried Wiedemann, bis vor zwei Jahren Geschäftsführer der Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten.

Ein Aufsatz Wiedemanns zu „Zerstörung und Wiedergewinnung des Gedächtnisses“ am Beispiel Bergen-Belsens ist jetzt in dem Band „Auschwitz in der deutschen Geschichte“ erschienen. Dieser umfasst 16 Aufsätze, die als Vorträge im Rahmenprogramm einer Ausstellung zum Auschwitz-Prozess vor einem Jahr im Landtag gehalten wurden. Viele der verständlich geschriebenen Essays, die sich auch als Referatsthemen für den Geschichtsunterricht anbieten, stammen von hannoverschen Wissenschaftlern. So untersucht Herbert Obenaus die autobiografischen Erinnerungen der Auschwitz-Überlebenden Ruth Klüger. Literaturwissenschaftler Heinz Brüggemann analysiert die kontroverse Rezeption von Peter Weiss’ Theaterstück „Die Ermittlung“, das einst den Auschwitz-Prozess thematisierte. Und Herausgeber Joachim Perels beschäftigt sich mit den 1952 veröffentlichten Erinnerungen des Gefängnisarztes Ludwig Pflücker, der bei den Nürnberger Prozessen Hauptkriegsverbrecher wie Göring betreut hatte und diese nun als eigentliche Opfer beschrieb.

Es geht in den Aufsätzen um Jura, Kunst oder Theologie – allein die Vielzahl der Ansätze zeigt, wie prägend der Zivilisationsbruch Auschwitz für alle Lebens- und Forschungsbereiche geworden ist. Zugleich ist nach einer Untersuchung des Sozialpsychologen Rolf Pohl der Ruf nach einem „Schlussstrich“ immer noch laut. Und nach einer Umfrage sagen 71 Prozent der Deutschen, sie würde sich nicht trauen, „ihre wirkliche Meinung über Juden zu sagen“.

„Auschwitz in der deutschen Geschichte“. Herausgegeben von Joachim Perels. Offizin Verlag. 256 Seiten, 19,80 Euro.

[Simon Benne]

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