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Beyoncé Knowles bringt Album "4" heraus

R-´n´-B-Megastar Beyoncé Knowles bringt Album "4" heraus

Show ist ihr Geschäft: Was immer Beyoncé Knowles macht, gelingt ihr. Jetzt hat die amerikanische Sängerin ein neues Album herausgebracht.

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Benyoncé Knowles bringt ihr viertes Album heraus.

Quelle: dpa

Auf die Idee muss man erst mal kommen: Hyänen! Tiere, denen man so zugetan sein kann wie nur irgendwas, die aber immer fies, linkisch, hinten zu niedrig und vorne zu hässlich wirken und es im Sinne der Natur eigentlich auch sind. Kurz: Mit Hyänen will man in keiner Beziehung stehen, in einer vertrauten schon gar nicht. Anders Beyoncé Knowles: Die Sängerin führt Hyänen Gassi. In ihrem neuen Video „Run The World (Girls)“ sieht man auf den beiden Seiten der Leine die denkbar entferntesten Definitionen von Schöpfungsästhetik. Was will uns die Szene sagen? Die Schöne und die Biester? Beyoncé bändigt die Bestie? Oder waren die Löwen aus?

Es ist nicht die einzige Frage, die man zu dem Clip haben kann. Alles ist ein bisschen wild und schnell und durch­einander. Afrikanische Tänzer in karger Wüstenatmo, Autos, Hinweisschilder nach Tiflis, dazwischen Beyoncé in feinstem Designertuch, mal wie Kleopatra, mal wie aus „Mad Max“. Je öfter man es sieht, desto akkurater wirkt alles, vermutlich können die Hyänen kleine Kunststückchen und apportieren die Zeitung.

Also alles wie immer bei Beyoncé. Dirt ist okay, aber gepflegt muss er sein. Kontrollierte Schrille. Wer Schockpop will, muss zu Lady Gaga zappen. Beyoncé hat schließlich einen Ruf zu verlieren als schillernde Arbeitsbiene des US-Pop. Kaum jemand nimmt das Wort Show-Business so wörtlich wie die 29-Jährige: Ihre Plattenverkaufszahl wird in absehbarer Zeit die dreifache Millionenmarke knacken, sie hat 16 Grammys als Solokünstlerin und Mitglied von Destiny’s Child gewonnen, sie schreibt Songs, ist Schauspielerin, Model, Werbeikone, hat natürlich ein eigenes Mode- und Parfümlabel, und wenn Michelle Obama ruft, macht Beyoncé ein bisschen Aerobic mit Kindern, um die Aufmerksamkeit des futternden Volkes für die Kampagne „Let’s Move“ vom Grill zum Drill zu lenken. Denn eine tolle Tänzerin ist sie ja auch, und wenn sie mit ihrem Gatten Jay-Z nicht schon einen Erstliga-Sprechsänger zu Hause hätte, würde sie vermutlich auch noch rappen. Und dann fehlt eigentlich nur noch ein Olympiasieg, aber die Dame ist ja noch jung und wird noch lange so aussehen.

Heute erscheint erst mal ihr neues Album. „4“ heißt es, wie damals das epochale Mainstreamrockwerk von Foreigner. Epochales hat Beyoncé noch nicht versprochen, immerhin will sie eine „Evolution“ erkannt haben. Was auch immer sie gemeint haben mag – alles, was nach Entwicklung und Prozess klingt, macht sich gut. Für das R-’n’-B-gewohnte Ohr klingt „4“ nicht wie ein Riesenschritt. Wenn es in den gigantomanischen Dimensionen dieser Popliga noch kein Todesurteil ist, einfach nur ein gutes Album abzuliefern, dann kann man nicht nur als Beyoncé-Fan guten Gewissens zugreifen. An Sound- und Arrangement- Ideen hat’s der Produzentenriege nicht gemangelt, mal rattern Marschtrommeln, mal klatschen Synthie-Hände. Es mischen sich erfreulich oft Gitarren in den Synthetikklang. Und Beyoncé singen zu hören, wie sie traumwandlerisch zwischen Hauchsoul und Gospelkraft changiert, ist bisweilen eine Offenbarung. Und wie nebenbei macht sie gleich im ersten Song „1+1“ so fulminant auf Whitney Houston, dass man das kaputte Original nie wieder hören will.

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