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Ist Pop alt geworden, Herr Surall?

Kulturpastor im Interview Ist Pop alt geworden, Herr Surall?

Wie blicken alternde Popstars auf den Lebensabend? Einen ehrlichen Umgang mit dem Alter spricht Hannovers Kulturpastor Matthias Surall vom Haus kirchlicher Dienste Künstlern wie Bob Dylan und Patti Smith zu – und bewundert Mick Jagger.

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In die Jahre gekommen (von links): Mick Jagger, Madonna und Bob Dylan.

Quelle: dpa/Montage

Hannover.  Wie gehen Popstars mit dem Altern um? Und was ist in ihren Texten darübe zu finden? Hannovers Kulturpastor Matthias Surall von Haus kirchlicher Dienste hat sich damit beschäftigt.

Herr Surall, Sie veranstalten ein Symposium zum Thema „Das Alter in der Popmusik“ mit Beispielen wie Bob Dylan, Madonna und Tom Jones. Ist die Popkultur an sich alt geworden? 

Pop ist für mich jung und alt zugleich. Es ist ein Sammelbegriff für alles, was ein künstlerischer Diskurs ist, in dem es letztlich um eine Auseinandersetzung mit dem Leben geht, wie flach oder intensiv diese auch immer ausfällt. Das Interessante ist, dass auch bei jüngeren Künstlern bereits Themen wie Tod vorkommen. 

Dabei liefert doch das Alter besonders guten Stoff für Songs. Haben gestandene Künstler mit mehr Lebenserfahrung vielleicht mehr zu erzählen, als junge Künstler? 

Vom künstlerischen Ansatz her würde ich eher sagen, ja und nein. Rein lebensgeschichtlich stimmt das natürlich. Aber wenn ich mir bei manchen Künstlern wie Bob Dylan das Frühwerk anschaue, finde ich es auch absolut faszinierend, was sie schon damals für große Themen behandelt haben und auch wie sie das gemacht haben, ohne dass man auch nur annehmen könnte, dass sie einen Bruchteil davon selber erlebt hätten. 

Denken Sie, Bob Dylan kommt gut damit zurecht, älter zu werden? 

Nein, ich glaube, kein Mensch wird gerne alt. Aber ich glaube, er hat seinen Frieden damit gemacht, alt zu sein. Denn sonst würde er das nicht auch im Gegensatz zu manch anderen Künstlern gerade im Bereich der Popmusik-Kultur selber thematisieren. Es zeichnet ihn als Künstler aus, dass er das Thema Alter nicht umschifft, sondern es behandelt, und zwar mit seinen positiven wie seinen negativen Facetten. 

Einige andere Künstler wehren sich auch dagegen, älter zu werden. 

Das ist natürlich bei Leuten, die im Rampenlicht stehen, ein wichtiges Thema. Madonna zum Beispiel ist jetzt im sechsten Lebensjahrzehnt nicht groß anders unterwegs, als sie es vor zwei oder drei Jahrzehnten war – weder von der Kleidung, noch von der Art der Bühnenshow oder dem Gesicht her. Und ich sag das jetzt mal hart: das ist schon eine gewisse Unfähigkeit zu altern, und zwar ehrlich zu altern. 

 Und sie gibt wie viele Musiker auch noch im fortgeschrittenen Alter Konzerte, obwohl sie es gar nicht mehr nötig hätte. 

Auch Mick Jagger hüpft mit 74 Jahren noch mit einer Energie über die Bühne, die ich nicht einmal vor zwanzig Jahren hatte. Früher habe ich mich noch über Jagger amüsiert, weil ich gedacht habe, er hat einen Peter-Pan-Komplex. Inzwischen muss ich sagen, er nötigt mir einen hohen Respekt ab, weil er wie eben auch Bob Dylan oder Patti Smith diesen Ansatz fährt: „Ich mache mein Ding, ich mache meine Kunst, bis ich nicht mehr lebe, bis ich nicht mehr kann.“ Ich finde das bewundernswert, denn das bedeutet für mich bewusstes Leben gerade auch im Alter. 

 Warum beschäftigen Sie sich als Pastor so ausgiebig mit Songs der Pop- und Rockmusik? 

Für eine Kirche, die sich dem Dialog mit zeitgenössischer Kunst und Kultur geöffnet und verschrieben hat, gibt es keinen Weg vorbei an der Popmusikkultur. Denn Popmusik ist seit den Sechzigerjahren ein selbstverständlicher und vielfältiger Teil unserer Welt, Gesellschaft und Kultur geworden. Sie prägt den Lebensalltag und die Biographien zahlreicher Menschen und widmet sich wie andere Kunstsparten auch oft den großen Lebensthemen wie Liebe und Tod.

Matthias Surall, Mitarbeiter im Haus kirchlicher Dienste (HkD) in HannoverFoto

Matthias Surall, Mitarbeiter im Haus kirchlicher Dienste (HkD) in Hannover.Foto: Jens Schulze

Quelle: HkD, Jens Schulze

Zur Person

Dr. Matthias Surall (55) ist seit Februar 2016 leitender Referent für Kunst und Kultur im Haus kirchlicher Dienste Hannover. Seine Dissertation schrieb er über das Werk des australischen Singer-Songwriters Nick Cave, sein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Werk von Bob Dylan. Am Sonnabend, 13. Januar, hält er zusammen mit Pastorin Imke Schwarz aus Fleestedt einen Workshop zum Thema „Das Alter in der Popmusik“ von 10.15 bis 17 Uhr im Landesmuseum Hannover. Der Teilnehmerbeitrag liegt bei 15 Euro. Anmeldung unter Telefon (0511) 1 24 14 32 oder per E-Mail an kunst.kultur@kirchliche-dienste.de

Von Nils Oehlschläger

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