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Brazzo Brazzone feiert fünf Jahre Bläser-Wahnsinn

Pavillon Brazzo Brazzone feiert fünf Jahre Bläser-Wahnsinn

Blasmusik kann richtig mitreißend sein. Das hat das Ensemble Brazzo Brazzone – fünf Bläser und ein Schlagzeug – am Donnerstagabend im Pavillon bewiesen. Und dabei haben sie auch nicht vor einigen Pop-Klassikern Halt gemacht.

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Brazzo Brazzone beim Konzert.

Quelle: Samantha Franson

Hannover. Brazzo Brazzone steht beim Konzert im Pavillon gar nicht auf der Bühne. Vielmehr erzählt sein angeblicher Enkel Daniele viel vom italienischen „Nonno“, dem nicht nur die Familie ihre Songs zu verdanken habe, sondern die gesamte Menschheit jegliche Musik seit den Zwanzigerjahren. Die Geschichte ist ein bisschen irre: Der Großvater sei Daniele vor fünf Jahren im Traum erschienen und habe ihn beauftragt, sein World Brass Ensemble zu reaktivieren. Die Kompositionen seien dann in einer Kiste auf dem Dachboden aufgetaucht. Das klingt alles merkwürdig vertraut? Vielleicht deshalb, weil Achim Hagemann als Pawel Popolski seit über zehn Jahren eine fast identische Legende erzählt. Nur dass dessen Opa angeblich aus Polen kam und alle Hits der Popmusik ursprünglich im Polka-Sound schrieb.

Warum der hannoversche Jazztrompeter Daniel Zeinoun es nötig hat, diese Rahmenhandlung für seine Bühnenshow zu kopieren, bleibt wohl sein Geheimnis. Vor allem weil die Musik des World Brass Ensemble weit mehr zu bieten hat, als exotische Coverversionen mit gespieltem Akzent und lustigen Anekdoten. Fünf Bläser und ein Schlagzeuger entfesseln im Pavillon einen musikalischen Orkan, den sie eine kaum überschaubare Menge von Einflüssen und Zitaten kunstvoll verwirbeln lassen. Das Ergebnis ist ein organischer Blechsound, der alle Details zugleich präzise auf den Punkt bringt und leichtfüßig arrangiert – mit ausreichend Raum für atemberaubende Soli.

Egal ob man die Originale von den Jackson Five, den Eurythmics, Earth Wind And Fire, Sting, James Brown oder Paolo Conte liebt: Diese Versionen sind unerhört lebendig. Sie scheinen sich bei allem zu bedienen, was jemals mit Trompeten, Posaunen, Saxofonen und Susafonen angestellt wurde und kippen dabei sekundenschnell zwischen allen Genres. Obwohl ein Großteil der Halle bestuhlt ist, bleibt das begeisterte Publikum den ganzen Abend über in Bewegung. Die abstrusen Geschichten, die Daniel Zeinoun als Daniele Brazzone zu den Stücken erzählt, kommen bei den meisten gut an. Sie wären allerdings noch unterhaltsamer, wenn man dabei nicht ständig Pawel Popolskis Polkas im Hinterkopf hätte.

Von Thomas Kaestle

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