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Kultur Bill Murray singt in Wolfsburg
Nachrichten Kultur Bill Murray singt in Wolfsburg
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00:15 06.06.2017
Von Stefan Arndt
Bill Murray in Wolfsburg Quelle: Volkswagen
Hannover

Ein verpasster Flug hat Bill Murray vor 15 Jahren weitergebracht. Damals hat ihm die Rolle eines alternden Schauspielers, der in einem Hotel in Tokio hängengeblieben ist, in dem Film „Lost in Translation“ eine Oscar-Nominierung eingebracht. Murray, der mit Komödien wie „Ghostbusters“ oder „Und täglich grüßt das Murmeltier“ zum Hollywoodstar geworden ist, war fortan auch als ernsthafter Charakterdarsteller sehr gefragt.

Jetzt hat Murray wieder Neuland beschritten – und diesmal spielt ein durchgeführter Flug eine Rolle dabei. An Bord einer Maschine hat Murray den deutschen Cellisten Jan Vogler kennengelernt und sich bald mit ihm befreundet. Der Musiker, der auch Intendant der Dresdner Musikfestspiele ist, lebt einen Teil des Jahres wie Murray in New York. Dort haben die beiden ein literarisch-musikalisches Bühnenprogramm erarbeitet und ein gemeinsames Album aufgenommen, das im September erschienen soll. Bei der dazugehörigen groß angelegten Tournee im Herbst treten die beiden unter anderem in der New Yorker Carnegie-Hall auf. Die Weltpremiere dieses Programms war aber nun dank Volkswagen-Unterstützung im Theater Wolfsburg zu erleben.

Murray und Vogler, der von der Pianistin Vanessa Perez und der Geigerin Mira Wang begleitete wurde, mischen dabei klassische Texte der amerikanischen Literatur von Whitman, Hemingway und Twain mit atmosphärischen Kammermusikhäppchen. Es gibt Tangos von Piazzolla und schön sentimentale Weisen von Elgar („Salut d’amour“) und Mancini („Moon River“). Manchmal dimmen die Musiker die Lautstärke etwas herunter, und Murray, der ein charismatischer Vorleser ist, spricht die Texte in die Stücke hinein. Das klingt sehr schön.

Weniger schön klingt es, wenn Murray die Texte singt. Im Programm sind auch ausgewachsene Songs von Gershwin, Van Morrison und Bernstein, die einem Sänger mehr abverlangen, als Murray es zu bieten hat. Oft singt er schief, manchmal auch zur falschen Zeit. Bestenfalls wirkt es wie die Szene aus „Lost in Translation“ in der Karaoke-Bar: rührend falsch.

Umgekehrt erscheinen auch die Musiker alles andere als souverän, wenn sie sich in kleinen Schauspieleinlagen versuchen. Und auch auf ihren Instrumenten leisten sich zumindest Vogler und Wang kleine Formschwächen.

So wird es zum Höhepunkt, wenn Murray am Ende rote Rosen im Publikum verteilt. Die Art, wie er durch den Saal läuft, wie er die Blumen rückwärts über den Kopf wirft – das ist schon irgendwie lustig. Ein Hollywoodstar kann eben alles machen. Fast alles.

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