Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur „Brimstone“ – Fanatiker im Wilden Westen
Nachrichten Kultur „Brimstone“ – Fanatiker im Wilden Westen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:00 28.11.2017
Die Stadt in seiner Hand: Ein neuer Priester in Brimstone entpuppt sich als grauenvoller Sadist. Er findet aber eine Gegenspielerin, die es mit ihm aufnimmt. Quelle: Koch
Hannover

Mit einem klassischen Western hat „Brimstone“ nicht viel zu tun. Es gibt hier weder den klassischen Kampf zwischen einem Sheriff und Outlaws oder zwischen Siedlern und Indianern. Stattdessen steht in dieser europäischen Koproduktion das Leben einer Frau im Mittelpunkt: Die stumme Liz (Dakota Fanning), die recht zufrieden Ende des 19.Jahrhunderts mit ihrer kleinen Familie am Rande einer Stadt lebt und dort als Hebamme arbeitet.

Eine verhängnisvolle Entscheidung

Eines Tages kommt jedoch ein neuer Priester (Guy Pearce) in den kleinen Ort, der Liz von Anfang an unheimlich ist.Sie hat nämlich das unbestimmte Gefühl, dass er gekommen ist, um sie zu bestrafen. Die böse Vorahnung bestätigt sich schnell, als sie sich eigenmächtig bei einer komplizierten Geburt für das Leben der Mutter und gegen das des Kindes entscheidet – zum Unwillen des Priesters, der sie und ihre Familie daraufhin mit heiligem Zorn verfolgt.

Die unglaublichen Hintergründe dieses Konflikts erzählt dann der niederländische Film in Bildern und Szenen, die oft nur schwer zu ertragen sind. Nicht nur wegen der vorgeführten Gewalt, sondern vor allem wegen der kalten, stets bedrohlichen Atmosphäre, die den ganzen Film prägt. Gezeigt wird dabei, und das macht den Film so aktuell, das Gewaltpotential von religiösem Fanatismus, der hier besonders eine Frau trifft. Thematisiert wird auch ein System, das Frauen nicht nur religiös verbrämt unterdrückt, sondern sie zutiefst erniedrigt, nicht zuletzt durch eine Sexualität, die offen sadistische Züge trägt.

„Game of Thrones“-Star Kit Harington spielt mit

Unterteilt ist „Brimstone“ in vier etwa gleich langen Kapitel. Während das erste und letzte in der erzählerischen Gegenwart spielen, behandeln die beiden mittleren recht ausführlich die Vorgeschichte. Wobei sich Regisseur Martin Koolhoven sehr viel Zeit nimmt, um seine Hauptfiguren zu entwickeln (auch der „Game of Thrones“-Star Kit Harington wirkt mit), was dann auch die lange Laufzeit von fast zweieinhalb Stunden erklärt. Dennoch wird der Film nie langweilig und wirkt nie langatmig – zu packend ist einfach das Thema und die gute darstellerische Leistung seiner beiden Hauptdarsteller.

Von Ernst Corinth / RND

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Mit einem perfekten Dinner will ein reicher Amerikaner einen Kunst-Coup landen. In „Madame“ (Kinostart am 30. November) gibt Toni Colette ein furchterregendes Oberklassen-Biest und Almodóvar-Muse Rossy De Palma ein Dienstmädchen, das einen Abend lang Dame von Welt spielen soll.

28.11.2017

Um Indischgelb herzustellen, braucht man Urin von Kühen, die mit Mangold gefüttert worden sind. Purpur stammt aus Schneckensekret, und Grün braucht Arsen. Die Dresdner Farbstoffsammlung informiert darüber. Aber ihr fehlt Platz

01.12.2017

Der Dirigent Marc Albrecht gastiert an dem Haus, an dem sein Vater 32 Jahre Generalmusikdirektor war: Am 2. Dezember dirigiert er an der hannoverschen Staatsoper „Hänsel und Gretel“. Ein Gespräch über musikalische Familenstreitigkeiten und die Last eines gutes Vorbilds.

30.11.2017