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Kultur Brillanz und Esprit
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00:02 30.09.2016
Barockspezialistin von Weltrang: Midori Seiler. Quelle: Gregor Hohenberg
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Hannover

Im Jahr 1792 war Haydn von seiner ersten einjährigen England-Reise zurückgekehrt - in der englischen Hauptstadt waren sechs seiner zwölf sogenannten Londoner Sinfonien uraufgeführt worden. Auch Haydns Sinfonie B-Dur Nr. 98 hatte sich als großer Erfolg erwiesen: Die beiden Ecksätze mussten umgehend wiederholt werden - nicht verwunderlich bei der raffinierten Satztechnik, die Haydn anwendet. Das rätselhafte Cembalo-Solo im Finalsatz wirft nach wie vor die Frage auf, ob es einerseits wirklich zur Ausführung gedacht war, und ob andererseits tatsächlich Haydn selbst bei der Uraufführung in die Tasten gegriffen hatte. Oder handelt es sich um einen der berühmten Haydn’schen Späße? Fakt ist, dass der sogenannte Generalbass in der Wiener Klassik kompositorisch längst aus der Mode gekommen war, wenngleich er in der Aufführung der jeweiligen Konzerte noch große Bedeutung hatte. So gesteht Haydn in dieser Sinfonie dem Begleitinstrument ein Solo zu, das sein Publikum zwangsläufig aufhorchen lässt.

Neben der Tonart B-Dur verbindet Haydns 98. und Beethovens 4. Sinfonie auch die gestalterische Bedeutung der langsamen Einleitung im Kopfsatz für die weitere formale Konstruktion. In beiden Fällen ist zudem das melodische Material destilliert, Rhythmus und Harmonik sowie motivische Ableitungen halten das Satzgefüge zusammen. Trotz dieser abstrakten Vorgänge zeigt sich Beethoven gerade in dieser Sinfonie fast ungewohnt heiter, beweist differenzierte Klangfantasie und vor allem Instrumenta­- tionspoesie. Subtile Klangabstufungen bietet auch der lyrische zweite Satz, und nach einem lebendigen Scherzo folgt das äußerst virtuose Finale.

Zwischen diesen beiden Sinfonien vermittelt ein Violinkonzert Wolfgang Amadeus Mozarts, der Haydn derart freundschaftlich verbunden war, dass gemutmaßt wird, der besonders expressive zweite Satz von Haydns Sinfonie Nr. 98 könne als eine Art Requiem auf den im Vorjahr verstorbenen Kollegen und Freund Mozart gelesen werden - insbesondere das zweite Thema des Satzes erinnere an das Andante cantabile aus Mozarts „Jupiter-Sinfonie“. Dass Mozart, dessen man heute eher als pianistisches Wunderkind gedenkt, auch ein ausgesprochen talentierter Violinist gewesen sein muss, ist in der Brillanz und im Esprit der Solo-Stimme seines 2. Konzerts erkennbar, das er in den Jahren 1773 und 1775 in Salzburg hauptsächlich für den Eigengebrauch komponierte.

Mit dem Dirigenten Alessandro De Marchi und der Violinistin Midori Seiler sind zwei ausgewiesene Experten zu Gast. Gemeinsam mit dem Niedersächsischen Staatsorchester Hannover werden die beiden Künstler die Werke der großen Wiener Komponistentrias beleuchten. Christopher Baumann

ZWEITES SINFONIEKONZERTJOSEPH HAYDN SinfonieNr. 98 B-Dur HOB. I:98 (1792)

WOLFGANG AMADEUS MOZART Konzert für Violine und Orchester Nr. 2 D-Dur KV 211 (1775)LUDWIG VAN BEETHOVEN Sinfonie Nr. 4 B-Dur op. 60 (1806)

Niedersächsisches Staatsorchester Hannover

DIRIGENT: Alessandro De Marchi

SOLISTIN: Midori Seiler (Violine)

Sonntag, 16. Oktober, 17 Uhr

Montag, 17. Oktober, 19.30 Uhr

KURZEINFÜHRUNG jeweils 45 Minuten vor dem Konzert

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