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Kultur Beyoncé in der Staatsoper
Nachrichten Kultur Beyoncé in der Staatsoper
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17:03 30.06.2016
Von Daniel Alexander Schacht
Kuba ganz nah – und ein Hauch von Friedrichsstadtpalast: „Ballet Revolución“ im Opernhaus Quelle: Eberstein
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Hannover

Chan Chan“ bildet nicht nur den Auftakt von „Buena Vista Social Club“, mit dem Song startet auch das kubanische „Ballet Revolución“. Und das zunächst auf merkwürdig entrückte Weise: Das Paar, das dazu langsam tanzt, ist nur hinter Gazegewebe zu erkennen, die Musik von Compay Segundo kommt nur leise aus der Tonkonserve – bis der Gazevorhang die Bühne und ein zweites Netzgewebe den Blick auf die Band dahinter freigibt. Die nimmt den Buena-Vista-Welterfolg auf, live und laut und so rasant, wie sich die Bühne davor mit bevölkert, und die Show beginnt.

Kuba ganz nah – und ein Hauch von Friedrichsstadtpalast: „Ballet Revolución“ im Opernhaus.

Die Botschaft ist klar: Hier kommt Kuba ganz jung und frisch und nah, mit Pas de Deux und Pirouetten, mit Spitzentanz und Arabeske. Und mit viel mehr als klassischem Ballett – mit Street Dance, Hip Hop, Breakdance. Was für eine Mischung! Und vor allem: Was für eine Rasanz! Nach dem kubanischen Start ist man schnell bei internationalem Pop, in der Stunde bis zur Pause wird zu zwölf, in der Stunde danach sogar zu 15 Kompositionen getanzt. Und das mit wechselnden Requisiten und Kostümen, was äußerste Disziplin und perfektes Timing voraussetzt.

Kein Wunder, dass fliegender Wechsel zum bleibenden Eindruck wird. Immer wieder wirbeln Tänzer aus den seitlichen Kulissen, zeigen einen Spagatsprung, Pirouetten – und sind mal mit einem Salto, mal mit einer Rolle rückwärts schon wieder am anderen Bühnenrand verschwunden. Diese Choreografie (Roclan Gonzalez Chavez und Aaron Cash) suggeriert mehr Masse, als die 15 Tänzerinnen und Tänzer aufzubieten haben. Dabei haben sie – alle Absolventen der renommierten Escuela Nacional de Arte in Havanna – durchweg auch Klasse. Wie da ein Tänzer seine Partnerin zu Stings „Roxanne“ über Hüfte und Schulter auf den Kopf und wieder herunter gleiten lässt, wie Julio Enrique Blanes Miranda am Ende einen Solo zu Ricky Martins „She Bangs“ hinlegt oder Alayn Garcia Mendez fünf Flick-Flacks hintereinander absolviert – das ruft immer wieder Zwischenapplaus, Pfiffe und Jubel im vollbesetzten Opernhaus hervor.

"Single Ladies" im roten Kleidchen

Allerdings müssen zwei Tänzer auch zu einer Passage aus dem „Concierto de Aranjuez“ demonstrieren, wieviele Stellungen ein Paar auf einem Stuhl einnehmen kann, was von teils gymnastischem, teils durchaus akrobatischem, aber völlig frei von erotischem Reiz ist, auch wenn am Ende die Frau im Stellungskrieg obsiegt. Zu Beyoncés „Single Ladies“ müssen Tänzerinnen im roten Kleidchen defilieren, zu Beyoncés „Halo“ muss die Truppe Schirmchen schultern und drehen, auf- und zuklappen. Und zwischen Glitter, Fächern und Tütü viel nackte Haut zeigen.

Dass dieser Abend trotz solcher Zutaten nur einen Hauch von Friedrichsstadtpalast hat, liegt an dem klar lateinamerikanischen Schwerpunkt nach der Pause. Wie da auf der Grundlage von Tango-Argentino oder Salsa-Schritten Figuren entwickelt, Tanzpartner gewirbelt oder in die Luft geworfen werden – das wird man in Tanzschulen hierzulande vergebens suchen. Und aus der siebenköpfigen Band sticht außer dem Conga-Spieler Luis Palacios Galvez vor allem die Sängerin Janine Johnson hervor. Beide ernteten Szenenapplaus, Galvez für ein Conga-Solo und Johnson für ihre mitreißende Soulstimme – die übrigens auch ohne Halleffekte kraftvoll genug gewesen wäre.
„Wunderbar“, „atemberaubend“, „unglaublich“ sind Urteile, die nach der Premiere noch auf der Treppe des Opernhauses zu hören sind. Ein starker Start für die Sommerbespielung der Oper.

„Ballet Revolución“: Wieder am Freitag um 18.30 Uhr, am 2. und 3. Juli jeweils um 13 und 18 Uhr sowie vom 5. bis 10. Juli jeweils um 20 Uhr im Opernhaus. Karten unter Telefon (0 511) 12 12 33 33. Die Oper startet nach der Sommerpause wieder am 18. August mit dem Musikfestival „Leibniz Under Ground“.     

Die Ruhe war trügerisch: Auch die diesjährigen Bayreuther-Wagner-Festspiele haben ihren Skandal: Überraschend hat der Andris Nelsons seinen Vertrag als Dirigent der "Parsifal"-Premiere, die die Festspiele am 25. Juli eröffnen, abgesagt. Betroffen davon ist auch die hannoversche Sängerin Mareike Morr.

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