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"Man sollte schon Perfektion anstreben"

Interview mit Sascha Grammel "Man sollte schon Perfektion anstreben"

Sascha Grammel hatte seine ersten großen Erfolge als Bauchredner beim Kleinen Fest im Großen Garten in Hannover. Mittlerweile füllt er mit seinen Soloshows große Hallen. Vom 1. bis zum 4. Mai ist er mit seinem Programm „Ich find’s lustig“ im Theater im Aegi zu Gast. Alle Shows sind ausverkauft.

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Josie die Schildkröte spielt in jedem Programm immer eine Hauptrolle: Bauchredner Sascha Grammel.

Quelle: Blüher

Hallo Herr Grammel. Anfang Mai treten Sie viermal im Theater am Aegi auf. Alle Vorstellungen sind seit Langem ausverkauft. Wie schaffen Sie das? Haben Sie etwa einen Hannover-Bonus?

Hannover ist die Stadt, in der alles losging, und ich bin immer sehr gerne dort. Beim Kleinen Fest im Großen Garten habe ich damals Zettel für meinen Auftritt bei Desimo im Apollo-Kino verteilt. Tatsächlich kamen so viele Zuschauer, dass da so einiges ins Rollen kam.

Jetzt kommen Sie mit einem relativ neuen Programm in die Stadt.

Was heißt relativ? Das ist ganz neu.

Na ja, ein paar Mal haben Sie das doch schon gespielt.

Aber nicht so oft, dass ich die Texte schon könnte. Mal im Ernst, so ein Programm braucht eine gewisse Zeit, bis es sich eingespielt hat, und ich bin da immer sehr selbstkritisch. Besonders mit anderen. Zum Beispiel mit Frederic, Josie, Prof. Hacke ...

Das Programm heißt „Ich find’s lustig“. Das klingt eigentlich gar nicht nach Selbstzweifel.

Das wäre ja auch schlimm, wenn ich es nicht lustig finden würde. Das wäre ja so, als ob ein Fisch wasserscheu wäre oder ein Biene keinen Honig mag oder ein Krokodil keine Touristen. Kurz: Ich habe immer jede Menge Spaß am Abend, und glücklicherweise treffe ich anscheinend auch den Humor von vielen anderen Menschen.

Die Kunst des Bauchredens ist ja immer recht fokussiert. Im Zentrum stehen zwei Figuren, die miteinander sprechen. Ist es nicht immer ein Problem, mit großen Bühnen zurechtzukommen?

Haben Sie mich gerade „Figur“ genannt? Na ja, solange es eine „gute Figur“ ist, nehm’ ich das als Kompliment. Ja, Bauchreden ist eigentlich Kleinkunst. Und es ist jeden Abend eine reizvolle Herausforderung, diese alte Kunst zeitgemäß auf die große Bühne zu bringen. Und es ist immer wieder schön, wenn man sieht, dass es funktioniert.

In Ihrem letzten Programm hatten Sie viele bunte Häuser auf der Bühne, in denen die Figuren wohnen. Wird das wieder so aussehen?

Ja, denn es macht mir Spaß, die Leute in eine andere Welt zu entführen. Mein Bühnenzuhause ist weiterhin so eine Mischung aus, sagen wir, Schlumpfhausen und Spandauer Disneyland.

Bauchreden kann man lernen. Und irgendwann beherrscht man es wohl. Oder müssen Sie noch üben?

Übung wird überbewertet. Hilft aber gerade zu Beginn ungemein, besonders wenn man was noch nicht so richtig kann. Leider wird man beim Bauchreden mit der Zeit eher schlechter als besser. Das ist wirklich fatal. Man muss sich immer wieder selbst kontrollieren, da man von den Zuschauern ja nur ein Feedback über den Witz bekommt und nicht über die Bauchrednertechnik.

Üben Sie etwa gerade und sprechen jetzt am Telefon mit geschlossenen Lippen?

Natürlich, die ganze Zeit schon.

Okay, dann fange ich jetzt auch damit an.

Na super. Dann können wir ja bald zusammen auftreten.

Ein berühmtes Buch über die Kunst des Bauchredens trägt den Titel „I Can See Your Lips Moving“. Man kann ja durchaus der Meinung sein, dass es nicht weiter schlimm ist, wenn das Publikum Lippenbewegungen erkennt, solange nur die Geschichten und die Charaktere gut sind.

Da bin ich anderer Meinung. Gute Technik ist die Grundvoraussetzung, damit die Illusion stattfinden kann. Es wäre doch schlecht, wenn ein Zauberer zum Beispiel einen Ball schweben lässt und man einen Faden am Ball erkennt. So etwas geht nicht lange gut. Man sollte schon Perfektion anstreben.

Sie bringen ja einen ganzen Zoo von Figuren auf die Bühne, und man hat den Eindruck, es werden immer mehr. Müssen Sie nicht auch mal jemanden sterben lassen?

Oh Gott. Nein. Natürlich nicht. Allerdings kann sich durchaus die Gewichtung verlagern. Josie zum Beispiel ...

... die Schildkröte ...

... genau. Wird natürlich in jedem Programm immer eine Hauptrolle spielen. Die Zuschauer haben sie ins Herz geschlossen. Und ich auch. Und alle anderen Puppen auch.

Jetzt verraten Sie aber bloß nicht zu viel.

Schade, ich wollte gerade zu viel verraten.

Bleiben Sie bei Ihrem Gastspiel eigentlich die vier Tage über in Hannover?

Aber sicher. Ich genieße es, in Hannover zu sein und freue mich darauf, viele Menschen zu treffen, die ich über die Jahre hier kennengelernt habe. Ich werde bestimmt mal um den Maschsee joggen, und man wird mich in irgendwelchen Cafés treffen können.

Und was ist mit dem nächsten Kleinen Fest? Werden Sie wieder dabei sein?

Ich kann natürlich nicht jedes Jahr auf der Bühne dabei sein, aber ich werde sicher vorbeikommen und mir die tollen Kollegen anschauen. Und vielleicht auch wieder heimlich am Ausgang kleine Zettel verteilen – es muss ja weitergehen.

Interview: Ronald Meyer-Arlt

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