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Kultur „Betrachten Sie sich als Revolutionäre!“
Nachrichten Kultur „Betrachten Sie sich als Revolutionäre!“
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00:15 02.09.2016
Von Ronald Meyer-Arlt
Stefan Schostok (l.) mit Kestnerchefin Christina Végh und Uwe Reuter.Foto: Wilde Quelle: Frank Wilde
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Hannover

Hannover ist gut für die Kunst, und die Kunst ist gut für Hannover - das sagte Uwe Reuter, der Vorstandsvorsitzende der Kestnergesellschaft, am Montag bei einem Empfang im Neuen Rathaus. Oberbürgermeister Stefan Schostok hatte eingeladen, um die Kestnergesellschaft zu würdigen, die Ende der Woche mit einem großen Fest und einer neuen Ausstellung ihr hundertjähriges Bestehen feiern wird.

Gut für die Kunst sei in Hannover auch die hervorragende Kooperationsbereitschaft der Kulturinstitutionen, sagte Reuter und verwies auf die großen Gemeinschaftsausstellungen, die die Kestnergesellschaft in den vergangenen Jahren zusammen mit dem Kunstverein und dem Sprengel-Museum unter dem Titel „Made in Germany“ veranstaltet hat. 2017 soll es eine neue Ausgabe von „Made in Germany“ geben, so viel war bereits bekannt. Neu ist, dass an dieser Ausgabe neben den drei großen Kunsthäusern der Stadt auch noch weitere Institutionen beteiligt sein werden.

Am Sonnabend, 3. September, feiert die Kestnergesellschaft das Jubiläum von 12 bis 18 Uhr mit einem großen Fest in der Goseriede 11. Der Eintritt ist frei. Es gibt Führungen, Kinder-Workshops, Essen von Foodtrucks und Musik.

An „Made in Germany 3“ werden neben Sprengel-Museum, Kestnergesellschaft und Kunstverein voraussichtlich auch die Herrenhäuser Gärten sowie die Oper und das Schauspiel teilnehmen. Ein Motto, unter dem sich die verschiedenen Institutionen wiederfinden können, soll auch schon gefunden worden sein. „Made in Germany 3“ wird sich dem Thema „Kunstproduktion“ widmen. Wie die beiden vorigen Ausgaben der Reihe soll auch „Made in Germany 3“ parallel zur Documenta in Kassel stattfinden.

Kassel, darauf wies Reuter in seiner Rede zum Empfang hin, sei ähnlich wie Bilbao erst durch die Kunst zu einer bemerkenswerten Stadt geworden. In Hannover, so Reuter, habe die Kestnergesellschaft viel für das Ansehen der Stadt getan: Sie sei nicht nur ein weltweit bekannter Ort für Ausstellungen zeitgenössischer Kunst auf hohem Niveau, sie gelte - auch weil sie während der Nazi-Herrschaft lange Zeit ihren jüdischen Direktor Julius Bier zu halten vermochte - vor allem in den USA als Symbol für Anstand im Dritten Reich.

Kunst, sagte Reuter, stehe für Meinungsfreiheit und sei eine wichtige Säule der Demokratie. Meinungsfreiheit gerate heute aber zunehmend in Bedrängnis. Das Spektrum der Themen, über die gesprochen werden kann, werde enger; viele Themen würden aus Gründen der „Political Correctness“ aus der Diskussion genommen. Das sei keine gute Entwicklung, meinte Reuter.

Oberbürgermeister Schostok erinnerte in seiner Rede daran, dass die Kestnergesellschaft mitten im Ersten Weltkrieg gegründet wurde. Sie sei ein Gegenentwurf zur konservativ preußisch, hierarchisch ausgerichteten Kulturpolitik der Stadtverwaltung gewesen. Für ihn ist die Gründung der Kestnergesellschaft auch eine „Geburtsstunde von bürgerschaftlichem Engagement“.

Den Mitgliedern und Freunden der Kestnergesellschaft rief er zu: „Betrachten Sie sich als Revolutionäre!“

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