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07:38 18.08.2014
Der Brockhaus ist aus. Für immer. Quelle: Wittek
Leipzig

Ausgestorben ist der Brockhaus noch nicht, jedenfalls nicht bei Wikipedia. Die ehrenamtlichen Lexikonautoren im Internet haben sich gestern noch nicht getraut, den Satz „Die Brockhaus Enzyklopädie ist ein mehrbändiges Nachschlagewerk in deutscher Sprache“ in die Vergangenheitsform zu übertragen. Dabei hätten die sonst so eifrigen Wissensautoren allen Grund für eine Aktualisierung gehabt – zumal es die ihren waren, die das 70 Kilogramm schwere Weltwissen in Ledereinband überflüssig gemacht haben.

Der Brockhaus ist aus. Für immer. Am Sonntag gab die Bertelsmann-Tochter Wissenmedia bekannt, dass von der 2006 auf den Markt gebrachten 21. Auflage „keine Ausgaben mehr auf Lager sind“. Eine neue Auflage wird es nicht geben.
Der Gütersloher Mediengigant hatte die Markenrechte und die 21. Auflage 2009 vom Traditionsverlag „Bibliographisches Institut F.A. Brockhaus“ gekauft. 70 Redakteure hatten in Leipzig, der ursprünglichen Brockhaus-Stadt, an dieser letzten Leistungsschau des gedruckten Lexikons gearbeitet. 2008 gab der Verlag jedoch bekannt, dass es nach 200 Jahren Brockhaus-Geschichte keine 22. gedruckte Auflage mehr geben werde – die Konkurrenz aus dem Internet war zu groß geworden. 2010 wurde der Standort Leipzig geschlossen. Nun spart sich Bertelsmann, wie bereits vor einem Jahr angekündigt, auch die Lieferung an Buchhandlungen und die Mühe des Direktvertriebs. 85 Prozent der Auflage wurden zuletzt auf diesem Weg verkauft. „Ab sofort gibt es den Brockhaus nur noch gebraucht – oder eben digital.“

Das Paket der 300.000 Brockhaus-Artikel werde aber weiterhin elektronisch aktualisiert. Das gilt etwa für Kunden, die mit dem Reihenwerk einen Onlinezugang gekauft haben. Oder aber für die Kunden des „Brockhaus-Wissensservice“. Dazu gehören Hochschulen, Unternehmen und Bibliotheken.

Knapp 2500 Euro hat die druckfrische Ausgabe gekostet. Wissen für die Ewigkeit, eingehüllt in schwarzes Cabra-Leder. Ältere Editionen gibt es im Antiquariat bereits für dreistellige Summen. Verramscht wird nichts. 200 Jahre Tradition behalten ihren Preis.

von Jan Sternberg

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