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Kultur Hermann Hesses "Demian" auf der Ballhofbühne
Nachrichten Kultur Hermann Hesses "Demian" auf der Ballhofbühne
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00:16 11.05.2016
Von Ronald Meyer-Arlt
Mathias Spaan als Emil Sinclair in "Demian" von Herrmann Hesse im Ballhof Eins. Quelle: Katrin Ribbe
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Hannover

Früher waren es die Revolutionäre, heute ist es die Werbung. „Lebe Deinen Traum“ lautet der Ruf, der uns eindringlich zur Innensicht auffordert. Denn bevor wir damit anfangen, unseren Traum zu leben, müssen wir uns erstmal fragen: Welchen Traum denn? Was soll das für ein Traum sein? Und warum reicht es nicht, ihn einfach nur zu träumen? Warum muss er denn gelebt werden? Und überhaupt: Was wollen wir eigentlich? Was ist unser Platz auf der Welt?

Ältere Menschen stellen sich diese Fragen meist nicht mit allzu großer Dringlichkeit, für jüngere aber sind sie essentiell. Deshalb ist Hermann Hesses Roman „Demian“ ein immer noch gern gelesener Jugendroman. Und deshalb passt er auch besonders gut auf die Bühne des Jugendtheaters. Jetzt hatte Hermann Hesses Geschichte vom Ende einer Kindheit im Ballhof, der Spielstätte des Jungen Theater in Hannover, Premiere.

Regisseurin Barbara Bürk hat zusammen mit Bühnenbildnerin Anke Grot eine Bühne auf die Bühne gestellt. Wir sehen ein Bühnenportal, allerdings von hinten: das Inspizientenpult, der Vorhang, die Scheinwerfer, an der Seite der Platz für den musikalischen Begleiter. Diese verkehrte Bühnenwelt ist ein wunderbarer Rahmen für das Innensichtstheater, das große Kopfkino des Erzählers Emil Sinclair. Der Junge ist der Erzähler von Hesses Roman. Hier schaut er sich selbst beim Erwachsenwerden zu. Manchmal sehen wir ihn hinten im Zuschauerraum sitzen, sein eigenes Leben betrachtend. Ein tolles Bild!

Dieser Emil Sinclair ist hochfahrend, tiefverzweifelt und zitternd vor Furcht, durch eine dumme, kleine Lüge all das zu verlieren, was ihm wichtig war: die Sicherheit der Familie, seine Zukunft. Mathias Spaan zeichnet den Helden des Roman mit vibrierender Kindlichkeit, gelegentlichen Anflügen von Albernheit und sanftem Aufbegehren. Max Demian, sein Freund und Mitschüler, beeindruckt ihn durch Reife und Souveränität. Philippe Goos ist die Idealbesetzung für diesen Demian, er hat all das, was diese Rolle braucht: Er ist gleichzeitig geheimnisvoll und jovial, gleichzeitig aufrichtig und gefährlich, gleichzeitig väterlich und kumpelhaft.

Die Vaterfiguren des Romans (der hier in einer Bearbeitung der Regisseurin Daniela Löffner gegeben wird) spielt Wolf List. Steif und gesetzt ist er als Emils Vater, ausgelassen und trunken vor Weisheitsliebe als spiritueller Lehrer Pistorius. Beatrice Frey ist für die Mütterfiguren da, Carolin Eichhorst für die Schwester, die Freundin und Klassenkameraden.

Ihnen gelingt es (mit Hilfe von Sven Kaiser, der das Geschehen live musikalisch begleitet), einen Roman, der durchaus schon etwas aus der Zeit gefallen ist, ganz federleicht auf die Bühne zu bringen. Selbst der saure Hesse-Kitsch („Der Vogel kämpft sich aus dem Ei. Das Ei ist die Welt. Wer geboren werden will, muss eine Welt zerstören. Der Vogel fliegt zu Gott. Der Gott heißt Abraxas.“) klingt hier nicht nach saurem Hesse-Kitsch, sondern nach, dem, was es vielleicht eigentlich ist: Theater.

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