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Kultur Ausstellung "Made in Germany" startet Anfang Juni
Nachrichten Kultur Ausstellung "Made in Germany" startet Anfang Juni
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20:22 26.05.2017
Nach dem Erfolg der beiden ersten Auflagen von „Made in Germany“ soll die Ausstellung auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Besucher in die hannoverschen Museen locken. Quelle: Schaarschmidt
Hannover

Stundenlang hat Yorgos Sapountzis an den Holzelementen seiner 120 Quadratmeter großen Bühne geschraubt und gehämmert - und jetzt das: „Sie ist viel zu schwer geworden und wiegt mehr als eine Tonne. Da kann man nichts mehr verschieben.“ Der Künstler steht in der Wechselausstellungshalle des Sprengel-Museums, seine Hand fährt über die müden Augen. „Es bleibt spannend, wie meine Installation aussehen wird, aber wir haben ja noch Zeit.“

Nach dem Erfolg der beiden ersten Auflagen von „Made in Germany“ soll die Ausstellung auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Besucher in die hannoverschen Museen locken.

Knapp eine Woche vor dem Beginn der Megaschau „Produktion. Made in Germany“ gleicht der riesige helle Saal einer Rumpelkammer: Kabel ragen aus der Decke, verpackte Gemälde lehnen an der Wand, in einer Ecke stapeln sich die Kartons. Zudem surrt es, und es quietscht, Hebebühnen fahren auf und ab, Gabelstapler balancieren wertvolle Skulpturen an ihre vorgesehenen Plätze. Bald soll hier eine beeindruckende Installation des Künstlerkollektivs „Das Numen“ von der Decke baumeln: vier Meter lange Orgelpfeifen, die Windgeschwindigkeiten hörbar machen sollen. Auch für das Werk von Julius von Bismarck am Eingang der Halle werden die Besucher den Blick nach oben wandern lassen. Noch allerdings ruht der massive Metallrahmen, an dem Tische und Bürostühle angeschraubt wurden, auf dem Boden. Am Montag wird er mit schweren Kränen an der Decke befestigt.

Ausstellungen in drei Museen

Für „Produktion. Made in Germany“ stellen ab dem 3. Juni zahlreiche deutsche und internationale Künstler ihre Bilder, Installationen und Skulpturen aus - aber nicht nur im Sprengel-Museum. Auch in der Kestnergesellschaft und dem Kunstverein laufen die letzten Vorbereitungen. Bis zum 3. September ist die bereits dritte Auflage der umfangreichen Ausstellung geöffnet.

Wie es der Titel bereits verrät, steht das Thema Produktion im Mittelpunkt. „Viele der Arbeiten entstehen erst hier in der Ausstellungshalle“, erklärt Gabriele Sand vom Sprengel-Museum, die dort den Aufbau koordiniert. Der Zeitplan bis zur Ausstellungseröffnung ist eng getaktet: „Am Montag werden hier fünf Künstler gleichzeitig werkeln“, sagt Sand. Dann werden letzte Schriftzüge auf Leinwände aufgetragen und Installationen, die in kleinen Ateliers geplant wurden, zum ersten Mal in voller Größe zusammengeschraubt. Das mache die Vorbereitungen einerseits spannend, andererseits lasse sich so die eine oder andere Panne nicht vermeiden, sagt Sand.

Im hinteren Bereich der Ausstellungshalle will der Grieche Yorgos Sapountzis auf seiner massiven Bühne 23 Skulpturen, die er aus der Sammlung des Sprengel-Museums ausgewählt hat, neu inszenieren - „Nacktes Erbe: Wir brauchen euch alle“ hat er seine Installation genannt. „Ich möchte weg von den rein musealen Objekten und Emotionen wecken“, erklärt er. Der Betrachter soll die zum Teil schon aus früheren Ausstellungen bekannten Figuren für sich neu entdecken. „Ich möchte die Skulpturen lebendig machen und ihnen Gefühle einhauchen.“ Gerade ist Sapountzis dabei, fließende Stoffe, auf die er Fotografien der Skulpturen gedruckt hat, auf Rahmen aus Eisenstangen zu spannen. Er wird sie zusammen mit den starren Figuren neu arrangieren.

„Wenn alles steht, kann der Besucher um die Bühne herumlaufen und die Komposition von allen Seiten betrachten“, sagt der Künstler, der parallel auch auf der Biennale in Venedig ausstellt. In einer Performance will Sapountzis seine hannoversche Installation am 24. Juni mit Licht und Tanz interpretieren. „Aktivierung“ nennt er solche Eingriffe. Doch bis dahin liegt noch einiges an Arbeit vor ihm: „Ich bin aber ganz optimistisch, dass wir das alles schaffen.“

Kunst auf dem Förderband

Im Eingangsbereich des Museums wird es unterdessen laut. Gemeinsam mit der US-amerikanischen Künstlerin Calla Henkel steckt Techniker Christian Lindenberg Metallstangen zu einem überdimensionalen Förderband zusammen. Was nicht passt, wird scheppernd mit dem Hammer zurechtgeklopft. Die einer Druckpresse ähnelnde Installation hat Henkel mit Max Pitegoff zusammen entwickelt - wieder geht es um Produktion und die Verbindung von Kunst und Technik. Wenn alles fertig ist, wird eine acht Meter lange Textrolle in einer Endlosschleife über den Aufbau laufen. „Das ist hier eine Premiere“, sagt Sand. Wie viele andere der Ausstellungsobjekte sei das Förderband extra für das Sprengel- Museum konzipiert worden.

Es werden noch einige lange Tage auf sie zukommen, ist sich Sand sicher: „Dann aber kommt der Tag der Eröffnung, und alles sieht toll aus - als hätte es den ganzen Lärm und Dreck nie gegeben.“

Von Linda Tonn und Thomas Kaestle

Ausstellung läuft vom 3. Juni bis 3. September

Nach dem Erfolg der beiden ersten Auflagen von „Made in Germany“ soll die Ausstellung auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Besucher in die hannoverschen Museen locken. Die Schau läuft vom 3. Juni bis zum 3. September. Außer dem Sprengel-Museum, dem Kunstverein und der Kestnergesellschaft beteiligen sich auch das Festival Theaterformen und das Schauspiel Hannover mit Veranstaltungen. Das Kombiticket für alle Häuser kostet 14 Euro. Die Ausstellung wird am Freitag, 2. Juni, eröffnet – um 17 Uhr im Sprengel-Museum, um 19 Uhr in der Kestnergesellschaft und um 20.15 Uhr im Kunstverein. Ab 22 Uhr schließlich findet im Hof des Künstlerhauses eine Party statt.

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