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So war der Beethoven-Abend im Kuppelsaal

Kuppelsaal So war der Beethoven-Abend im Kuppelsaal

Der Abend mit Klaus Maria Brandauer zum Auftakt der Pro-Musica-Konzertreihe im gut gefüllten Kuppelsaal hatte mehr zu bieten als sinfonische Routine auf hohen Niveau: Zu hören war eine mit Spannung aufgeladene Sinfonie und dann ein musikalisches Drama.

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Quelle: Droese

Hannover. Bekannte Namen, gemischte Gefühle? Nicht ganz, nicht nur. Der Auftakt der Pro-Musica-Konzertreihe der Internationalen Orchester im gut gefüllten Kuppelsaal versprach zwar ein reines Beethoven-Programm, bot aber weit mehr als sinfonische Routine auf zu erwartendem hohen Niveau: erst eine mit Spannung aufgeladene Sinfonie, dann ein musikalisches Drama.

Das NDR Elbphilharmoniker begannen mit Beethovens Vierter, die immer noch ein wenig im Schatten der Schwestersinfonien steht (wenn auch nicht ganz so weit wie die noch unterschätztere Zweite). Chefdirigent Thomas Hengelbrock ließ die Adagio-Einleitung fast fragmentieren, betonte Pausen und machte so gehörig neugierig auf das furios folgende Allegro vivace. Das war zwar nicht einmal langsamer, als es einst Günter Wand mit diesem Orchester vorgeführt hatte, kam einer Dekonstruktion der Struktur aber doch nahe.

Zielstrebigkeit war danach die Devise bis hin zum Finale, dessen Räderwerk die Hamburger gehörig am Laufen hielten. Dass die Tutti-Schläge des Orchesters präziser kommen als die Sechzehntel der Streicher, musste man dabei in Kauf nehmen. Ebenso wie die Tatsache, dass bei so viel angestrengter Vitalisierung der Charme des langsam bewegten Adagios zu kurz kam. Aber die Neugier auf frische Klangeindrücke war geweckt und wurde mit Beethovens „Egmont“-Musik nach der Pause auch befriedigt.

Kleines Drama mit Musik

Hengelbrock bot nicht einfach Beethovens originale Schauspielmusik, sondern hatte zusammen mit seinem Starschauspieler Klaus Maria Brandauer eine eigene Textfassung erarbeitet, die das Drama in Kurzform nacherzählt. Man darf schließlich nicht voraussetzen, dass die Zuhörer noch wissen, worum es in diesem Tod-und-Verklärungs-Stück geht, auch wenn beim Durchschnittsalter des Pro-Musica-Publikums viele einst in der Schule mit Goethe konfrontiert worden sein könnten.

Darf im Original der Sprecher (bei Karajan war das vor langer Zeit Erich Schellow) nur das Melodram rezitieren, so bietet Brandauer ein kleines großes Drama mit Musik. Er stützt sich hauptsächlich auf Franz Grillparzers hilfreiche Bearbeitung des Deklamationstextes von Friedrich Mosengeil, ergänzt sie aber durch Schlachtgetümmel und Bedenklichkeit.

Da tobt zu Beginn der Burgschauspieler, aber der fesselt auch, wenn er nachdenklich wird. Das ist hochmusikalisch verschränkt mit den Zwischenaktmusiken, die Beethoven dem Schauspiel zugedacht hatte. Hengelbrock und sein Orchester zeigen sich da flexibel, immerhin durften sie ja in der auch ohne Kontext populären „Egmont“-Ouvertüre und in der kurzen, aber triumphalen und hier etwas gehetzten Siegessinfonie kraftvoll aufspielen.

Hellwach beim „süßen Schlaf“

Für das Clärchen hatten die Hamburger Katharina Konradi mitgebracht - und die junge Sopranistin erwies sich als Gücksfall. Sie fand für ihr schwärmerisch-kämpferisches Lied „Die Trommel gerühret“ ebenso den rechten Ton wie für ihre Liebesverklärung „Freudvoll und leidvoll“.

Mochte Brandauer auch leise eindringlich den „süßen Schlaf“ beschwören, im Saal waren alle hellwach. Großer Beifall. Keine Zugabe. Was denn auch - nach diesem dramatischen Schluss?

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