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Nachrichten Kultur Kennen Sie den „Vonitiv“?
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12:35 11.03.2018
Bastian Sick Quelle: Britta Pedersen
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Hannover

  Bastian Sick ist der letzte Mohikaner des Genitivs. Zumindest gibt er sich gerne als einsamer Aufklärer in Sachen deutscher Rechtschreibung und Grammatik. Der Genitiv ist dabei zu Sicks Markenzeichen geworden. Inzwischen umfasst seine Reihe mit dem Titel „Der Genitiv ist dem Dativ sein Tod“ sechs Bände voller sprachlicher Zweifelsfälle. Also beginnt Sick seine fast ausverkaufte Lesung im Pavillon standesgemäß mit Beispielen dessen, was er ironisch den „Vonitiv“ nennt: Sätze wie „Kritiker von Putin erschossen“, die in einer Aufweichung des Genitivs zu einer Verwirrung der Bezüge führen.

Eigentlich stellt der Sprachprofi aber den sechsten Band seiner Reihe „Happy Aua“ mit Bildern von „Sprachunfällen“ vor. Das aktuelle trägt den Titel: „Schlagen Sie dem Teufel ein Schnäppchen“. Sick stellt in süffisantem Tonfall Fundstücke vor. Schilder von Blumenständen sind darunter, auf denen zum Beispiel „Vergießmannicht“ steht. „Da bekommt man gleich einen praktischen Tip zur Bewässerung dazu“, kommentiert Sick. Er bringt sein Publikum dazu, über das sprachliche Versagen anderer zu lachen – ein Beigeschmack der Respektlosigkeit bleibt trotz aller Komik.

Sick sensibilisiert unterhaltsam für die Herkunft von Begriffen und Redewendungen. Er kämpft für den aussterbenden Konjunktiv und gegen Anglizismen wie falsche Apostrophe und Getrenntschreibung zusammengesetzter Substantive. Bei seinen polemischen Einwürfen gegen den Einfluss politischer Korrektheit auf Sprache zeichnen sich allerdings die Grenzen seines wohlmeinenden Konservativismus ab. Ein unverändertes Werk Karl Mays scheint ihm wichtiger als eine historisch stimmige Korrektur der Namen von Indianerstämmen, auch wenn er die kolonialistische Genese falscher Bezeichnungen schlüssig herleiten kann.

Dass Sick sein Programm mit Gedichten und Gesangseinlagen auflockert, irritiert ein wenig. Dass er seine Frage, ob Gedichte uncool geworden seien, ausgerechnet mit einem Lied über Goethe zu beantworten versucht, scheint gleichsam verwegen: Als lebenslustigem Universalforscher war dem wohl vielmehr an einer Entwicklung aus Traditionen und Regeln heraus gelegen.

Von Thomas Kaestle

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