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Christian Erdmann liest beim Literaturfest

Auftakt in Herrenhausen Christian Erdmann liest beim Literaturfest

An Hannover hat er beste Erinnerungen - und Hannover an ihn: Sieben Jahre lang gehörte Christian Erdmann zum Ensemble des Schauspielhauses. Auch nach seinem Abschied 2009 kommt er immer noch regelmäßig in die Stadt, meist zu Veranstaltungen im Literaturhaus, wo er Texte internationaler Autoren liest – so wie Mittwoch.

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Christian Erdmann Foto: Klier

Hannover. Am Mittwoch tritt Erdmann wieder in Hannover auf: in der Galerie Herrenhausen. Zum Auftakt des Literaturfests Niedersachsen stellt er dort mit seinem Schauspielkollegen Charles Brauer „Wilde Dichter“ vor, Texte von Jack London, Herman Melville und Ernest Hemingway.

Mit diesen Namen verbinde er seine Jugend, sagt der 1975 im thüringischen Rudolstadt geborene Schauspieler. „Als Jugendlicher bin ich über diese Autoren, über diese Freigeister gestolpert“, sagt er, „ihre Texte haben mir die Tür zu einer anderen Welt aufgemacht.“ Bücher von London, Melville und Hemingway, aber auch von Jack Kerouac haben Erdmann ermutigt - zum Beispiel dazu, einen Teil seines Zivildienstes in Israel abzuleisten. Nicht ganz typisch für einen jungen Mann, der in der DDR aufgewachsen ist. Nach wie vor reist Erdmann gern und viel; gerade war er in Südtirol, anschließend vier Wochen an der US-Ostküste.

„Abenteuer“ lautet das diesjährige Motto von Literatur- und Musikfest Niedersachsen. Ob er selber abenteuerlustig sei? „Ja, durchaus“, sagt Christian Erdmann ohne zu zögern. Er habe jeden Tag das Abenteuer des Familienlebens, sagt der Vater eines kleines Sohnes. Im November wird das zweite Kind der Familie geboren. Vor allem jedoch schätze er das Abenteuer, draußen zu sein, am liebsten beim Klettern in den Bergen. „Ich setze mich in der Natur vielem aus, was ich nicht beeinflussen kann. Das kostet auch Mut“, sagt er.

Erdmann ist neugierig auf andere Länder und andere Menschen. Dass es in Dresden keine internationale Kulturszene gibt, bedauert er, und die Fremdenfeindlichkeit und der Rassismus in Sachsen entsetze ihn „wahnsinnig“: „Vor allem erschreckt mich die fehlende Empathie der sogenannten normalen Menschen, des Fleischers, des Bäckers. Aber auch bei manchem Bühnenarbeiter erlebe ich mangelndes Mitgefühl und Verständnis für Flüchtlinge.“

Dennoch lebt er gern in Dresden, ist „stolz“, zum dortigen Schauspielensemble zu gehören. Unter der Regie von Sebastian Baumgarten probt er seit einigen Tagen Christian Friedrich Hebbels „Die Nibelungen“, er spielt darin den unglückseligen König Gunther. Wilfried Schulz, ehemals Intendant in Hannover und derzeit Chef in Dresden, hat Erdmann erst an die eine, dann an die andere Bühne geholt. „Wir kennen uns seit 15 Jahren und sind miteinander gewachsen“, sagt der Schauspieler und lobt die „Qualität der Kontinuität“, die er in dieser Arbeitsbeziehung erlebe. Wie er auch die kontinuierliche Arbeit mit einigen Regisseuren wertschätzt, etwa mit Barbara Bürk, in deren Inszenierungen er schon in Hannover gespielt hat. Erdmann spielt Theater, dreht fürs Fernsehen - und mag es, wenn er öffentlich lesen kann. Es sei ja in Ordnung, zu Hause, auf dem Sofa zu lesen, aber da tausche man sich dann höchstens mit dem Partner über das Buch aus. „Ich freue mich, wenn ich das Geschenk, das mir ein Autor macht, weitergeben kann“, sagt er.

Eigentlich, überlegt Erdmann, sei auch die Möglichkeit zum Reisen eine Art Präsent. Er findet es bedauerlich, wenn Menschen sich nicht in fremde Länder trauen, sich nicht einem kleinen bisschen Abenteuer aussetzen. „Wer das rundweg ablehnt, sagt zu einem Geschenk: Ich will dich nicht.“

Der Festivalauftakt ist ausverkauft. Weitere Festivaltermine: Xiaolu Guo (15. September, Literarischer Salon) und ein „Literarisches Speed-Dating“ (23. September) im Literaturhaus.

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