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Wanderung durch Niedersachsen

Autor Gerhard Henschel Wanderung durch Niedersachsen

Von Bargfeld bis Nartum: 160 Kilometer ist Gerhard Henschel durch Niedersachsen gewandert. Aus den Reiseerlebnissen, den Natureindrücken und Begegnungen soll nun ein Wandertagebuch entstehen.

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Von Bargfeld bis Nartum: Gerhard Henschel ist durch Niedersachsen gewandert und schreibt ein Buch darüber.

Quelle: Fitschen

Hallo Herr Henschel, Sie sind mit dem Fotografen Gerhard Kromschröder auf den Spuren von Arno Schmidt und Walter Kempowski von Bargfeld nach Nartum gewandert. Gab es mittendrin einen Spurwechsel?
Wir waren immer auf den Spuren beider Schriftsteller unterwegs. Das Projekt geht auf eine Idee Walter Kempowskis zurück. Ich hatte in den Achtzigerjahren eine Fahrradtour geplant, die von Bargfeld ihren Ausgang nehmen sollte. Da hat Kempowski mir gesagt: „Eine Tour, die in Bargfeld beginnt, sollte in Nartum enden.“ Das habe ich jetzt wahr gemacht.

Ein Schriftsteller macht ja kaum etwas, ohne dass Gedrucktes dabei herauskommt. Es ist doch wohl ein Buch geplant. Oder?
Gerhard Kromschröder, von dem auch ein sehr schöner Bildband über das Emsland stammt, hat unterwegs fleißig fotografiert, und ich hatte ein Notizbuch dabei. Aus unserer Reise soll ein Wandertagebuch entstehen, und es wird auch eine Ausstellung dazu geben.

Kann dabei etwas anderes herauskommen als etwas Anekdotisches?
Mal schauen. Wir sind 160 Kilometer weit gewandert, bei allerschönstem Sonnenschein. Da habe ich natürlich viele Natureindrücke gesammelt. Wir haben unterwegs aber auch immer wieder Leute angesprochen. Einen freundlichen Milchbauern zum Beispiel, der uns seinen Melkroboter erklärt hat. Der erfasst die Euter der Kühe mit einem Laser und kann sogar erkennen, ob eine Kuh erkrankt ist. Dann schickt er dem Bauern die Diagnose aufs Handy. In dem Dorf Bothel bei Rotenburg haben wir einen alten Wirt kennengelernt, dessen Gasthaus einen bildschönen Tanzsaal hat. Der wurde 1961 im Beisein von Knut Kiesewetter eingeweiht und ist seitdem nur renoviert, aber nie modernisiert worden. Da meinte man, es müssten hier gleich Jünglinge mit Elvis-Tolle um die Ecke gebogen kommen.

Das klingt alles mehr nach Walter Kempowski als nach Arno Schmidt.
Das stimmt. Arno Schmidt hat mehr das Land kennenlernen wollen, aber nicht die Leute. Walter Kempowski war durchaus leutseliger als Arno Schmidt.

Wäre für Niedersachsen eine Fahrradtour nicht angemessener gewesen?
Das wäre nicht das richtige Tempo. Man sieht zu Fuß einfach mehr. Gerhard Kromschröder hat unterwegs jeden einzelnen Vermessungspunkt fotografiert, den er entdecken konnte. Auf einer Radtour wäre so etwas nicht möglich gewesen.

Bei der Lektüre Ihrer „Martin Schlosser“-Romane erfährt man, dass Sie als Jugendlicher viel per Anhalter unterwegs gewesen sind. Das war jetzt keine Option?
Nein. Aber wir haben es uns tatsächlich etwas bequem gemacht und unser Gepäck per Taxi von Hotel zu Hotel vorausgeschickt. So war es kein Gewaltmarsch durch Niedersachsen, sondern eher ein Spaziergang.

Kann es sein, dass sich die Wanderung gleich zweimal literarisch niederschlagen wird? Einmal als geplantes Buch über die Wanderung und dann noch einmal als Episode in einem zukünftigen „Martin Schlosser“-Roman?
Ja, selbstverständlich. Nur wird das noch eine ganze Weile dauern, da ich in meinem neuesten Roman erst im Jahr 1989 angekommen bin. Es muss also noch ein Vierteljahrhundert erzählt werden, bis Martin Schlosser diese Strecke abschreiten wird.

Aber wenn Sie dranbleiben, wird er das tun.
So Gott will: Auf jeden Fall.

Dann könnte es ja auch sein, dass unser Telefongespräch jetzt Teil eines zukünftigen „Martin Schlosser“-Romans wird.
Das ist anzunehmen.

Irgendwie ist das unheimlich.
Niemand muss sich davor fürchten. Es hat sich bisher auch noch keine meiner Romanfiguren beklagt.

Interview: Ronald Meyer-Arlt

Zur Person

Gerhard Henschel ist am Montag im Haus Kreienhoop, dem früheren Wohnhaus von Walter Kempowski in Nartum bei Bremen, angekommen. Zusammen mit dem Fotografen Gerhard Kromschröder ist er von Bargfeld nach Nartum gewandert. Henschel wurde 2013 mit dem Nicolas-Born-Preis des Landes Niedersachsen ausgezeichnet. Seit 2002 schreibt er an der Lebensgeschichte des Martin Schlosser. Von der (Auto-)Biografie sind bisher fünf Bände erschienen: „Kindheitsroman“, „Jugendroman“, „Liebesroman“, „Ab enteuerroman“ und „Bildungsroman“.

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