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Ballett aus Kuba begeistert Opern-Gäste

Gastspiel Ballett aus Kuba begeistert Opern-Gäste

Zwischen Spitzentanz und Hip-Hop: Das Ballet Revolución aus Kuba gastiert im hannoverschen Opernhaus und präsentiert ihr neues Programm, das voller Musik aus dem Land des ehemaligen Erzfeindes USA steckt.

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Mehr als Mambo: Das Ballet Revolución aus Kuba. 

Quelle: Böhme

Hannover. Ganz ohne den Buena Vista Social Club geht es auch hier nicht. Doch bei der neuen kubanischen Show „Ballet Revolución“ werden nur ein paar Takte aus Compay Segundos Klassiker „Chan Chan“, dem wohl bekanntesten Stück aus dem Buena-Vista-Album und -Film, angespielt. Noch bevor der Zuschauer in eine etwas sentimentale Kuba-Seligkeit abgleiten kann, ertönt ein ganz anderer Sound. Die Tanztruppe Ballet Revolución aus Havanna, die seit einigen Jahren erfolgreich durch die Welt tourt und von Ende Juni an das hannoversche Opernhaus bespielt, präsentiert ihr neues Programm – und das steckt voller Musik aus dem Land des ehemaligen Erzfeindes USA.

Wer das Gastspiel der Truppe in Hamburg erlebt hat, weiß jetzt: Diese Tänzer und Musiker können selbst in Sälen, in denen es mit guter Konzert- oder Show-Atmosphäre oft nicht klappt, Stimmung machen. Seit 2011 existiert diese Tanzproduktion, die das Erfolgreiche aus zwei Welten vereint. Da sind auf der einen Seite die gut ausgebildeten Tänzer und Musiker aus dem sozialistischen Kuba. Und da sind auf der anderen Seite Produzenten und Choreografen aus Australien und Großbritannien, die wissen, wie man eine Show für ein westliches Publikum aufbereitet.

Das neue Programm der Truppe beginnt, nach den „Chan Chan“-Takten, mit einem kurzen Mambo-Medley. Schon da ist zu erkennen, was diese Show ausmacht: ein Mix aus klassischem Ballett, zeitgenössischem Tanz und viel Hip-Hop. Diese Mischung funktioniert bei allen Songs, die die druckvolle Liveband spielt. Bassist und Band-Chef Osmar Salazar Hernandez hat ein paar richtig gute kubanische Musiker und Gastsänger aus London und den USA zusammengebracht.

Bald spielen die nicht mehr Mambo, sondern weltweit erfolgreiche Hits. Da hört man Lordes „Royals“ und Hoziers „Take Me to Church“, da gibt es ein paar Evergreens wie „Roxanne“ und „Purple Rain“ – und ganz viel eingängigen R’-n’-B-Mainstream von Beyoncé und Rihanna. Nun ist das, was diese beide amerikanischen Superstars singen und performen, nicht gerade revolutionär. Doch die Truppe aus Havanna (Choreografie: Roclan Gonzales Chavez und Aaron Cash) macht es geschickt: Sie tanzt zu Stücken, die nahezu jeder kennt, und überrascht doch immer wieder – hier mit Pirouetten und klassischen Posen, dort mit Freesytle-Einlagen, dann wieder mit gewagten Sprüngen.

Der Abend hat keine fortlaufende Handlung, sondern reiht Hit an Hit. Jeweils für die Dauer eines Stücks erzählen die 17 Tänzer eine Geschichte. Die geht meist so: Zwei lernen sich kennen, verlieben sich, irgendwann haut einer von beiden ab. Eine Million Mal gehört, gelesen, gesehen. In der Version des Ballet Revolución ist das jedoch selten tieftraurig, sondern ziemlich gut gelaunt und temperamentvoll. Die Melancholie über ungelebte oder vergangene Lieben hält sich angesichts der herumwirbelnden Tänzer, die meist ein Lächeln aufsetzen, eher in Grenzen.

Manches an der Show könnte man straffen oder variieren. Und die Kostüme, die der, nun ja, Catwalk-Trainer und „Let’s Dance“-Juror Jorge Gonzales entworfen hat, sind nicht immer hundertprozentig geschmackssicher. Doch Ballet Revolución bietet überaus gute Unterhaltung für all jene, denen klassisches Ballett zu ernst, Tanztheater zu bedeutungsschwer und Hip-Hop zu jugendlich ist. Dass der Abend mit dem Song „She Bangs“ von Latino-Star Ricky Martin endet, sollte man weniger als Hommage an die lateinamerikanische Heimat der Showtruppe verstehen. Eher als Beleg dafür, dass Ballet Revolución sich aus dem Angebot des globalisierten Musikgeschäfts das herauspickt, was möglichst großen Wiedererkennungswert sowie Fuß- und Hüpfwackelfaktor hat. Der guten Stimmung der Show muss das keinen Abbruch tun.

  • Ballet Revolución gastiert in der Oper Hannover: vom 28. Juni bis 10, Juli. Infos und Karten unter Telefon (05 11) 99 99 11 11 und im HAZ-Ticketshop.
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