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Kultur Ausstellung zeigt politische Hetze im Kleinformat
Nachrichten Kultur Ausstellung zeigt politische Hetze im Kleinformat
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00:15 22.07.2016
Hin und her: Das Logo zur Willkommenskultur (rechts) - und seine Verballhornung.
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Berlin

Beim Wort „Aufkleber“ denkt man ans Jungsein. Ans Tauschen von bunten Stickern auf dem Schulhof oder das Sammeln von Fußballbildern. Später tauchen sie in der Lieblingskneipe auf, gebatscht auf eine Toilettentür. Meist harmlos. Das Deutsche Historische Museum in Berlin zeigt nun aber, wie Aufkleber seit dem 19. Jahrhundert zur politischen Hetze genutzt werden.

Die Ausstellung heißt „Angezettelt - antisemitische und rassistische Aufkleber von 1880 bis heute“ und fällt mitten in die Flüchtlingsdebatte in Deutschland. Dass es Parallelen gibt von vergangenen Jahrzehnten zu heute, zeigt die Ausstellung anhand von Aufklebern. Zum Beispiel zu Beginn, da sieht man ein Sammelbild aus der Kolonialzeit. Schwarze Männer, die hintereinander hergehen. Direkt daneben hängt ein Aufkleber mit dem Anti-Flüchtlings- Slogan „Refugees not welcome“. Das Bild dazu sieht verdammt ähnlich aus. An den Wänden hängen antisemitische Aufkleber von 1933 - und Sticker der rechtsextremen NPD. „Sticker werden genutzt, um Räume zu definieren“, sagt Kuratorin Isabel Enzenbach vom Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin. Jemand klebt sie anonym an eine Laterne oder in die Bahn, um ein Statement zu hinterlassen. Selbst im Mini-Format transportieren sie eine Ideologie - zur NS-Zeit etwa wurden Briefe mit Marken verschlossen, auf denen „deutsche Mädchen“ vor Juden gewarnt wurden.

Die Ausstellungsmacher haben sich schon gefragt: Darf man das, rassistische und antisemitische Hassbotschaften ausstellen? Und dann gleich so viele? Sie hätten immer versucht, die Objekte zu brechen, sagt Enzenbach. Die Ausstellung zeigt also parallel, wie sich Menschen mit Aufklebern gegen Fremdenhass wehren. „Die Gegenwehr ist so alt wie der Antisemitismus oder der Rassismus.“

Es ist ein Kampf auf wenigen Quadratzentimetern und um auffällige Orte. Das zeigte im Herbst auch ein Fall in Bayern. Dort waren laut Polizei Anti-Islam-Aufkleber mit Rasierklingen präpariert. Beim Versuch, einen Aufkleber zu entfernen, verletzte sich ein Student. In der Ausstellung wird auch eine Frau porträtiert, die laut Museum mit dem Spachtel loszieht, um rechte Aufkleber zu entfernen. Mehrere ihrer Aktenordner stehen in einem Regal, sie archiviert darin Aufkleber.

Viele gezeigte Objekte sind auch aus der Privatsammlung von Wolfgang Haney, dessen Familie unter der Verfolgung durch die Nazis litt und der als Mahnung antisemitische Stücke zusammentrug. Für Kuratorin Enzenbach ist seine Sammlung ein „unentdeckter Schatz“.

Die Sammlung sei deswegen so ein Glücksfall, weil es schwer sei, Antisemitismus auszustellen, sagt sie. „Das visuell fassbar zu machen ist tatsächlich problematisch.“ Sticker können das mit ihren Parolen. Und sie zeigen auch die emotionale Ebene. Alte Klebebilder seien mit eigener Spucke angefeuchtet worden, sagt Enzenbach. Und dann suche man ja auch gezielt einen Platz dafür.

Für Museumsdirektor Alexander Koch ist die Ausstellung, die bis Ende Juli zu sehen ist, von „erschreckender Aktualität“. Friederike Tappe-Hornbostel von der Kulturstiftung des Bundes glaubt, man werde sich nach einem Besuch draußen anders umsehen. Und gucken, was an der Laterne klebt. Oder an der Toilettentür in der Kneipe um die Ecke.

Ausstellung

Bis zum 31. Juli im Deutschen Historischen Museum in Berlin, Unter den Linden 2.

Von Julia Kilian

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