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Kultur Ausstellung erzählt die Geschichte der Menschheit
Nachrichten Kultur Ausstellung erzählt die Geschichte der Menschheit
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00:16 24.11.2016
Von Ronald Meyer-Arlt
Raum der Religion: Mark Wallingers Statue „Ecce Mono“ in der Bundeskunsthalle. Quelle: dpa
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Bonn

Das ist weit gedacht und weit gespannt: Am Anfang ist der Urknall, am Ende sind Roboter zu sehen, kleine Automaten, die ameisengleich eine neue Welt aufbauen – kurz zuvor noch stieg die Pilzwolke einer Atombombenexplosion in den leeren Himmel. Die Schau wurde 2015 anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Israel Museums in Jerusalem entwickelt. Sie ist inspiriert vom gleichnamigen Besteller des israelischen Historikers Yuval Noah Harari. Das ist ein ganz fantastisches Buch, denn Harari erzählt nicht nur unterhaltsam und kenntnisreich die Geschichte der Menschheit, er versucht auch die Frage zu beantworten, was den Homo sapiens so erfolgreich gemacht hat. Denn eine Erfolgsgeschichte war die Geschichte der Menschheit – jedenfalls bis hierher.

Homo sapiens war nicht der einzige glatthäutige Zweibeiner, der sich von den Schimpansen aus weiterentwickelt hat. Es gab verschiedene Menschenarten wie etwa den Neandertaler, aber durchsetzen konnte sich nur der Homo sapiens. Yuval Noah Harari erklärt das auf angenehm unterhaltsame Weise: „Viele Tier- und Menschenarten konnten ,Vorsicht Löwe!’ rufen. Aber dank der kognitiven Revolution konnte nur der Sapiens sagen: ,Der Löwe ist der Schutzgeist unseres Stammes’. Nur mit der menschlichen Sprache lassen sich Dinge erfinden und weitererzählen.“

Diese Erfindungen haben eine unglaubliche Macht. Das zeigt sich auch in den Religionen. „Nur der Mensch kann über etwas sprechen, das gar nicht existiert“, schreibt Harari, „und noch vor dem Frühstück sechs unmögliche Dinge glauben. Einen Affen würden Sie jedenfalls nie im Leben dazu bringen, Ihnen eine Banane abzugeben, indem Sie ihm einen Affenhimmel ausmalen und grenzenlose Bananenschätze nach dem Tod versprechen. Auf so einen Handel lassen sich nur Sapiens ein.“

Den Humor des Buches trifft die Ausstellung nicht – aber das muss sie auch nicht, sie ist schließlich nur vom Bestseller inspiriert worden und keine Illustration des Buches. Sie ermöglicht eine ganz eigene Zeitreise, und es gelingt ihr sehr gut, archäologische Exponate mit zeitgenössischer Kunst, Videos und erklärenden Schriften zu verbinden. Meist bewegt sich der Zuschauer im Dämmerlicht. Das hat nur wenig mit kostbaren Artefakten (die gibt es auch, aber nicht in Fülle: eine Gutenbergbibel ist zu sehen und eine Seite aus Albert Einsteins Spezieller Relativitätstheorie), aber viel mit der beliebten Dramaturgie der Fokussierung zu tun. Alle Schätze leuchten edel im goldenen Licht.

Die Schau ist als Rundweg konzipiert, ungefähr auf der Hälfte tritt man ins Pantheon: Götterdarstellungen aus allen möglichen Ländern und Zeiten sind hier in kleinen Kästen zu sehen, in der Mitte des Raumes steht eine weiße Männerfigur mit Dornenkrone. Der Mann trägt nicht die Züge einer Jesus-Figur, es ist ein jedermann von heute. Das Kunstwerk von Mark Wallinger inmitten der Götzenbilder aus vergangenen Zeiten illustriert den Siegeszug der monotheistischen Religionen – und es zeigt, wie gut sich die Kunst in dieser Ausstellung zu behaupten vermag. Manche archäologischen Objekte, die hier gezeigt werden – wie ein 6000 Jahre altes Zungenbein aus der Kebara-Höhle im Karmelgebirge oder eine Gesetzestafel aus der Mittleren Bronzezeit – haben eine unerhörte Aura und erzählen so viel zum Thema dieser Ausstellung, dass die Kunst leicht ins Abseits geraten könnte. Tut sie aber nicht.

Das liegt an der zurückhaltenden und klugen Auswahl. Manche Werke sind sacht verstörend: Von Adrian Paci etwa ist ein merkwürdiges Video zu sehen, das Männer mit Glühbirnen und Generatoren auf einer breiten Treppe zeigt (wir befinden uns im Themenbereich Industrialisierung) und Yitnka Shonibare präsentiert eine Kleinfamilie in Weltraumanzügen, die knallbunt afrikanisch gemustert sind. Da treffen sich Probleme und Möglichkeiten. Der Vater stupst das Kind an, damit es eigene Wege geht. Und es läuft – irgendwohin auf einem fremden Planeten.

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