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Kultur Ausstellung zeigt DDR-Kunst
Nachrichten Kultur Ausstellung zeigt DDR-Kunst
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07:40 24.10.2012
Eine Besucherin betrachtet das Gemälde „Freundlicher Besuch im Braunkohlerevier“ von Wolfgang Mattheuer in der Ausstellung „Abschied von Ikarus“. Quelle: dpa
Weimar

Ausgerechnet in Weimar? Wo doch hier vor 13 Jahren die aufgeheizte Debatte um die DDR-Künstler und ihre Werke in einem spektakulären Eklat kulminierte. Die damals gezeigte Ausstellung „Aufstieg und Fall der Moderne“, eine Gemeinschaftsschau staatsnaher und staatskritischer Künstler, erinnerte frappierend an die Herabwürdigung sogenannter entarteter Kunst: in wüsten Haufen zusammengehängte Bilder, die überdies zeitgleich mit einer Schau Nazi-Kunst im ehemaligen Gauforum Weimar präsentiert wurden - ein Genickschlag für die wunde, ostdeutsche Seele. Künstler reisten an, um ihre Werke eigenhändig abzunehmen.

Die neue Ausstellung „Abschied von Ikarus“ im Neuen Museum Weimar versucht einen Neustart. „Wir müssen wegkommen von der Einteilung in gute Kunst und böse Kunst. Die Welt besteht aus vielen Grautönen. Die Ausstellung ist ein Plädoyer für einen unbefangenen, unverletzten Blick“, sagt Wolfgang Holler, Generaldirektor Museen der Klassik Stiftung Weimar. Die Ikarus-Ausstellung - Ergebnis eines dreijährigen Projekts mit dem Bundesministerium für Forschung - soll diese Vielfalt in erster Linie kunsthistorisch aufarbeiten. Insgesamt 280 Gemälde, Grafiken, Fotografien und Skulpturen aus vier Jahrzehnten DDR zeigen den Wandel von der sozialistischen Utopie zum Utopieverdruss.

Exemplarisch wird dies in zwei Bildern: Zum einen „Blick auf Eisenhüttenstadt“ von Bernhard Kretzschmar - fröhliche, junge Menschen unter blauem Himmel in einer grünen Landschaft, eingerahmt von Neubauten rechts und Aufbruch symbolisierenden Kohlekraftwerken zur Linken. „Das Wunschbild einer industrialisierten, sozialistischen Gesellschaft“, erklärt Kurator Eckhardt Gille. Dagegen steht „Freundlicher Besuch im Braunkohlerevier“ vom Leipziger Wolfgang Mattheuer: eine verpestete Mondlandschaft mit merkwürdigen Figuren ohne Füße. „Metapher für eine Partei, die die Bodenhaftung verloren hat. Ein Bild enttäuschter Utopien“, sagt Gille. In dieses Spannungsfeld wurde die Ausstellung eingebettet. „Keine Figur verkörpert dies so gut wie Ikarus: erst Hoffnung und Aufbruch, dann Desillusionierung und Absturz“, so Wolfgang Holler. Künstler wie Willi Sitte, Bernhard Heisig, Mattheuer oder Hans-Hendrik Grimmling haben den Ikarus gemalt - als kosmischen Flugpionier oder abstürzend, verstümmelt.

Die Ausstellung spart auch die wilde Periode nach dem Zweiten Weltkrieg nicht aus, als in Weimar oder an der Kunstschule Burg Giebichenstein noch abstrakt gemalt wurde. Bis 1949 die Staatsdoktrin „Kunst für das Volk“ solche Werke als Formalismus stigmatisierte. Stattdessen zog der sozialistische Realismus ein: Helden der Arbeit, junge Schweißer, Männer mit optimistischen Gesichtern, Brigaden beim Baden.

Dass der Nachwende-Generation allein das Wort Brigade nur noch wenig sagt, müsse nicht nachteilig sein, meint der Dresdener Ko-Kurator Paul Kaiser. „Der Verlust an Kontext kann sogar hilfreich sein, weil die Werke ohne Kränkungen betrachtet werden können.“ Es habe in den ersten Jahren eine „westdeutsche Deutungshoheit über ostdeutsche Kunst“ gegeben, viele DDR-Künstler seien ignoriert und von Messen ausgeschlossen worden. Alles, was nach DDR roch, wurde in die Depots verbannt. „Wir haben im Vereinigungsprozess so viel abgeräumt, dass es notwendig ist, die DDR-Kunst wiederzuentdecken.“

Die Ausstellung läuft bis zum 3. Februar 2013 im Neuen Museum Weimar. Erfurt zeigt in diesem Kontext die Schau „Tischgespräch mit Luther - Christliche Bilder in einer atheistischen Welt“. In Gera zu sehen: „Schaffens(t)räume. Atelierbilder und Künstlermythen“.

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