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Von grottig bis großartig

Offene Bühne Von grottig bis großartig

Jeder darf mal. Ob Tanz, Gesang, Jonglage oder Hip-Hop - auf offenen Bühnen können unbekannte Talente für ein paar Minuten ihr Können zeigen. Solche Plattformen gibt es im Norden inzwischen vielerorts. Nicht immer ist der Auftritt gelungen - dann haut das Publikum auch schon mal ab.

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Die zwölf Jahre alte Schülerin Mailyn präsentiert auf der Jungen Offenen Bühne (JUB!) in Bremerhaven einen Song vor einem kleinen Publikum.

Quelle: dpa

Bremerhaven. Annalena Ziegler ist ein bisschen nervös. Gleich wird die 18-jährige Studentin das erste Mal vor einem öffentlichen Publikum singen - "Use somebody" von Pixie Lott will sie unter anderem auf der "Offenen Bühne" des Jungen Theaters Bremerhaven vortragen. "Zu Hause war ich total aufgeregt, mittlerweile geht's", sagt sie. In unregelmäßigen Abständen bieten das Junge Theater, aber auch andere Orten in Niedersachsen und Bremen offene Bühnen an, um Talente zu fördern. In Bremerhaven hat jeder Teilnehmer bis zu einer Viertelstunde Zeit etwas darzubieten - sei es Gesang, Ausdruckstanz, Poesie, Schauspiel oder Stand-up-Comedy. 

"Wir treffen keine künstlerische Vorauswahl", sagt die Leiterin des Jungen Theaters, Tanja Spinger. "Es kann jeder auftreten." Das Niveau sei nicht vorhersehbar - es könne auch schon nmal passieren, dass alle Zuschauer während einer Darbietung aus dem Raum gingen. Andere Auftritte waren dagegen vielversprechend, so wie das Klavierspiel eines 14-Jährigen. "In einigen steckt das Potenzial, ein Star zu werden", sagt Spinger. Sie weiß, wovon sie spricht: In den Jugendtheater-Sparten von zwei Häusern, für die sie früher arbeitete, hat sie Philipp Poisel und die Poetry-Slammerin Julia Engelmann erlebt - beide damals noch unbekannt, inzwischen sehr erfolgreich.

Offene Bühnen sind nicht so bekannt wie Poetry Slams. Doch sie haben meist ein treues Stammpublikum, und sie werden immer mehr. Allein in Bremen gibt es drei solche Angebote, eine davon organisiert Frank Friedrich einmal im Monat in der "Zollkantine". "Das Publikum liebt den Überraschungseffekt", sagt Friedrich. "Es ist eine kleine Wundertüte, die da aufgeht." Auch für die Künstler, überwiegend Amateure, lohne sich der kurze Auftritt ohne Gage. "Sie sammeln Bühnenerfahrung." Friedrich hatte schon eine Frührentnerin da, die Possen aus Bremen vortrug und Jugendliche, die Hip-Hop tanzten.

Erfolgsdruck gibt es keinen. Denn es wird nicht wie beim Poetry Slam oder in den TV-Castingshows ein Sieger gekürt. "Es geht nicht darum, einen Superstar zu entdecken, sondern Talente zu fördern", betont Friedrich. Auch der Mitorganisatorin der offenen Bühne in Bremerhaven, Fiona Steller, liegt daran, dass es keinen Konkurrenzkampf gibt. "Wir hatten schon Leute hier, denen die Stimme vor Aufregung versagte."

Jedes Alter, jede Kategorie

Anders ist das Konzept "Kunst gegen Bares" aus Köln, das inzwischen auch in Hannover und Bremen erfolgreich ist. Jeder Künstler erhält acht Minuten für seinen Auftritt und ein Sparschwein, in das das Publikum Geld stecken kann. Wer am Ende den höchsten Betrag hat, ist mit einem Augenzwinkern die "Kapitalistensau" des Abends. Von solchen Bewertungen halten die Macher der offenen Bühnen in Wolfenbüttel und Braunschweig nichts. Dort sind schon ein sechsjähriges Mädchen mit einem Gedicht, eine 86-Jährige mit Volksliedern sowie Bands, Jongleure und Steptänzer aufgetreten. "Die offene Bühne ist ein wunderbares Sprungbrett für Menschen, die sich ausprobieren möchten in ihrer Kunst", sagt Moderatorin Sibylle Schreiber.

Genau das macht die Studentin Annalena Ziegler. Sie singt, seit sie 15 ist, spielt Gitarre, schreibt Lieder und hat einen Youtube-Kanal. Nun singt sie das erste Mal vor 40 Menschen. "Es hat mir total Spaß gemacht", sagt sie nach ihrem Auftritt. Es soll nicht ihr letzter gewesen sein. "Vielleicht sieht man mich mal im Fernsehen."

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