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Ausstellung in Hildesheim zeigt Bernwards Schätze

Dommuseum Ausstellung in Hildesheim zeigt Bernwards Schätze

Das Dommuseum in Hildesheim schließt für vier Jahre – und zeigt in einer Ausstellung noch einmal „Bernwards Schätze“

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Buchübergabe: Illustration aus der Bernward-Bibel.

Quelle: Dommuseum

Dieser Krug war nicht irgendein Gefäß. Er stammte aus der römischen Antike und war aus edelstem Porphyr. Und vor allem war er bei der biblischen Hochzeit zu Kana dabei gewesen. Es war ein kostbares Geschenk, das Kaiser Otto III. vor einem Jahrtausend seinem Lehrer Bernward machte. Dieser schickte sich als Bischof damals an, Hildesheim zu einem der wichtigsten europäischen Kunstzentren seiner Zeit zu machen – da kam ihm eine Reliquie wie der Porphyrkrug gerade recht. Das Großgefäß wurde in die Krone eines Leuchters eingearbeitet, der schließlich in der Michaeliskirche hing. Bis er bedauerlicherweise im 17. Jahrhundert bei Bauarbeiten von der Decke krachte.

Eine der in Silber gefassten Scherben ist jetzt in der Ausstellung „Bernwards Schätze“ in Hildesheim zu sehen. Ehe das Dommuseum für vier Jahre schließt, prunkt es dabei noch einmal mit seinen Glanzstücken. Wie auch der Dom wird das Haus bis 2014 im großen Stil renoviert. Kunstschätze, die in Hildesheim gewissermaßen zum Mobiliar der Stadt gehören, werden ausgelagert: Wertvolle Museumsstücke sind als Leihgaben nach Lemgo, Bonn oder Paderborn gegangen, die mittelalterliche „Tintenfassmadonna“ ins hannoversche Landesmuseum. Das Berliner Bode-Museum will Ende des Jahres eine Ausstellung mit Stücken aus dem Hildesheimer Dom- und dem Welfenschatz präsentieren. Und die gewaltige Christussäule ist vom Dom in die nahe Michaeliskirche umgezogen, passend zu deren 1000-Jahr-Feier.

Das Dom-Museum Hildesheim zeigt vom 26. Februar bis 9. Mai 2010 unter dem Titel "Bernwards Schätze" Stiftungen von Bischof Bernward für seine Kirche St. Michaelis.

Das Bild zeigt eine Bauzeichnung der Michaeliskirche aus dem 17. Jahrhundert.

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Es war Bernward, der diese Klosterkirche damals bauen ließ und mit Reliquiaren, Büchern und Weihrauchfässern ausstattete: „Alles, was er sein Eigen nannte, brachte er Gott zum Opfer dar“, schrieb sein Biograf Thangmar. Ganz uneigennützig handelte Bernward dabei freilich nicht: Die Mönche sollten an seinem Grab für sein Seelenheil beten – eine Investition in die postmortale Zukunft.

Zu den Prunkstücken der Ausstellung zählen berühmte Exponate wie ein aufwendig verziertes Leuchterpaar, das der kunstsinnige Bernward selbst geschaffen haben soll, oder ein Silberkruzifix, das er St. Michaelis stiftete. Auch das Große Bernward-Kreuz ist zu sehen. Es entstand im 12. Jahrhundert, als der Bischof heiliggesprochen wurde. Otto III. hatte ihm auch Holzsplitter geschenkt, die vom Kreuz Christi stammen sollen – sie sind hinter einem Kristall in das prachtvolle Kruzifix eingelassen.

Ein Modell rekonstruiert, wie die Michaeliskirche im Mittelalter aussah. Bernward hatte den Bau nicht, wie sonst oft üblich, nach Osten ausgerichtet, sondern „gewestet“ – nach dem Vorbild von St. Peter in Rom. Möglicherweise ließ der Ästhet sich beim Bau von Boethius’ ­„Liber Mathematicalis“ leiten, einer Handschrift über Proportionslehre aus dem 9. Jahrhundert, die wohl in Bernwards Besitz war.

Unter den Büchern, mit denen der Bischof seine Klostergründung bedachte, befand sich auch die großformatige Bernward-Bibel. Eine Illustration darin zeigt einen Mann, der einer Frau ein Buch überreicht – möglicherweise hat sich der Stifter damit selbst ein Denkmal gesetzt. Sein Nachruhm war ohnehin immens: Weil es ein Kunstwerk adelte, mit dem Heiligen in Verbindung gebracht zu werden, schrieb man dem Künstler Bernward einen Kelch zu, obwohl dieser Jahrhunderte nach seinem Tod entstanden war. Auch auf ein ­Elfenbeinrelief aus dem 12. Jahrhundert schrieb man kurzerhand seinen Namen. Markenpiraterie ist eben keine Erfindung unserer Zeit.

Die Ausstellung ist bis zum 9. Mai im Hildesheimer Dommuseum zu sehen. Infos unter Telefon (0 51 21) 1 79 16 40. Eine Anfahrtsskizze und die Öffnungszeiten finden sie hier im Internet.

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