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Balance aus Glamour und Tiefe beim Filmfest Locarno

Imagewandel Balance aus Glamour und Tiefe beim Filmfest Locarno

Prominente Gäste, Glamour, aber auch Filme mit Tiefgang - der Imagewandel des Filmfestivals Locarno scheint zu gelingen. Das 64. Spektakel am Lago Maggiore überzeugt bislang mit einer klugen Mischung.

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Die Bilanz nach der Hälfte des 64. Internationalen Filmfestivals Locarno fällt gut aus.

Quelle: dpa

Locarno. Die Bilanz der ersten Halbzeit des 64. Internationalen Filmfestivals Locarno fällt ausgesprochen gut aus: Trotz des Regenwetters strömen die Zuschauer zu den abendlichen Freiluftaufführungen für rund achttausend Menschen auf die Piazza Grande des malerischen Ortes. Auch die Vorführungen des Internationalen Wettbewerbs und der Retrospektive mit Filmen des Regisseurs Vincente Minnelli (1903 - 1986), dem Vater von Liza Minnelli, werden in den Festivalkinos vom Publikum regelrecht gestürmt.

Olivier Père, im zweiten Jahr künstlerischer Direktor des Festivals im Touristenzentrums auf der Schweizer Seite des Lago Maggiore, lockt mit einer klugen Balance von Glamour und Tiefe. Anders als seine Vorgänger, sorgt er für einen Aufmarsch zahlreicher Prominenter. Besonders bejubelt wurde die jetzt 80-jährige Leslie Caron. Sie kam zu Ehren der Retrospektive mit Filmen des Hollywood-Altmeisters Vincente Minnelli. Er hatte ihr vor sechzig Jahren in dem Musical „Ein Amerikaner in Paris“ an der Seite von Gene Kelly zu Weltruhm verholfen.

Viel beklatscht wurden die Auftritte der Schauspielstars Harrison Ford, Daniel Craig und Olivia Wilde anlässlich der Europapremiere des Science-Fiction-Westerns „Cowboys & Aliens“. Auch eine Videobotschaft der 94-jährigen Hollywood-Legende Kirk Douglas zur Eröffnung des Festivals begeisterte die Menschen. Und vielen unvergesslich ist sicherlich der US-amerikanische Regisseur Abel Ferrara, der anlässlich seines 60. Geburtstags mit einem Ehrenleopard ausgezeichnet wurde und sich dafür nächtens auf der Piazza Grande als Sänger und Gitarrist mit einem kurzen Rockkonzert bedankte.

Im internationalen Wettbewerb waren bereits mehrere Kandidaten für den Hauptpreis des Festivals, den Goldenen Leoparden, zu sehen. Besonders hoch gehandelt wird bisher der israelische Beitrag „Hashoter“ („Polizisten“). In seinem Spielfilmdebüt erzählt Regisseur Nadav Lapid auf beeindruckende Weise davon, wie überholte Urteile gegenüber allem Fremden und Neuen einen tiefen Graben durch die israelische Gesellschaft reißen und zu sinnloser Gewalt führen.

Auch ein von deutschen Produzenten mitfinanzierter Wettbewerbsbeitrag hat einen starken Eindruck hinterlassen und wird vielfach als Favorit genannt: „Un amour de jeunesse“ („Eine Jugendliebe“), eine deutsch-französische Koproduktion von Regisseurin Mia Hansen-Løve. In der sensibel erzählten Geschichte um eine tragische Jugendliebe mit überraschenden Folgen begeistert besonders der Berliner Sebastian Urzendowsky in einer der Hauptrollen. Er gilt vielen als Kandidat für eine Ehrung als bester Schauspieler.

Von den bisher außerhalb des Wettbewerbsprogramms gezeigten Filmen, die mit deutschem Produzentengeld realisiert wurden, erhielt in den ersten Festivaltagen „Hell“ den stärksten Zuspruch. Das mit Akteuren wie Hannah Herzsprung, Angela Winkler und Stipe Erceg prominent besetzte Endzeit-Drama fesselt als apokalyptischer Alptraum. Der in München ausgebildete Basler Regisseur Tim Fehlbaum hat mit dieser Deutsch-Schweizer Koproduktion in Locarno die Zuschauer und die internationale Kritik beeindruckt. Gut möglich, dass der Film den Publikumspreis gewinnt.

Die von dem portugiesischen Produzenten Paulo Branco geleitete Jury, in der auch die deutsche Schauspielerin Sandra Hüller mitarbeitet, wird ihre Entscheidungen am Samstagabend während der Abschlussgala des Festivals auf der Piazza Grande bekannt geben. Bisher stehen die Chancen gut, dass in diesem Jahr einer der wichtigen Preise von Locarno nach Deutschland geht.

dpa

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