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Das fliegende Massenzimmer

Lumix-Festival 2014 Das fliegende Massenzimmer

Leistungsschau des Bildjournalismus: Die Wettbewerbsbeiträge für das Lumix-Festival 2014 stehen fest. In diesem Jahr gibt es wieder eine Rekordbeteiligung: Rund 1200 Bildjournalisten aus der ganzen Welt haben sich beworben.

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Schlafen in Reih’ und Glied: US-Soldaten im Afghanistan-Einsatz, fotografiert von Ryan Spencer Reed.

Quelle: Reed

Hannover. Kopf zur Seite, Kopf nach vorn, Arme im Schoß, Arme verschränkt, Stöpsel im Ohr, Sonnenbrille auf der Nase – wie soll man schlafen, wenn der Schlafsaal ein voll besetztes, enges Flugzeug ist und dicke Kampfanzüge den Raum noch enger machen? Die verschiedenen Versuche, in geordneter Formation doch ein bisschen Ruhe zu finden, dokumentiert die Aufnahme des amerikanischen Fotografen Ryan Spencer Reed, der diese moderne „Band of Brothers“ bei der Vorbereitung und dem Einsatz in Afghanistan begleitet hat.

Reeds Reportage über die Diskrepanz zwischen der Erwartung von Krieg und der Realität ist eine von 60 Arbeiten aus 23 Ländern, die es in den Wettbewerb um den Freelens Award beim diesjährigen Lumix-Festival geschafft haben. Das Festival für jungen Fotojournalismus findet vom 18. Juni an zum vierten Mal nach 2008, 2010 und 2012 statt. Es ist das größte dieser Art in Deutschland, und auch diesmal gibt es wieder eine Rekordbeteiligung: Rund 1200 Bildjournalisten aus der ganzen Welt hatten sich mit ihren Arbeiten beworben. Rolf Nobel, Fotoprofessor an der Hochschule Hannover und Vorsitzender der Auswahljury, ist von der Qualität der Einsendungen überrascht. „Von der Qualität der Ausstellungen betrachtet, glaube ich, dass wir in diesem Jahr bis jetzt das beste und thematisch breiteste Lumix-Festival erleben werden.“ Angesichts der schweren Auswahl könne von einer gelegentlich herbeigeredeten Krise des Fotojournalismus jedenfalls nicht die Rede sein.

Das Lumix-Festival ist eine wichtige Leistungs- und Nabelschau der Branche geworden. Dabei ist das thematische Angebot in Hannover deutlich breiter als das beim zweiten großen europäischen Wettbewerb im französischen Perpignan, wo es vornehmlich um Kriegs- und Krisenberichterstattung geht. Im Design Center und den umliegenden Pavillons werden auch diesmal wieder Geschichten aus dem Privaten erzählt wie die von Adrian Wykrota, der eine moderne polnische Hochzeit begleitet hat. Insa Hagemann hat eine Balletttänzerin vor und nach ihrem Karriereende begleitet. Hagemann, die auch für die HAZ arbeitet, gehört zu der gewohnt starken Hannover-Fraktion im Wettbewerb. Der Studiengang für Fotojournalismus und Dokumentarfotografie ist inzwischen zu einer weltweit begehrten Talentschmiede geworden.

Natürlich waren die Bewerbungen von einem aktuellen Krisenherd geprägt: Wie im Jahr 2010 das Erdbeben von Haiti und 2012 der Arabische Frühling sind es diesmal die Auseinandersetzungen auf dem Maidan in Kiew. Der Italiener Sandro Maddalena hat es in die Auswahl geschafft, er dokumentiert das Chaos in der ukrainischen Hauptstadt mit harten, eindrucksvollen Bildern. Russland ist auch Schauplatz weiterer Arbeiten, über Homophobie oder ein paramilitärisches Kindercamp: Philip Jeskes Geschichte wurde in Hannover bereits 2013 mit dem VGH-Fotopreis ausgezeichnet.

Organisatorisch hat sich das Lumix-Festival in diesem Jahr neu aufgestellt. Nach hochschulinternen finanziellen Querelen, die im Vorfeld der Schau 2012 für Misstöne sorgten, hat der neue Verein zur Förderung der Fotografie in Hannover die Ausrichtung übernommen – in Zusammenarbeit mit der Hochschule. Der türkische Pavillon auf dem Expo-Gelände ist so von Vandalismus zerstört, dass er diesmal nicht genutzt werden kann. Dafür wird ein Teil der Schau erstmals unter freiem Himmel auf dem Expo-Ost-Gelände gezeigt. 

Neben dem Hauptpreis, dem Freelens Award, wird wieder eine von 21 ausgewählten Multimediareportagen gekürt. Auch die Besucher, erwartet werden in diesem Jahr über 40 000, können abstimmen – über den HAZ-Publikumspreis, der zum dritten Mal vergeben wird und mit 1000 Euro dotiert ist.

www.fotofestival-hannover.de

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