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Kultur Zwischen zwei Welten
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21:38 27.11.2014
Ben und seine Welt: Jonas Vietzke. Quelle: Handout
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Hannover

Jonas Vietzke steht ganz allein im Bühnenraum, und das wird sich für die folgenden siebzig Minuten auch nicht ändern. Es scheint sich hier also um ein Ein-Personen-Stück zu handeln. Oder auch nicht. Denn Vietzke spielt auch andere Menschen: die Mutter und den Vater seiner Figur, einen Lehrer oder Psychiater. Diese sind als Video-Einblendungen auf einer Leinwand oder auf im Raum verteilten Würfeln und einem Rechteck zu sehen und zu hören. Dann wieder schlüpft Vietzke in die Rollen von Jugendlichen, die Ben bedrängen. Er tut dies alles mit Körpersprache und variierendem Tonfall. Eine beeindruckende schauspielerische Leistung, die den Blick in die Psyche eines Menschen freigibt.

Dass Vietzke als Ben allein agiert, kommt nicht von ungefähr. Ben ist Autist, sein Lebensuniversum umfasst ihn selbst, kommt er mit der Außenwelt in Berührung, sind krisenhafte Momente vorgezeichnet. Ben ist Schüler, trotz seines Autismus besucht er eine normale Schule. Das aber kann nur funktionieren, wenn er wie die anderen ist. Doch das ist Ben nun einmal nicht, und deshalb sieht er sich immer neuen Anfeindungen und Demütigungen ausgesetzt, die ihn allmählich zermürben und in eine hoffnungslose Enge treiben.

Es gibt aber eine Welt, in der Ben bestehen und kommunizieren kann. Sie findet sich auf einer großen Leinwand an der Bühnenwand. Dort laufen sporadisch Szenen eines Videospiels per Computer. In dieser virtuellen Welt ist Ben der große und anerkannte Kämpfer, und hier hat er mit dem Mädchen Scarlite auch eine Partnerin, mit der er täglich zusammen ist. Doch dann bricht die Trennung zwischen den beiden Welten zusammen, weil der Druck von außen zu groß wird. Ben gibt den Kampf auf, so sein zu wollen wie die anderen. Im gelungenen Schluss des Stücks vermischen sich reale und virtuelle Welt – aus Ben dem Ausgestoßenen wird Ben der Sieger.

Viel Beifall für das Theaterteam, voran natürlich Jonas Vietzke und Regisseurin Karin Drechsel.

Ekkehard Böhm

Weitere Vorstellungen:

Weitere Aufführungen am Freitag und am Sonnabend sowie am 3., 5., 6. und 10. Dezember, jeweils 20 Uhr. Informationen gibt es unter: www.theater-an-der-glocksee.de

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