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Ausstellung würdigt Leibniz

Neues Rathaus Ausstellung würdigt Leibniz

Vor 300 Jahren starb Hannovers größter Gelehrter. Zahlreiche Veranstaltungen erinnern 2016 an Gottfried Wilhelm Leibniz. Zum Auftakt würdigt eine kleine Ausstellung im Neuen Rathaus Hannovers Großgelehrten - und entdeckt auch unbekannte Facetten des Meisters.

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Michael Kempe und Stefan Schostok in der Leibniz-Ausstellung

Quelle: Simon Benne

Hannover. Bis zum Schluss hatte er große Pläne: Noch im Sommer 1716, wenige Monate vor seinem Tod, reiste Gottfried Wilhelm Leibniz nach Bad Pyrmont, um dort Zar Peter I. zu treffen. Bad Pyrmont war für Europas Elite bekanntlich the place to be vor 300 Jahren. Der Gelehrte versprach dem Zaren, er werde ihm bald seine Rechenmaschine schicken - doch fertig wurde diese nie. "Leibniz suchte durchaus die Nähe der politischen Macht", sagt Michael Kempe, Leiter des Leibniz-Archivs.

Kempe ist Kurator der kleinen Leibniz-Ausstellung, die Oberbürgermeister Stefan Schostok heute beim Neujahrsempfang im Neuen Rathaus eröffnet. Der Künstler Tobias Schreiber - im vergangenen Jahr hatte ein von ihm designtes Leibniz-Konterfei an einer öffentlichen Toilette noch für einen Eklat in Hannovers Leibniz-Gemeinde gesorgt - hat dafür zahlreiche überlebensgroße Köpfe von Zeitgenossen des Großgelehrten geschaffen. An neun Stationen sind nun Spinoza, Caroline von Ansbach oder Kurfürstin Sophie zu sehen. Kurze Texte erklären, welche philosophischen, mathematischen oder politischen Brückenschläge Leibniz mit diesen Persönlichkeiten verbanden. Dazu werden Filme gezeigt, und an einer Hörstation werden Leibniz-Briefe gelesen - übersetzt, und doch im Sound des 18. Jahrhunderts.

Die Ausstellung "Leibniz in bester Gesellschaft" könnte auch "Leibniz für Anfänger" heißen, denn Sie gibt einen prägnanten Überblick über Leibniz als solchen. "Die Ausstellung ist ein Einstieg, sie macht Lust auf mehr", sagt Oberbürgermeister Schostok. Als "Appetithäppchen" für die zahlreichen Veranstaltungen des Leibniz-Jahres will auch Kurator Kempe die Schau verstanden wissen - insbesondere als Appetizer für die Ausstellung "Leibniz letztes Lebensjahr", die im Juni in der Leibniz-Bibliothek auch Originalexponate präsentieren wird.

Gleichwohl hält die Schau auch für Leibniz-Kenner ein paar Überraschungen bereit. Da ist zum Beispiel die Sache mit China: Leibniz, der heute landläufig als Ikone globalen Kulturaustauschs gilt, hegte wohl auch ein heimliches Misstrauen gegen die Asiaten: Wiederholt mahnte er die Jesuiten in China, mit denen er korrespondierte, europäisches Know-how nicht zu großzügig preiszugeben, sondern sich eher das Wissen der Chinesen anzueignen. Offenbar hatte er Angst, China könne Europa abhängen: "Für einen uneingeschränkten und gleichberechtigten Austausch der Kulturen trat er jedenfalls keineswegs ein", sagt Kempe.

Die Ausstellung ist im Neuen Rathaus bis zum 28. Februar montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr sowie sonnabends und sonntags von 10 bis 18 Uhr zu sehen.

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