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Schreiben ist Gold

Leibniz-Brief entdeckt Schreiben ist Gold

Ein neu entdeckter Leibniz-Brief unterstreicht die Vielseitigkeit des Gelehrte. In den wenigen Zeilen erkundigt Leibniz sich nach einem Juristen in Dresden, er äußert sich zur geplanten Edition der Schriften eines arabischen Geografen und berichtet vom Besuch Zar Peters in Lüneburg.

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Forscherstolz: Stephan Meier-Oeser und Michael Kempe mit Faksimiles des Leibniz-Briefs.

Quelle: Kleinschmidt

Hannover . Er schrieb die Zeilen wenige Wochen vor seinem Tod. Und fast scheint es, als hätte Leibniz in diesem Brief vom 29. Mai 1716 an den Hofrat Georg Enoch Buchta in Zeitz noch einmal seine ganze intellektuelle Vitalität beweisen wollen: „Wie unter einem Brennglas zeigt dieser Brief die mannigfaltigen Interessen und Wissensgebiete, auf denen sich der Universalgelehrte tummelte“, sagt Michael Kempe vom hannoverschen Leibniz-Archiv. In den wenigen Zeilen erkundigt Leibniz sich nach einem Juristen in Dresden, er äußert sich zur geplanten Edition der Schriften eines arabischen Geografen und berichtet vom Besuch Zar Peters in Lüneburg. Der Brief ist auch das Dokument einer umfassenden Vernetzung.

Das Schreiben ist 2013 bei einer Auktion in Berlin aufgetaucht. Die in der Leibniz-Bibliothek verwahrten 15 000 Briefe des Gelehrten wurden vor sechs Jahren zum Unesco-Welterbe erhoben – was die Preise für Schriftstücke von seiner Hand spürbar in die Höhe trieb. „Es ist äußerst selten, dass überhaupt noch Leibniz-Briefe in den Handel kommen“, sagt Bibliotheksdirektor Georg Ruppelt. Sein Haus hat den neu entdeckten Brief erworben: 15 000 Euro steuerte die Bibliothek selbst bei, jeweils 10 000 Euro kamen vom Kulturministerium und der Stiftung Niedersachsen. Gestern wurde das Schreiben in der Neustädter Hof- und Stadtkirche erstmals präsentiert. In dem Brief beschäftigt sich Leibniz vor allem mit dem Perpetuum mobile, das ein gewisser Orffyreus bei Zeitz damals gebaut hatte: Das etwa drei Meter hohe Rad, das sich unablässig drehte, löste seinerzeit in Europa Furore aus. „Das Perpetuum mobile war das große Faszinosum jener Zeit“, sagt der Münsteraner Leibniz-Forscher Stephan Meier-Oeser.

Leibniz glaubte zwar, dass eine Maschine, die sich aus eigener Kraft fortwährend bewegt, gegen die Naturgesetze sei. Dennoch würdigte er das Perpetuum mobile in dem Brief als „eine der schönsten Erfindungen“. Womöglich, weil er selbst in jungen Jahren ans Perpetuum mobile geglaubt hatte. Oder weil ihn jeder nachhaltige Umgang mit Energie interessierte. Leibniz dachte eben in vielerlei Hinsicht ziemlich modern.
Ein Faksimile des Briefes ist am Leibniz-Grab in der Neustädter Kirche bis zum 22. September zu sehen.

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