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Kultur „Black Panther“ hadert mit seiner afrikanischen Seele
Nachrichten Kultur „Black Panther“ hadert mit seiner afrikanischen Seele
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14:31 16.04.2018
Findet man in „Black Panther“ zu viele Klischees über Afrika? Nun kommt Kritik vom schwarzen Kontinent. Hier: Nakia (Lupita Nyong'o, links), T'Challa/Black Panther (Chadwick Boseman) und Okoye (Danai Gurira). Foto: Marvel Studios/dpa Quelle: Marvel Studios
Washington

Hollywood findet eine bemerkenswerte Antwort auf Washingtons neue America-First-Politik. Mit „Black Panther“ entwickelt sich ausgerechnet eine Filmproduktion zum Supergeschäft, die überwiegend mit schwarzen Schauspielern besetzt ist.

Die Einnahmen übersteigen in kurzer Zeit die Milliarden-Dollar-Grenze - und flößen der US-Filmindustrie neue Hoffnung ein. Der erste schwarze Superheld des Marvel-Universums hat es auf die Liste der zehn erfolgreichsten Filme aller Zeiten geschafft und bis Anfang April weltweit 1,28 Milliarden Dollar (rund 1,04 Milliarden Euro) eingespielt. Damit ist es der bislang erfolgreichste Superheldenfilm.

Der Science-Fiction-Film ist in einem geradezu idealtypischen Land irgendwo in Afrika angesiedelt und klingt wie eine Gegenrede auf Donald Trump, der mit Blick auf fremde Länder von „Dreckslöchern“ spricht, aus denen unzählige Immigranten nach Amerika und Europa strömen würden.

Dagegen begeistert der Blockbuster mit einem Gegenentwurf: In „Wakanda“ zeigt sich eine vermeintlich wahre afrikanische Kultur, die von der Kolonialherrschaft verschont blieb. Frauen und Männern spielen ihre Rollen auf Augenhöhe, und technologisch erscheint der Ministaat dem Rest der Welt ohnehin weit voraus.

„Ein wilder Mix aus allem, was irgendwie afrikanisch erscheint“

Allerdings greift die Begeisterung über das Superhelden-Spektakel und seine politische Wirkung in der Trump-Ära so lautstark um sich, dass die nachdenklichen Stimmen leicht überhört werden.

Denn jenseits des erfolgreichen Geschäftsmodells und jenseits der inneramerikanischen Debatte fragen sich vor allem Afrikaner, was ihnen dort eigentlich präsentiert wird: Ein Streifen, der auf ihrem Kontinent spielt, auf dem aber nicht ein einziger Drehtag verbracht wurde? Ein Streifen, der in den USA, in Europa und Asien mit viel Pomp und Glamour auf die Leinwände gebracht wird, aber erstaunlich lange braucht, bis er im vermeintlichen Herkunftsland zu sehen ist?

Ganz zu schweigen von der Sprache und den Kostümen: „Ein wilder Mix aus allem, was irgendwie afrikanisch erscheint, aber völlig aus dem Zusammenhang gerissen ist“, sagt Larry Madowo. Dem kenianischen Medienmanager fällt eine Bewertung von „Black Panther“ schwer: „Es ist eine Annäherung an Afrika. So, wie sich Auswärtige Afrika vielleicht vorstellen.“ Ganz offensichtlich sollten sich die englischsprachigen Schauspieler einen Xhosa-Akzent aus Südafrika antrainieren.

Aber einige Akteure würden eher klingen, als ob sie aus Nigeria oder Uganda stammen. Auch über die Kostüme hört der Autor viele Debatten: Das Outfit der Superhelden erscheint ihm zusammengewürfelt und seiner ursprünglichen Bedeutung beraubt: „Einige Europäer lächeln über Amerikaner, die in sieben Tagen ganz Europa kennenlernen wollen“, sagt Madowo. Aber der Film gleiche einer noch kürzeren Reise: Ein einziger Stopp für den gesamten schwarzen Kontinent.

Unterschiede zwischen afro-amerikanischer und afrikanischer Kultur

Im Gespräch mit der renommierten afroamerikanischen Autorin Karen Attiah ging Madowo kürzlich der Frage nach, warum das Verhältnis zwischen Afrikanern und Afroamerikanern eigentlich so belastet ist: Es mangelt offenbar am gegenseitigen Verständnis. Während in vielen afrikanischen Gesellschaften die Stammeskultur noch überaus präsent ist, fehle vielen Afroamerikanern eben dieses Bewusstsein, da die ursprüngliche Kultur die brutale Sklavenzeit des 18. und 19. Jahrhunderts größtenteils nicht überstand.

Trotz aller Kritik im Detail neigt Madowo zu einem positiven Urteil: Filme Wie „Black Panther“ würden zu einer Wiederannäherung über den Atlantik beitragen. Zumindest sei es ein gutes Signal, dass wenigstens einige Schauspieler in dieser Hollywoodproduktion tatsächlich aus Afrika stammen.

Von Stefan Koch

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